Zurück zum Journal
#Journal Published: 27.03.2026
Cover-Bild: Winterstrom, Wertschöpfung und Versorgungssicherheit: Warum erneuerbare Energien für die Schweiz zentral sind

Winterstrom, Wertschöpfung und Versorgungssicherheit: Warum erneuerbare Energien für die Schweiz zentral sind

Die Schweiz steht vor einer wachsenden Winterstromlücke. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist der Schlüssel zu Versorgungssicherheit, wirtschaftlicher Stärke und nationaler Wertschöpfung.

Winterstrom, Wertschöpfung und Versorgungssicherheit: Warum erneuerbare Energien für die Schweiz zentral sind

Die Energiezukunft der Schweiz entscheidet sich im Winter. In dieser Jahreszeit steigt der Strombedarf deutlich an. Gleichzeitig sinkt die inländische Produktion, insbesondere aus der Wasserkraft und aus Photovoltaik. Genau in dieser Differenz liegt die zentrale Herausforderung der kommenden Jahrzehnte.

Die Analysen aus den Axpo Energy Reports zu Solarenergie, Windenergie, Gasenergie und Kernenergie zeigen übereinstimmend, dass sich diese Lücke weiter vergrössern wird. Gründe dafür sind die zunehmende Elektrifizierung von Mobilität und Wärme, das Bevölkerungswachstum sowie neue industrielle und digitale Anwendungen.

Während im Sommer bereits heute Überschüsse entstehen, entwickelt sich der Winter zunehmend zur kritischen Phase. Diese Ausgangslage verlangt nach einer klaren strategischen Antwort. Die Schweiz muss ihre inländische Stromproduktion ausbauen. Dabei spielen erneuerbare Energien eine zentrale Rolle, weil sie schnell skalierbar sind, breit abgestützt werden können und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile schaffen.

Solarenergie als Fundament der Energiewende

Der Axpo Energy Report Solarenergie zeigt, dass Photovoltaik bereits heute ein tragender Pfeiler der Stromversorgung ist. Der Anteil am Schweizer Strommix ist in den letzten Jahren stark gewachsen und liegt inzwischen bei rund 14 Prozent.

Besonders relevant ist das langfristige Potenzial. Mit rund 100 TWh pro Jahr verfügt die Schweiz über deutlich mehr nutzbare Solarenergie, als heute ausgeschöpft wird. Ein grosser Teil dieses Potenzials liegt auf bestehenden Infrastrukturen wie Dächern und Fassaden. Dadurch entstehen kaum zusätzliche Nutzungskonflikte.

Ein weiterer Vorteil liegt in der hohen gesellschaftlichen Akzeptanz. Anlagen auf Gebäuden werden breit unterstützt und lassen sich vergleichsweise schnell realisieren. Das macht Solarenergie zum effizientesten Hebel für einen raschen Ausbau der Stromproduktion.

Gleichzeitig zeigt der Bericht klar die systemische Herausforderung. Die Produktion konzentriert sich stark auf die Sommermonate. Diese saisonale Verteilung muss aktiv adressiert werden. Entscheidend ist dabei nicht weniger Solarenergie, sondern ein gezielter Ausbau mit stärkerem Fokus auf Winterproduktion und Systemintegration.

  1. Nutzung von Fassaden, die im Winter mehr Ertrag liefern als Dachanlagen
  2. Ausbau alpiner Photovoltaik an geeigneten Standorten mit hoher Winterproduktion
  3. Integration von Speichern zur Verschiebung von Energie innerhalb des Systems
  4. Digitalisierung und intelligente Steuerung von Verbrauch und Einspeisung

Solarenergie bildet damit die Basis eines erneuerbaren Energiesystems. Ihre Stärke liegt in der Skalierbarkeit, der Nähe zum Verbrauch und der breiten wirtschaftlichen Verankerung im Inland.

Windenergie als entscheidende Ergänzung im Winter

Der Axpo Energy Report Windenergie hebt die besondere Bedeutung der Windkraft für die Schweiz hervor. Im Gegensatz zur Solarenergie fällt der Grossteil der Windstromproduktion im Winterhalbjahr an. Genau in dieser Phase besteht der grösste Bedarf.

Damit übernimmt die Windenergie eine strategische Rolle im Energiesystem. Sie ergänzt die Photovoltaik nicht nur technisch, sondern saisonal. Gemeinsam entsteht ein ausgewogeneres Produktionsprofil.

Das Potenzial der Windenergie ist erheblich, wird jedoch bislang kaum genutzt. Der aktuelle Anteil an der Stromproduktion ist sehr gering. Gleichzeitig zeigen die Analysen, dass Windenergie einen substanziellen Beitrag zur Schliessung der Winterstromlücke leisten kann.

Die grössten Hürden liegen in der Umsetzung. Projekte sind häufig mit langen Planungs- und Bewilligungsverfahren konfrontiert. Lokale Einsprachen und Unsicherheiten führen zu Verzögerungen von vielen Jahren. Dadurch entsteht ein strukturelles Umsetzungsproblem.

Um dieses Potenzial zu erschliessen, braucht es klare und verlässliche Rahmenbedingungen.

  1. transparente und beschleunigte Bewilligungsverfahren
  2. frühzeitige und ernsthafte Einbindung der lokalen Bevölkerung
  3. Beteiligungsmodelle für Gemeinden und Anwohner
  4. klare nationale Priorisierung geeigneter Standorte

Windenergie ist kein optionaler Zusatz, sondern ein notwendiger Bestandteil eines stabilen Energiesystems. Ohne ihren Beitrag bleibt die Winterversorgung langfristig unzureichend abgesichert.

Erneuerbare Energien als Motor der nationalen Wertschöpfung

Ein zentraler Aspekt, der häufig unterschätzt wird, ist die wirtschaftspolitische Bedeutung der erneuerbaren Energien. Der Axpo Energy Report Solarenergie und der Axpo Energy Report Windenergie zeigen klar, dass ein grosser Teil der Wertschöpfung im Inland entsteht.

Photovoltaikanlagen auf Dächern erreichen einen inländischen Wertschöpfungsanteil von rund 75 Prozent. Dieser hohe Anteil entsteht, weil Planung, Installation, Betrieb und Wartung überwiegend durch Schweizer Unternehmen erfolgen. Gleichzeitig entstehen zahlreiche Arbeitsplätze in Handwerk, Technik und Planung.

Auch die Windenergie weist einen hohen inländischen Anteil auf. Trotz importierter Komponenten bleibt ein grosser Teil der wirtschaftlichen Aktivität im Inland. