Rund 23,5 Millionen Photovoltaikmodule sind in der Schweiz installiert (ewz, April 2026). Module, die in den 2000er-Jahren in Betrieb genommen wurden, nähern sich dem Ende ihrer Garantiezeit. Aber was passiert mit einem ausgedienten Solarmodul? Wer trägt die Verantwortung? Und was kostet die Entsorgung? Die gute Nachricht vorweg: In der Schweiz ist das System gut geregelt, und die Entsorgung ist kostenlos.
Das Schweizer Recyclingsystem: geregelt seit 2013, verbindlich seit 2022
Swissolar hat sich bereits 2013 freiwillig dem Recyclingsystem von SENS eRecycling angeschlossen. Damit war die Entsorgung von PV-Modulen in der Schweiz früh geregelt, lange bevor die EU entsprechende Pflichten einführte. Verbindlich für alle Hersteller und Importeure wurde das System per 1. Januar 2022, als PV-Module in die Verordnung über die Rückgabe, die Rücknahme und die Entsorgung elektrischer und elektronischer Geräte (VREG, SR 814.334) aufgenommen wurden (SENS eRecycling / Swissolar).
Das Finanzierungsmodell: Beim Kauf eines Solarmoduls wird eine vorgezogene Recyclinggebühr (vRG) erhoben und von der Käuferschaft bezahlt. Dieser Betrag fliesst in einen Fonds, der von SENS eRecycling verwaltet wird. Damit ist die spätere Entsorgung faktisch bereits beim Kauf bezahlt.
Was die Entsorgung konkret kostet und wie sie funktioniert
Die Abholung und die Entsorgung für PV-Module ist kostenlos. Bis zu zehn einzelne Module können kostenlos an einer der über 500 SENS-Sammelstellen schweizweit abgegeben werden (SENS eRecycling). Grössere Mengen werden direkt ab Baustelle oder Lager der Installationsfirma abgeholt, ebenfalls kostenlos, sofern die Zufahrt für einen Lastwagen zugänglich ist.
Was Kosten verursachen kann: die Demontage der Anlage selbst. Diese ist nicht Teil des SENS-Systems und wird separat durch Installationsbetriebe in Rechnung gestellt.
Was wirklich in einem ausgedienten Modul steckt
Ein durchschnittliches Solarmodul wiegt rund 20 Kilogramm. Der Hauptbestandteil ist Glas, rund 75 Prozent der Modulmasse, hinzu kommen Aluminium, Kupfer, Silber und hochreines Silizium. Ältere Module können Blei in den Lötverbindungen enthalten, Dünnschichtmodule auf CdTe-Basis zudem Kadmium. Genau deshalb dürfen Module nicht im normalen Hausmüll entsorgt werden.
Das Silber hat einen realen Materialwert: Ein Standardmodul enthält etwa 15 bis 20 Gramm. Mit wachsenden Rücklaufmengen wird die wirtschaftliche Rückgewinnung von Silber und Silizium zunehmend attraktiv.
Wie viel kommt zurück?
Im Jahr 2024 wurden laut SENS-Ökobilanz rund 1.200 Tonnen PV-Module gesammelt, doppelt so viel wie im Vorjahr. 2023 waren es noch rund 760 Tonnen (Casafair). Im Verhältnis zu dem, was noch kommen wird, ist das ein kleiner Bruchteil. Das Forschungsprojekt Swiss PV Circle, ein Zusammenschluss von SENS eRecycling, Swissolar und der Berner Fachhochschule, schätzt den Modulrücklauf in der Schweiz bis 2050 auf 23.000 bis 90.000 Tonnen (swissrecycle.ch, Juli 2025).
Wie lange halten Module wirklich?
Die Herstellergarantie läuft üblicherweise nach 25 Jahren aus. Die tatsächliche technische Lebensdauer ist laut Sergio Taiana, Projektleiter Photovoltaik bei ewz, deutlich länger: «Es kann durchaus von einer Lebensdauer von 30 bis 40 Jahren ausgegangen werden» (powernewz, April 2026). Wer eine Anlage aus dem Jahr 2000 besitzt, steht also nicht zwingend unmittelbar vor einer Entsorgung, sondern sollte den Zustand professionell begutachten lassen.
Wie der Recyclingprozess abläuft und was wiederverwertet wird
Nach der Demontage durch einen Fachbetrieb werden die Module über SENS eRecycling zu spezialisierten Recyclingunternehmen transportiert. Da die Schweiz noch keine eigene grosse PV-Recyclinganlage betreibt, erfolgt die Verarbeitung in grenznahen europäischen Fachbetrieben (Casafair, Dezember 2025). Das ändert sich mit wachsenden Rücklaufmengen: Roman Eppenberger von SENS eRecycling geht davon aus, dass sich ein solches Werk ab einer kritischen Menge auch in der Schweiz lohnen wird.
Der Prozess läuft in mehreren Schritten ab. Zunächst werden Aluminiumrahmen, Anschlusskabel und Elektronik manuell abgetrennt, da diese direkt und hochwertig recycelt werden können. Danach werden die verbliebenen Modullaminate mechanisch zerkleinert. Mittels Pyrolyse bei rund 600 Grad Celsius werden die Kunststoffverbundfolien thermisch abgespalten, das Glas und der Halbleiter getrennt. Das freigelegte Silizium wird anschliessend in chemischen Bädern von Kontaktschichten gereinigt.
Was konkret wiederverwertet wird: Der Aluminiumrahmen wird nahezu vollständig als hochwertiger Sekundärrohstoff eingeschmolzen. Das Solarglas, das rund 70 Prozent der Modulmasse ausmacht, wird zerkleinert und zu Schaumglas oder für industrielle Glasanwendungen weiterverarbeitet. Kupfer und Silber aus den Leiterbahnen und Anschlussdosen sind separierbar und wirtschaftlich attraktiv. Die Kunststoffverbundfolien, rund 10 Prozent des Modulgewichts, werden derzeit noch thermisch verwertet, also verbrannt, um Energie zu erzeugen.
Laut SENS sind heute rund 77 Prozent der Modulmasse wiederverwertbar (SENS eRecycling, 2026). Die Silizium-Rückgewinnung im industriellen Massstab, in Kooperation mit dem Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik, macht Fortschritte, ist aber noch nicht breit etabliert (photovoltaik.eu, Februar 2025). Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hält fest, dass eine rein wirtschaftliche Lösung zum Recycling bislang noch nicht existiert: Das System funktioniert, weil es durch die vorgezogene Recyclinggebühr quersubventioniert wird.
Was Eigenheimbesitzende jetzt konkret tun sollten
Wer eine Anlage aus den Jahren 2000 bis 2010 betreibt, sollte den Anlagenzustand von einem zertifizierten Fachbetrieb prüfen lassen. Für die Entsorgung ist SENS eRecycling die erste Anlaufstelle: erecycling.ch. Die Abholung kann über die Swissolar-Website oder direkt beim Installateur organisiert werden.
Wer heute eine neue Anlage kauft, zahlt die vRG bereits mit und hat die Entsorgung in 25 bis 30 Jahren faktisch schon geregelt. Beim Kauf lohnt sich ein Blick auf den Hersteller: Anbieter mit transparenten Rücknahmeprogrammen und hohen Recyclingquoten erleichtern die spätere Entsorgung.
Quellen: SENS eRecycling (erecycling.ch). Swissolar (swissolar.ch/entsorgung). Swiss PV Circle / swissrecycle.ch (Juli 2025). SENS-Ökobilanz 2024. ewz / powernewz (April 2026). Casafair (Dezember 2025). VREG SR 814.334.