Was Batteriespeicher für die Energieversorgung leisten können und was das für die Schweiz bedeutet
Eine neue Studie des Analyseunternehmens LCP Delta zeigt für Deutschland: Langzeit-Batteriespeicher können unter bestimmten Bedingungen günstiger zur Versorgungssicherheit beitragen als neue Gaskraftwerke. Die Studie wurde im Auftrag des Unternehmens Field erstellt und analysiert, welchen Beitrag Langzeitspeicher innerhalb von Kapazitätsausschreibungen leisten könnten. Dabei geht es den Autoren ausdrücklich nicht um ein Entweder-oder: Das untersuchte Basisszenario kombiniert neue Gaskraftwerke mit Langzeitspeichern und normalen Batteriespeichern. Kein Stromsystem könne 100 Prozent Versorgungssicherheit zu jedem Zeitpunkt garantieren, so die Studienautoren. Letztendlich gehe es immer um Wahrscheinlichkeiten.
Die Erkenntnisse aus Deutschland sind auch für die Schweiz relevant, auch wenn hierzulande andere politische und geografische Rahmenbedingungen gelten.
Was die Studie zeigt
Die Zahlen sind konkret: Beim Ersatz von 2 Gigawatt Gaskraftwerken durch Langzeitspeicher errechnet LCP Delta jährliche Einsparungen von bis zu 166 Millionen Euro für die Verbraucher, bei gleichem Versorgungsniveau. Der durchschnittliche Förderbedarf für Batteriespeicher liegt laut Studie bei rund 31 Euro pro Kilowatt und Jahr, für Gaskraftwerke bei knapp 100 Euro.
Ein weiteres Ergebnis: 82 bis 87 Prozent der modellierten Versorgungsengpässe dauern weniger als 10 Stunden, die Hälfte sogar unter 4 Stunden. Das spielt Langzeitspeichern in die Hände, die genau für solche Situationen ausgelegt sind. Zudem können Batteriespeicher über das ganze Jahr genutzt werden, erzielen damit eine höhere Auslastung und generieren mehr Erlöse als Gaskraftwerke, die vor allem in Spitzensituationen gefragt sind.
Die Ausgangslage in der Schweiz
Die Schweiz steht vor einer ähnlichen Grundfrage wie Deutschland: Wie lässt sich eine sichere Stromversorgung gewährleisten, wenn der Anteil erneuerbarer Energien steigt und steuerbare Kraftwerke wegfallen? Hierzulande kommt der Kontext dazu, dass die Wasserkraft eine starke Rolle spielt, der Atomausstieg politisch beschlossen ist und die Abhängigkeit von Stromimporten im Winter ein wiederkehrendes Thema bleibt.
Im Sommer produziert die Schweiz durch Photovoltaik und Wasserkraft regelmässig Überschüsse. Im Winter entsteht eine strukturelle Lücke. Diese saisonale Asymmetrie ist der Kern des Problems und gleichzeitig der Ansatzpunkt für eine Lösung, die auf Solar, Wind und Speicher setzt.
Was Solar, Wind und Speicher gemeinsam möglich machen
Photovoltaik, Windkraft und Batteriespeicher ergänzen sich, wenn sie richtig kombiniert werden. Solarenergie produziert vor allem tagsüber und im Sommer. Windkraft liefert auch nachts und in den Wintermonaten Strom, wenn der Wind bläst. Batteriespeicher puffern beide Quellen und stellen sicher, dass Energie dann verfügbar ist, wenn sie gebraucht wird, nicht nur dann, wenn sie produziert wird.
Langzeitspeicher, also Systeme mit einer Kapazität von mehreren Stunden bis zu einem Tag, sind dabei besonders interessant. Sie können Überschüsse aus sonnen- und windreichen Perioden aufnehmen und in Engpasssituationen wieder abgeben. Das reduziert die Abhängigkeit von Importen und macht teure Spitzenkraftwerke seltener notwendig.
Hinzu kommt die Flexibilität: Batteriespeicher können gleichzeitig mehrere Funktionen übernehmen, Spitzenlastdeckung, Frequenzregulierung und Netzdienstleistungen. Das verbessert ihre Wirtschaftlichkeit, weil sie nicht auf eine einzelne Einnahmequelle angewiesen sind.
Dezentral statt zentralisiert
Ein Vorteil von Batteriespeichern gegenüber grossen Kraftwerken ist ihre Skalierbarkeit. Statt wenige grosse Anlagen zu bauen, lassen sich viele kleinere Speicher über das Land verteilen, nah an Verbrauchern und Produktionsanlagen. Das erhöht die Resilienz des Netzes und reduziert Transportverluste. Für die Schweiz, die geografisch und netzstrukturell auf Dezentralisierung ausgelegt ist, ist das ein relevanter Vorteil.
Was bereits geregelt ist und wo noch Lücken bleiben
Die Technologie ist vorhanden und die Wirtschaftlichkeit verbessert sich laufend. Auf regulatorischer Ebene hat die Schweiz mit dem neuen Stromgesetz, das 2024 mit 68,7 Prozent Ja-Stimmen angenommen wurde und seit Januar 2025 schrittweise in Kraft ist, wichtige Grundlagen geschaffen. Batteriespeicher sind seit 2025 von der Netzentgeltpflicht befreit, und Speicherbetreiber können ihre Anlagen Swissgrid für Regelenergie zur Verfügung stellen und damit zusätzliche Erlöse erzielen. Ab 2026 darf Strom, der zwischengespeichert wurde, wieder ins Netz eingespeist und rückvergütet werden. Das sind relevante Schritte.
Was hingegen noch fehlt, ist die explizite Berücksichtigung von Grossbatteriespeichern in den Energieperspektiven des Bundes. Die bisherigen Szenarien thematisieren Batteriespeicher nur unvollständig und konzentrieren sich auf den Ausbau der Speicherseen für die Saisonspeicherung. Dabei geht das Forum Energiespeicher Schweiz davon aus, dass die installierte Batterieleistung zwischen 2030 und 2040 stark anwachsen muss, mit einer Vervierfachung gegenüber heute. Gezielte Förderprogramme für Langzeitspeicher auf Bundes- oder Kantonsebene gibt es bislang nicht. Die bevorstehende Aktualisierung der Energieperspektiven des Bundes wäre eine Gelegenheit, diesen Bedarf erstmals umfänglich zu bewerten.
Die Erkenntnisse aus der LCP-Delta-Studie liefern dafür eine nützliche Argumentationsgrundlage. Sie zeigen, dass der Verzicht auf fossile Backup-Kapazitäten nicht zwingend teurer sein muss, sondern unter den richtigen Bedingungen günstiger für die Allgemeinheit werden kann.
Hinweis: Die LCP-Delta-Studie wurde im Auftrag von Field erstellt und bezieht sich auf den deutschen Energiemarkt und die dortigen Kapazitätsausschreibungen. Die Übertragbarkeit auf die Schweiz ist aufgrund unterschiedlicher Marktstrukturen und regulatorischer Rahmenbedingungen eingeschränkt.