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#Journal Published: 13.02.2026
Cover-Bild: Öko Institut: Neue Umfrage zeigt steigende Akzeptanz für E-Lkw – batterieelektrische Lkw klar vor Wasserstoff

Öko Institut: Neue Umfrage zeigt steigende Akzeptanz für E-Lkw – batterieelektrische Lkw klar vor Wasserstoff

Batterieelektrische Lkw gewinnen in der Logistikbranche an Bedeutung.

Die Transportbranche steht vor einem Wendepunkt: Akzeptanz wächst, Umsetzung braucht Rückenwind

Eine aktuelle Studie des Öko-Instituts zeigt, dass batterieelektrische Lkw in der Logistikbranche spürbar an Akzeptanz gewinnen. In einer standardisierten Befragung mit 204 Logistikunternehmen in Deutschland wird deutlich, wohin sich die Erwartungen verschieben. Batterieelektrische Lkw werden zunehmend als zentrale Zukunftstechnologie gesehen, während Wasserstoff im Vergleich zu früheren Einschätzungen an Bedeutung verliert. Gleichzeitig zeigt die Studie ebenso klar, dass Akzeptanz nicht automatisch schnelle Investitionen bedeutet. Viele Betriebe warten auf bessere Rahmenbedingungen, mehr Planungssicherheit und belastbare Entscheidungsgrundlagen.

Batterieelektrische Lkw setzen sich in der Erwartung klar gegen Wasserstoff ab

Das wohl wichtigste Ergebnis ist die veränderte Zukunft Sicht der Branche. Die Unternehmen sehen unter den alternativen Antrieben die Zukunft vor allem beim batterieelektrischen Lkw. Wasserstoff hingegen hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung verloren. Diese Entwicklung wirkt weniger wie ein kurzfristiger Trend, sondern eher wie eine pragmatische Einschätzung dessen, was heute und in den kommenden Jahren im betrieblichen Alltag am Ehesten funktioniert.

Akzeptanz steigt, aber konkrete Beschaffung bleibt vorsichtig

Viele Unternehmen sind inzwischen im Thema angekommen. 61 Prozent der befragten Unternehmen geben an, sich mit der Anschaffung batterieelektrischer Lkw beschäftigt zu haben. 39 Prozent haben sich bisher nicht damit befasst. Bei konkreten Plänen bleibt die Branche zurückhaltender. Bis 2030 planen 28 Prozent der Unternehmen, batterieelektrische Lkw einzusetzen. Konkrete Beschaffungspläne bis 2030 gibt es vor allem bei schweren Fahrzeugen. 18 Prozent planen E-Lkw ab 18 Tonnen Gesamtmasse. Das ist ein spürbares Signal, aber noch kein flächendeckender Durchbruch.

Was die Unternehmen im Alltag wirklich bremst

Die Studie zeigt sehr deutlich, welche Hürden in der Praxis dominieren. Am häufigsten wird die Ladeinfrastruktur genannt. Etwa jedes zweite Unternehmen sieht sie als zentrale Hürde. Dabei geht es nicht nur um die Anzahl der Ladepunkte, sondern auch um Zuverlässigkeit, Standortverfügbarkeit, Parkmöglichkeiten und die Planbarkeit entlang relevanter Routen. Ebenfalls stark ins Gewicht fallen die Kosten. Rund zwei von fünf Unternehmen nennen Kosten für Fahrzeug und Ladeinfrastruktur als wesentlichen Bremsfaktor. Reichweite wird von rund jedem fünften Unternehmen als Hürde genannt, häufig in Verbindung mit Unsicherheit über passende Einsatzprofile. Außerdem spielen Fragen rund um Stromversorgung und Netzanschluss eine Rolle, weil Leistungsbereitstellung und Umsetzungszeiträume für viele Betriebe schwer kalkulierbar sind.

Ein zentraler Punkt, den viele unterschätzen: Wissenslücken bremsen den Markt

Ein besonders starkes Ergebnis der Studie ist der hohe Informationsbedarf in der Branche. Viele Unternehmen haben Wissenslücken bei zentralen Planungsgrößen. Bei der Mautregelung für emissionsfreie Lkw können viele Betriebe keine sichere Aussage treffen oder liegen daneben. Noch deutlicher wird es beim Thema Gesamtnutzungskosten. 61 Prozent der Unternehmen haben die Gesamtnutzungskosten eines E-Lkw bisher nicht mit denen eines Diesel-Lkw verglichen. Nur etwa ein Drittel geht davon aus, dass batterieelektrische Lkw geringere Gesamtnutzungskosten haben. Das bedeutet nicht, dass E-Lkw wirtschaftlich nicht funktionieren. Es bedeutet vor allem, dass in vielen Unternehmen Daten, Erfahrung und belastbare Vergleichsrechnungen fehlen, um Entscheidungen sicher treffen zu können.

