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#54 [Journal] Published: 11.08.2026
Cover-Bild: Kühlen mit der Wärmepumpe: Was Quaschning wirklich sagt und wo es in der Praxis scheitert

Kühlen mit der Wärmepumpe: Was Quaschning wirklich sagt und wo es in der Praxis scheitert

Quaschnings Videokolumne zeigt: Kühlen mit der Wärmepumpe funktioniert theoretisch, scheitert aber in vielen Bestandsgebäuden an Taupunkt und Heizsystem.

Der Sommer 2026 hat es mit 41,8 Grad Celsius im Juni in Deutschland deutlich gezeigt (Deutscher Wetterdienst, Juni 2026): Hitzewellen sind in der DACH-Region keine Ausnahme mehr. Wer eine Wärmepumpe besitzt, fragt sich spätestens dann: Kann meine Anlage nicht auch kühlen? Prof. Dr. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin), widmet sich dieser Frage in seinem YouTube-Video vom 12. Juli 2026, das auch als Kolumne auf klimareporter.de und Sonnenseite erschienen ist. Seine Kernbotschaft ist klarer als viele hoffen: Das stimmt theoretisch, scheitert aber häufig in der Praxis.

Warum Kühlen mit der Wärmepumpe oft scheitert

Quaschning erklärt im Video, warum das Kühlen in vielen Bestandsgebäuden technisch an Grenzen stösst. Drei Faktoren spielen dabei die entscheidende Rolle: der Taupunkt, das vorhandene Heizsystem und die Effizienz bei hohen Aussentemperaturen.

Der Taupunkt ist dabei das am häufigsten unterschätzte Problem. Beim passiven Kühlen über eine Fussbodenheizung muss die Oberflächentemperatur des Bodens immer über dem Taupunkt der Raumluft liegen. Unterschreitet sie ihn, kondensiert Feuchtigkeit auf dem Boden. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann bei Holzböden zu Schäden führen. An feuchten Sommertagen mit hoher Luftfeuchtigkeit ist der Spielraum für passives Kühlen daher stark eingeschränkt.

Passives Kühlen: Kostenarm, aber begrenzt

Beim passiven Kühlen, auch Free Cooling genannt, wird die natürliche Bodentemperatur genutzt. Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdsonde kann im Sommer die kühle Temperatur des Bodens, die in der Schweiz in ein bis zwei Metern Tiefe bei 8 bis 12 Grad Celsius liegt, über die Fussbodenheizung ins Haus leiten. Die Wärmepumpe selbst muss dabei kaum aktiv arbeiten, nur die Umwälzpumpe läuft.

Die Grenzen sind klar: Passives Kühlen funktioniert nur mit Flächenheizsystemen wie Fussbodenheizungen, nicht mit Radiatoren. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind dafür grundsätzlich ungeeignet. Die Raumtemperatur lässt sich damit in der Regel um 3 bis 5 Grad senken, was an einem 40-Grad-Tag kaum ausreicht.

Aktives Kühlen: Mehr Leistung, aber Effizienzeinbussen im Hochsommer

Beim aktiven Kühlen arbeitet die Wärmepumpe im Umkehrbetrieb und entzieht dem Gebäude Wärme. Luft-Wasser-Wärmepumpen mit integrierter Kühlfunktion können dabei deutlich mehr Kühlleistung erbringen als passive Systeme. Allerdings weist Quaschning auf ein strukturelles Problem hin: Die Effizienz sinkt genau dann, wenn sie am dringendsten gebraucht wird, nämlich bei sehr hohen Aussentemperaturen. Bei 38 Grad Aussentemperatur arbeitet eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Kühlbetrieb deutlich weniger effizient als bei 25 Grad.

Nicht jede Wärmepumpe ist ab Werk für aktives Kühlen ausgelegt. Viele Geräte haben die Funktion technisch bereits integriert, sie ist aber softwareseitig gesperrt und kann vom Fachbetrieb freigeschaltet werden. Das ist oft die günstigste Option für Bestandsanlagen.

Was wirklich hilft im Hochsommer

Quaschning empfiehlt im Video zunächst die einfachen Massnahmen: Nachts lüften, tagsüber Fenster und Storen schliessen. Ventilatoren können durch Verdunstungskälte auf der Haut Linderung verschaffen, senken die Raumtemperatur aber nicht. Die im Netz vielbeworbenen Verdunstungskühler haben laut Quaschning den Effekt eines feuchten Tuchs vor dem Ventilator.

Mobile Klimageräte mit Abluftschlauch funktionieren nach demselben Prinzip wie eine Wärmepumpe, haben aber ein konstruktionsbedingtes Problem: Der Abluftschlauch bläst Luft nach aussen, im Raum entsteht ein leichter Unterdruck, und warme Aussenluft strömt durch Ritzen nach. Das drückt die Effizienz erheblich.

Splitklimaanlagen sind im Vergleich effizienter, weil Innen- und Ausseneinheit getrennt sind. Für ältere und kranke Menschen kann eine Klimaanlage in extremen Hitzesommern wie 2026 auch aus gesundheitlichen Gründen wichtig werden.

Was das für Planungs- und Kaufentscheide bedeutet

Wer heute ein Haus baut oder eine Heizung erneuert, sollte Kühlung von Anfang an mitplanen. Das bedeutet konkret: Erdsonde statt Luftwärmepumpe, wo geologisch möglich; Fussbodenheizung als Grundvoraussetzung; und eine Wärmepumpe, die die Kühlfunktion bereits ab Werk aktiv enthält. Die Mehrkosten sind überschaubar, der Nutzen an Hitzesommern wie dem von 2026 erheblich.

Für Bestandsanlagen empfiehlt sich der erste Schritt beim Hersteller: Viele Geräte haben die Kühlfunktion bereits eingebaut, brauchen aber eine Aktivierung durch den Fachbetrieb.

Quellen: Quaschning V.: «Kühlen mit der Wärmepumpe: funktioniert das wirklich?», YouTube 12. Juli 2026, klimareporter.de 18. Juli 2026. Deutscher Wetterdienst (Juni 2026). T&E Magazin (14. Juli 2026).