#65 [Journal] Published: 18.09.2026
Cover-Bild: Ladefallen beim E-Auto: Diese Kostenfallen kennen zu wenige Fahrer

Ladefallen beim E-Auto: Diese Kostenfallen kennen zu wenige Fahrer

Ad-hoc-Preise, Blockiergebühren, Roaming-Aufschläge: Diese Kostenfallen beim E-Auto-Laden solltest du in der Schweiz und Deutschland kennen.

Wer sein Elektroauto zum ersten Mal an einer öffentlichen Ladestation in der Schweiz oder in Deutschland ansteckt, erlebt manchmal eine böse Überraschung: Die Rechnung fällt deutlich höher aus als erwartet. Dabei ist günstiges Laden kein Zufall, sondern das Ergebnis von Wissen und Vorbereitung. Der Energieprofessor Volker Quaschning zeigte in seiner Videokolumne "Sieben Fallen beim E-Auto-Laden" im September 2026, wie selbst erfahrene Fahrer in typische Kostenfallen tappen (Quelle: klimareporter.de, September 2026). Der folgende Überblick ordnet die wichtigsten Fallen für Fahrerinnen und Fahrer in der DACH-Region ein und zeigt, wie sich hohe Rechnungen vermeiden lassen.

Überhöhte Spontanpreise beim Ad-hoc-Laden

Die häufigste Falle lauert beim sogenannten Ad-hoc-Laden: Wer ohne Vertrag oder Abo einfach per Kreditkarte oder QR-Code lädt, zahlt oft den höchsten verfügbaren Tarif. In Deutschland verlangt der Schnellladeanbieter Ionity für das Ad-hoc-Laden ohne Vertrag seit Juli 2026 bis zu 76 Cent pro Kilowattstunde (Quelle: electrive.net, Juni 2026). In der Schweiz zeigt ein Vergleich des Touring Club Schweiz (TCS), dass eine Ladung von 50 Kilowattstunden an Autobahn-Schnellladestationen im Schnitt rund 34 Franken kostet, in Einzelfällen bis zu 46 Franken (Quelle: TCS, 2026).

Wer sich stattdessen bei einem Anbieter registriert oder ein Abo abschliesst, zahlt spürbar weniger: Bei Ionity kostet die Kilowattstunde im Jahresabo "Ionity Power" für 119.99 Euro pro Jahr ab 39 Cent, also fast die Hälfte des Ad-hoc-Preises (Quelle: electrive.net, Juni 2026). Ob sich ein Abo lohnt, hängt von der Fahrleistung ab: Ein Abo rechnet sich meist erst ab einer regelmässigen, hohen Ladefrequenz. Wer nur gelegentlich öffentlich lädt, fährt oft besser mit einer abo-freien App.

Heimladen bleibt die günstigste Option

Der grösste Hebel liegt gar nicht an der öffentlichen Säule, sondern zu Hause. In der Schweiz lag der Medianpreis für Haushaltsstrom 2026 gemäss der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) bei 27.7 Rappen pro Kilowattstunde, deutlich unter den Preisen an öffentlichen Schnellladern. In Deutschland kostet das Laden zu Hause bei einem Strompreis von rund 31.2 Cent pro Kilowattstunde für Bestandskunden nur etwa 6.65 Euro pro 100 Kilometer, während öffentliches Schnellladen im Schnitt 10.45 Euro pro 100 Kilometer kostet (Quelle: Lichtblick Ladesäulencheck, Stand Juni 2026).

Das zeigt sich auch im Ladeverhalten: In der Schweiz lädt laut einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE) vier von fünf Elektroautofahrenden ihr Fahrzeug zu Hause, also rund 80 Prozent (Quelle: BFE-Studie "Wie lädt die Schweiz?", November 2025). In Deutschland liegt dieser Anteil gemäss einer Umfrage von BDEW und UScale bei 82 Prozent (Quelle: BDEW/UScale, 2025). Wer keine eigene Lademöglichkeit hat, etwa als Mieterin oder Mieter ohne festen Stellplatz, ist hier klar im Nachteil und auf öffentliche Infrastruktur oder den Arbeitsplatz angewiesen.

