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#Journal Published: 20.03.2026

Geleakter EEG-Entwurf: Abschaffung der Solarförderung für Photovoltaik-Anlagen bis 25 Kilowatt

Drastische Änderungen bei der PV-Förderung: Das Bundeswirtschaftsministerium plant die komplette Streichung der Einspeisevergütung für private Dachanlagen bis 25 kW und will den Fokus auf Eigenverbrau

Ein geleakter Entwurf des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sorgt derzeit für Aufruhr in der Solarbranche: Das Bundeswirtschaftsministerium plant offenbar die komplette Abschaffung der Einspeisevergütung für Photovoltaik-Anlagen bis 25 Kilowatt. Diese drastische Änderung würde Millionen von Eigenheimbesitzern treffen und die Energiewende fundamental verändern. Was bedeutet das konkret für Sie als Hausbesitzer?

Was der geleakte EEG-Entwurf konkret vorsieht

Laut dem geleakten Entwurf im PV-Magazine plant das Bundeswirtschaftsministerium eine radikale Neuausrichtung der Solarförderung. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Komplette Streichung der Einspeisevergütung für PV-Anlagen bis 25 kW Leistung
  • Fokussierung auf Eigenverbrauch statt Netzeinspeisung
  • Wegfall der garantierten 20-jährigen Vergütung für kleine Dachanlagen
  • Beibehaltung der Förderung nur für größere Anlagen ab 25 kW

Diese Pläne würden das bisherige Fördermodell auf den Kopf stellen. Während derzeit noch eine Einspeisevergütung von etwa 8,2 Cent pro Kilowattstunde für neue Anlagen bis 10 kW gezahlt wird, sollen künftig nur noch die direkten Stromkosten durch Eigenverbrauch eingespart werden können.

Wirtschaftliche Auswirkungen für Eigenheimbesitzer

Die geplanten Änderungen hätten massive Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik-Anlagen für Privathaushalte. Eine beispielhafte Berechnung verdeutlicht die Dimensionen:

Bisheriges Modell (8 kW-Anlage):

  • Investitionskosten: circa 16.000 Euro
  • Jährlicher Eigenverbrauch (30%): 2.400 kWh à 30 Cent = 720 Euro Ersparnis
  • Einspeisung (70%): 5.600 kWh à 8,2 Cent = 459 Euro Vergütung
  • Gesamtertrag pro Jahr: 1.179 Euro
  • Amortisationszeit: circa 13-14 Jahre

Neues Modell ohne Einspeisevergütung:

  • Nur Eigenverbrauch: 720 Euro pro Jahr
  • Amortisationszeit: über 22 Jahre
  • Deutlich schlechtere Rendite

Diese Zahlen zeigen: Ohne Einspeisevergütung wird die Wirtschaftlichkeit kleiner PV-Anlagen erheblich verschlechtert. Besonders betroffen sind Haushalte mit geringem Eigenverbrauchsanteil.

Strategien zur Optimierung des Eigenverbrauchs

Falls die geplanten Änderungen tatsächlich umgesetzt werden, wird die Maximierung des Eigenverbrauchs zur entscheidenden Stellschraube für die Wirtschaftlichkeit. Hier sind die wichtigsten Ansätze:

Batteriespeicher als Schlüsseltechnologie

Ein Batteriespeicher kann den Eigenverbrauchsanteil von typischen 30% auf bis zu 70% steigern. Bei einer 8 kW-Anlage mit 10 kWh Speicher würde sich die Rechnung wie folgt ändern:

  • Eigenverbrauch steigt auf 5.600 kWh pro Jahr
  • Jährliche Ersparnis: 1.680 Euro
  • Zusätzliche Speicherkosten: circa 8.000-10.000 Euro
  • Gesamtinvestition: 24.000-26.000 Euro
  • Amortisationszeit: 14-15 Jahre

Intelligente Verbrauchssteuerung

Moderne Smart-Home-Systeme können den Eigenverbrauch ohne zusätzliche Hardware optimieren:

  • Automatische Steuerung von Wärmepumpen, Waschmaschinen und Geschirrspülern
  • Laden von Elektrofahrzeugen während der Sonnenstunden
  • Warmwasserbereitung mit PV-Überschuss
  • Steigerung des Eigenverbrauchs um 10-20% möglich

Auswirkungen auf die DACH-Region

Die geplanten Änderungen würden nicht nur Deutschland, sondern die gesamte DACH-Region beeinflussen. Während die Schweiz und Österreich eigene Fördersysteme haben, orientieren sie sich oft an deutschen Entwicklungen.

