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#51 [Journal] Published: 31.07.2026
Cover-Bild: Wie klimafreundlich ist Solarstrom wirklich? Neue IEA-Daten geben Antwort

Wie klimafreundlich ist Solarstrom wirklich? Neue IEA-Daten geben Antwort

Neue IEA-Daten zeigen: Solarstrom emittiert 20 bis 50 g CO2-Äq./kWh. Die Herstellungsschuld ist in unter einem Jahr zurückgezahlt.

Das IEA Photovoltaic Power Systems Programme (IEA-PVPS) hat am 22. Juli 2026 seinen aktualisierten Lebenszyklus-Inventarbericht für Photovoltaiksysteme veröffentlicht: Bericht T12-33:2026 «Life Cycle Inventories of Photovoltaic Systems». Die letzte umfassende Aktualisierung stammte aus dem Jahr 2020. Der neue Bericht basiert auf 83 Fabrikuntersuchungen und gilt international als Referenz für Ökobilanzen, Nachhaltigkeitsbewertungen und Förderentscheidungen im PV-Bereich.

Was Lebenszyklus-Inventardaten sind und warum sie zählen

Lebenszyklus-Inventardaten (Life Cycle Inventory, LCI) erfassen alle Energie- und Materialflüsse eines Produkts von der Rohstoffgewinnung über die Fertigung bis zur Entsorgung. Für PV-Systeme beantwortet das die entscheidende Frage: Wie lange dauert es, bis eine Anlage die bei ihrer Herstellung verursachten CO2-Emissionen durch saubere Stromerzeugung wieder ausgeglichen hat?

Die Daten des IEA-PVPS fliessen in Planungssoftware, Umweltproduktdeklarationen (EPD), Nachhaltigkeitsberichte und politische Förderentscheidungen ein. Eine Aktualisierung nach sechs Jahren hat deshalb direkte praktische Konsequenzen für Hersteller, Planer, Unternehmen und Endkunden.

Was der neue Bericht zeigt

Der Hauptautor Matthias Stucki von IEA-PVPS Task 12 hebt zwei Entwicklungen als besonders bedeutsam hervor.

Erstens hat sich die Silizium-Lieferkette grundlegend verändert. Beim Sägen von monokristallinen Ingots anfallende Schnittabfälle behalten ihre solarfähige Reinheit und werden heute in einem eigenen Prozess wieder in die Kristallzüchtung eingespeist. Das schliesst einen Kreislauf, der bisher offen war. Gleichzeitig haben immer dünnere Diamantsägedrähte den Siliziumverlust beim Schneidprozess weiter gesenkt: Weniger Material geht verloren, bevor ein Wafer überhaupt entsteht.

Zweitens haben sich die Wirkungsgrade verbessert und die Waferstärken reduziert. Beides zusammen bedeutet: Für dieselbe Strommenge werden weniger Material und weniger Energie eingesetzt. «Zusammengenommen hat sich der Umwelteinfluss der Modullieferkette deutlich verringert, und das gilt auch für Wechselrichter», so Stucki.

Der Bericht deckt vier etablierte Technologien ab: monokristallines Silizium (mono-Si), multikristallines Silizium (poly-Si), Cadmiumtellurid (CdTe) und CIGS-Dünnschicht, sowie neu als aufkommende Technologie Perowskit-Silizium-Tandem.

Die CO2-Bilanz in Zahlen

Moderne PV-Systeme emittieren über ihren gesamten Lebenszyklus zwischen 20 und 50 Gramm CO2-Äquivalent pro erzeugter Kilowattstunde Strom, je nach Technologie, Standort und Systemkonfiguration. Zum Vergleich: Erdgas liegt bei rund 400 bis 500 g CO2-Äq./kWh, Kohle bei über 800 g. Solarstrom ist damit um einen Faktor von 10 bis 40 klimafreundlicher als fossile Alternativen.

Die Energy Payback Time (EPBT), also die Zeit, bis eine Anlage die bei ihrer Herstellung verbrauchte Energie durch saubere Stromerzeugung zurückgezahlt hat, liegt für monokristallines Silizium in mitteleuropäischen Verhältnissen unter einem Jahr. In sonnenreichen Regionen sind es sechs bis acht Monate. Da PV-Anlagen typischerweise 25 bis 30 Jahre betrieben werden, erzeugen sie über ihre Lebensdauer ein Vielfaches der Herstellungsenergie.

Unterschiede zwischen Technologien

Für Entscheidungen in der Schweiz, Deutschland und Österreich sind folgende Unterschiede relevant. Monokristallines Silizium bietet die höchste Effizienz mit aktuell 21 bis 23 Prozent Wirkungsgrad und eignet sich besonders für Dachflächen mit begrenztem Platz. CdTe- und CIGS-Dünnschicht haben eine besonders energieeffiziente Herstellung und sind in manchen Ökobilanzkategorien vorteilhaft. Bifaziale Module steigern den Energieertrag durch Nutzung von Rückseitenreflexion, ohne proportional mehr Herstellungsaufwand zu benötigen, was die spezifischen Emissionen pro kWh weiter senkt.

Der Standort beeinflusst die Bilanz ebenfalls. In der Schweiz und Süddeutschland mit 1.000 bis 1.200 Volllaststunden pro Jahr fällt die Klimabilanz gut aus. Module aus europäischer Produktion, etwa aus Deutschland oder Norwegen mit seinem erneuerbaren Strommix, weisen tendenziell noch günstigere Herstellungsemissionen auf als Module aus kohleintensiven Produktionsregionen.

Bedeutung für Unternehmen, Gemeinden und Förderprogramme

Die aktualisierten LCI-Daten gehen weit über den privaten Anlagenkauf hinaus. Im Kontext der EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzierungen und ESG-Berichterstattung sind verlässliche, aktuelle Ökobilanzdaten unverzichtbar. Gemeinden und Unternehmen, die CO2-Bilanzen erstellen oder Scope-2-Emissionen ausweisen, können nun auf eine solidere Datenbasis zurückgreifen. Wer explizit auf niedrige Produktionsemissionen Wert legt, sollte gezielt nach Herkunftsnachweisen und EPDs fragen.

Der vollständige Bericht (IEA-PVPS T12-33:2026) ist über die IEA-PVPS-Website zugänglich.

Quellen: IEA-PVPS T12-33:2026, pv magazine Global (22. Juli 2026), IEA-PVPS Task 12 (Matthias Stucki). Bericht basierend auf 83 Fabrikuntersuchungen, letzte Aktualisierung 2020.