Ende Februar 2026 starteten die USA und Israel eine Offensive gegen den Iran. Die Strasse von Hormus wurde gesperrt, Energieanlagen in Katar wurden beschädigt. Der europäische Gasmarkt reagierte sofort: Der Referenzpreis TTF kletterte zeitweise auf bis zu 74 Euro pro Megawattstunde, rund 104 Prozent über dem Niveau von vor dem Konflikt. Die Grosshandelsstrompreise stiegen um rund 45 Prozent.
Für Eigenheimbesitzer in der Schweiz stellt sich die Frage: Was bedeutet das konkret, und wie gut ist man mit einer eigenen Solaranlage und einem Batteriespeicher aufgestellt?
Wie die Schweiz vom europäischen Energiemarkt abhängt
Die Schweiz produziert rund 60 Prozent ihres Stroms aus Wasserkraft und ist damit deutlich weniger von Gas abhängig als Deutschland oder andere europäische Länder. Trotzdem ist sie Teil des europäischen Verbunds. Da Gaskraftwerke im europäischen Merit-Order-Prinzip häufig den Grenzpreis setzen, steigen auch Schweizer Grosshandelspreise mit, wenn Gas teurer wird.
Die ElCom hat die Winterversorgung 2024/2025 als gesichert bewertet. Die Schweiz war in dieser Periode dank hoher Wasser- und Kernkraftproduktion sogar Nettoexporteur. Gleichzeitig empfiehlt die ElCom für die mittelfristige Absicherung thermische Reservekapazitäten von 700 bis 1400 Megawatt ab 2030, wegen der Unsicherheiten beim Erneuerbare-Ausbau und der steigenden Nachfrage.
Ein wichtiges Detail: Die Haushaltsstrompreise in den EU-Hauptstädten sanken zwischen Februar und April 2026 trotz des Konflikts im Schnitt um 3,1 Prozent. Die Wirkung auf Endkunden ist also weniger direkt, als es die Grosshandelspreise vermuten lassen. Mittelfristig bleibt aber ein erhöhtes Preisniveau wahrscheinlich, solange der Konflikt anhält.
Warum der Konflikt die Debatte um Energieautarkie befeuert
Unabhängig von den kurzfristigen Preiseffekten zeigt der Iran-Krieg einmal mehr: Geopolitische Krisen können die Energieversorgung beeinflussen, auch in Ländern, die nicht direkt betroffen sind. Das stärkt das Argument für eine möglichst dezentrale und einheimische Energieversorgung, sowohl auf nationaler Ebene als auch für einzelne Haushalte.
Eine Photovoltaikanlage mit 10 kWp kann in der Schweiz jährlich rund 9.000 bis 12.000 Kilowattstunden produzieren, je nach Standort und Ausrichtung. Das entspricht in etwa dem Jahresverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts. In Kombination mit einem Batteriespeicher lässt sich der Eigenverbrauchsanteil auf 60 bis 80 Prozent steigern.
Was das wirtschaftlich bedeutet
Beim aktuellen Grundversorgungspreis von 27,7 Rappen pro Kilowattstunde (ElCom, 2026) ergeben sich aus einer Photovoltaikanlage mit hohem Eigenverbrauch konkrete Einsparungen. Wie hoch diese ausfallen, hängt stark vom individuellen Verbrauchsprofil, dem Standort und der Anlagengrösse ab.
Die Amortisationszeit für Photovoltaikanlagen liegt heute typischerweise bei 8 bis 12 Jahren, bei einer technischen Lebensdauer von über 25 Jahren. Batteriespeicher amortisieren sich in der Regel nach 10 bis 15 Jahren. Beide Zahlen verbessern sich mit steigenden Strompreisen.
Für die Finanzierung unterstützen Bundesförderungen den Bau von Photovoltaikanlagen. Die genaue Höhe der Förderung hängt von der Anlagengrösse sowie von den kantonalen und kommunalen Programmen ab und sollte vor der Planung individuell abgeklärt werden.
Welche Technologien den grössten Unterschied machen
Für Eigenheimbesitzer empfiehlt sich ein integrierter Ansatz. Eine Photovoltaikanlage deckt den Tagesbedarf. Ein Batteriespeicher speichert überschüssigen Solarstrom für die Abend- und Nachtstunden. Eine Wärmepumpe, die mit günstigem Solarstrom betrieben wird, reduziert zusätzlich die Heizkosten. Intelligente Energiemanagementsysteme koordinieren diese Komponenten automatisch und maximieren den Eigenverbrauch.
Solche integrierten Systeme können die Abhängigkeit vom öffentlichen Netz erheblich reduzieren. Wie viel, hängt vom Gebäude, dem Verbrauchsverhalten und der gewählten Systemgrösse ab. Pauschale Prozentzahlen sind wenig aussagekräftig und sollten durch eine individuelle Energieberatung ersetzt werden.
Fazit
Der Iran-Krieg hat die europäischen Grosshandelspreise für Gas und Strom deutlich erhöht. Für Schweizer Haushalte ist die direkte Wirkung bisher begrenzt, da die Endpreise reguliert und die Versorgung gesichert ist. Mittelfristig bleibt das erhöhte Preisniveau ein Argument für eigene Erzeugung und Speicherung.
Wer heute in eine Photovoltaikanlage und einen Batteriespeicher investiert, verbessert die eigene Versorgungssicherheit und sichert sich gegen künftige Preisentwicklungen ab. Das ist keine Reaktion auf eine Krise, sondern eine langfristige, strukturelle Entscheidung.
Quellen: ElCom Medienmitteilungen 2026, Strom-Report / BDEW zum Iran-Konflikt, Euronews HEPI-Daten April 2026