Schweiz: Das Einspeisevergütungssystem (KEV) wurde bereits 2018 durch die Einmalvergütung ersetzt. Der Fokus liegt schon länger auf Eigenverbrauch, was Schweizer Hausbesitzer weniger stark von den deutschen Änderungen betreffen würde.

Österreich: Hier gibt es noch ein Einspeisetarifsystem, das jedoch ebenfalls unter Druck steht. Die österreichische Regierung beobachtet die deutschen Entwicklungen genau und könnte ähnliche Schritte einleiten.

Kritik und Widerstand aus der Branche

Die geplanten Änderungen stoßen auf massive Kritik von Branchenverbänden und Experten. Die Hauptkritikpunkte:

  • Gefährdung der Energiewende: Der Ausbau privater PV-Anlagen könnte drastisch einbrechen
  • Soziale Ungerechtigkeit: Nur Haushalte mit hohem Eigenverbrauch profitieren noch
  • Planungsunsicherheit: Investoren und Installateure verlieren Kalkulationsgrundlage
  • Technologische Rückschritte: Innovation bei kleinen PV-Anlagen wird gebremst

Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt vor einem Einbruch der Neuinstallationen um bis zu 50%. Besonders kleinere Installationsbetriebe würden unter den Änderungen leiden.

Was Hausbesitzer jetzt tun sollten

Angesichts der unsicheren Rechtslage stehen viele Hausbesitzer vor der Frage: Warten oder handeln? Hier sind konkrete Handlungsempfehlungen:

Kurzfristige Maßnahmen

  • Bestehende Förderung nutzen: Solange das aktuelle EEG gilt, profitieren Sie noch von der Einspeisevergütung
  • Angebote einholen: Lassen Sie sich mehrere Kostenvoranschläge erstellen
  • Eigenverbrauch analysieren: Prüfen Sie Ihren Stromverbrauch und optimieren Sie ihn
  • Speicher mitplanen: Auch bei aktueller Installation sollten Sie Speicher-Nachrüstung vorbereiten

Langfristige Strategien

Unabhängig von den politischen Entwicklungen bleiben einige Grundsätze gültig, wie sie auch in unserem "Erneuerbare Energien Wissensbausteine" dargestellt sind:

  • Maximierung des Eigenverbrauchs durch intelligente Steuerung
  • Kombination mit anderen erneuerbaren Technologien (Wärmepumpe, Solarthermie)
  • Langfristige Energieunabhängigkeit als Ziel
  • Berücksichtigung steigender Strompreise in der Kalkulation

Fazit: Chancen trotz Herausforderungen

Der geleakte EEG-Entwurf stellt zweifellos eine Zäsur für die private Solarenergie dar. Die Abschaffung der Einspeisevergütung für kleine Anlagen würde die Rahmenbedingungen fundamental ändern. Dennoch bedeutet das nicht das Ende der privaten Photovoltaik.

Vielmehr zwingt die Entwicklung zu einem Umdenken: Weg von der reinen Stromproduktion, hin zu intelligenten Energiesystemen mit hohem Eigenverbrauch. Hausbesitzer, die bereits jetzt auf Speicher und Smart-Home-Technologien setzen, werden auch in Zukunft von der Solarenergie profitieren.

Meine Empfehlung: Nutzen Sie die verbleibende Zeit unter dem aktuellen EEG für Ihre PV-Installation. Planen Sie dabei bereits für die Zukunft mit Speicher und intelligenter Verbrauchssteuerung. So bleiben Sie flexibel und können auch von kommenden Änderungen profitieren.

Die Energiewende wird weitergehen – aber möglicherweise in anderer Form als bisher. Wer sich rechtzeitig darauf einstellt, wird auch in der neuen Energiewelt erfolgreich sein.