Infrastruktur ist Schlüsselfaktor, aber nicht so, wie man oft denkt

In vielen Debatten klingt es so, als sei die Infrastrukturfrage bereits gelöst. Die Studie zeichnet ein differenzierteres Bild. Ein Teil der Unternehmen ist bereit, in Depotladen zu investieren, aber die Grundlagen sind häufig unklar. Bei Unternehmen mit eigenem Depot kennen zwei Drittel die Netzanschlusskapazität ihrer Depotstandorte nicht. Viele können außerdem keine verlässliche Aussage zu ihren Strompreisen machen. Unter diesen Bedingungen ist es schwer, Wirtschaftlichkeit realistisch zu bewerten oder Ausbaupfade sauber zu planen. Der Engpass ist daher nicht nur der Bau von Ladepunkten, sondern auch Transparenz über Netz, Kosten und Umsetzungshorizonte.

Wirtschaftlichkeit: Potenzial ja, aber nicht automatisch

Batterieelektrische Lkw können in passenden Einsatzprofilen wirtschaftlich sein, insbesondere bei planbaren Touren, Depot-Rückkehr und gutem Energiemanagement. Die Studie zeigt jedoch, dass viele Unternehmen bislang keine eigene TCO-Bewertung vorgenommen haben und entsprechend vorsichtig bleiben. Für den Markthochlauf ist entscheidend, dass Unternehmen einfacher zu belastbaren, betriebsspezifischen Wirtschaftlichkeitsrechnungen kommen, und dass Rahmenbedingungen kalkulierbarer werden.

Herausforderungen und was wirklich helfen würde

Die Unternehmen wünschen sich mehrere konkrete Hebel. Besonders wichtig sind aus Sicht der Branche der Ausbau eines flächendeckenden Hochleistungsladenetzes für Lkw, die Förderung von Ladeinfrastruktur sowie schnellere Genehmigungen für Depot-Ladeinfrastruktur. Ebenfalls stark unterstützt wird die Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw. Insgesamt sendet die Branche damit eine klare Botschaft. Viele Unternehmen sind bereit, die Elektrifizierung umzusetzen, wenn Infrastruktur, Genehmigungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen Schritt halten.

Ausblick: Batterie-Lkw sind gesetzt, der Rest entscheidet sich über Umsetzung

Die Studie zeigt eine Branche im Übergang. Batterieelektrische Lkw werden zunehmend als wichtigste Zukunftstechnologie gesehen, Wasserstoff verliert an Priorität. Gleichzeitig wird die Geschwindigkeit der Transformation davon abhängen, wie schnell Ladeinfrastruktur entlang der Routen und an Depots entsteht, wie planbar Netzanschlüsse werden und wie gut es gelingt, Informationslücken zu schließen. Wer sich früh strukturiert vorbereitet, verschafft sich einen Vorteil, nicht nur beim Fahrzeug, sondern im gesamten Betrieb.

Handlungsempfehlungen für Logistikunternehmen

Logistikunternehmen können jetzt sehr pragmatisch starten. Eine Flottenanalyse hilft, geeignete Routen und Einsatzprofile zu identifizieren, etwa depotnahe und planbare Touren mit ausreichenden Standzeiten. Pilotprojekte mit wenigen Fahrzeugen sind oft der effizienteste Weg, um Daten und Erfahrung aufzubauen. Beim Depot lohnt sich ein strategischer Blick auf Netzanschluss, Lastmanagement und einen realistischen Ausbaupfad. Energiekosten sollten aktiv gemanagt werden, denn Tarife, Ladefenster und Lastspitzen entscheiden häufig über die Wirtschaftlichkeit. Partnerschaften mit Energieversorgern und Infrastruktur-Anbietern können zudem helfen, Investitionsrisiken zu senken und Lösungen schneller umzusetzen.

Fazit

Die Studie des Öko-Instituts macht deutlich, dass die Akzeptanz für batterieelektrische Lkw wächst und die Technologie von vielen Unternehmen als wichtigste Option für die Zukunft gesehen wird. Gleichzeitig bremsen Infrastruktur, Kosten und Wissenslücken den Umstieg in der Breite. Entscheidend wird sein, wie schnell Planungssicherheit entsteht, und wie zügig Ladeinfrastruktur, Netzanschlüsse und Genehmigungen mit dem Bedarf der Branche Schritt halten.

Die Elektrifizierung des Verkehrs schreitet voran, ob Privat oder Gewerbe. Verschlafen sie nicht den Wandel!

Studie: https://www.oeko.de/publikation/akzeptanz-von-e-lkw-in-der-logistikbranche/

Für Interessierte zeigt der «Elektrotrucker» auf YouTube, das E-LWKs im Fernverkehr funktionieren. YouTube-Link