Blockiergebühren und Roaming-Aufschläge im Ausland

Viele Betreiber berechnen zusätzliche Gebühren, wenn ein Fahrzeug nach Abschluss des Ladevorgangs weiter an der Säule steht. Tesla erhob an deutschen Superchargern beispielsweise eine Blockiergebühr von 80 Cent pro Minute, sobald ein Fahrzeug länger als fünf Minuten nach Ladeende stehen blieb (Quelle: ecomento.de). Solche Gebühren sollen verhindern, dass Schnelllader als Parkplätze zweckentfremdet werden. Praktischer Tipp: App-Benachrichtigungen aktivieren und das Fahrzeug zeitnah wegbewegen.

Auch beim Laden im Ausland lohnt sich Vorsicht. Der Ladenetzbetreiber NaturEnergie verlangte 2022 im Roaming-Netz beim Schnellladen 55 Cent pro Kilowattstunde, während Kundinnen und Kunden im eigenen Tarif nur 48 Cent zahlten, ein Aufschlag von rund 15 Prozent (Quelle: NaturEnergie Tarifblatt, Juni 2022). Wer regelmässig zwischen der Schweiz, Deutschland und Österreich unterwegs ist, sollte vor längeren Reisen prüfen, welche Ladekarte im Zielland die günstigsten Konditionen bietet.

Fehlende Preistransparenz: Was die AFIR-Regel bringt

Lange Zeit zeigten viele Ladesäulen den aktuellen Preis nicht deutlich an, bevor der Ladevorgang startete. Seit dem 13. April 2024 gilt in der gesamten EU die Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR), die Preistransparenz vorschreibt: Bei Schnellladepunkten mit mehr als 50 Kilowatt Leistung, die nach diesem Datum errichtet wurden, müssen der Preis pro Kilowattstunde und mögliche zeitbasierte Preiskomponenten vor Beginn des Ladevorgangs klar ausgewiesen werden (Quelle: Verordnung (EU) 2023/1804, in Kraft seit 13. April 2024). In der Schweiz gilt keine identische EU-Regel, viele grosse Anbieter zeigen die Preise mittlerweile aber ebenfalls in ihrer App an. Grundregel bleibt: Immer den Preis prüfen, bevor das Kabel eingesteckt wird.

So lädst du dich günstiger durch den Alltag

Wer die typischen Fallen kennt, kann sie mit wenigen Massnahmen umgehen. Heimladen sollte, wo möglich, die erste Wahl bleiben, da es in der Schweiz und in Deutschland durchgehend am günstigsten ist. Apps mit Preisvergleich wie TCS eCharge oder Chargeprice in der Schweiz zeigen aktuelle Preise und Verfügbarkeiten an und helfen, teure Stationen zu meiden. Eine Kombination aus zwei bis drei Ladekarten verschiedener Netzwerke deckt in der Regel die meisten Situationen ab, ohne dass unnötige Grundgebühren anfallen. Vor Reisen ins Ausland lohnt sich ein Blick auf die Roaming-Konditionen der eigenen Karte, und an der Säule gilt immer: Erst den Preis bestätigen, dann laden.

Fazit

Öffentliches Laden ist in der Schweiz und in Deutschland teurer als Laden zu Hause, das zeigen die Zahlen von ElCom, BFE und Lichtblick deutlich. Die drei wichtigsten Punkte für die Praxis: Heimladen priorisieren, wo immer möglich, vor jedem Ladevorgang unterwegs den Preis prüfen, und bei häufigem öffentlichem Laden ein passendes Abo oder eine Kombination mehrerer Ladekarten evaluieren. Wer diese Grundregeln beachtet, vermeidet die teuersten der beschriebenen Fallen und behält die Ladekosten im Griff.

Quellen: klimareporter.de (September 2026), electrive.net (Juni 2026), Touring Club Schweiz (TCS, 2026), Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom, 2026), Bundesamt für Energie (BFE, Studie "Wie lädt die Schweiz?", November 2025), BDEW/UScale-Umfrage (2025), Lichtblick Ladesäulencheck (Stand Juni 2026), NaturEnergie Tarifblatt (Juni 2022), Verordnung (EU) 2023/1804 (AFIR)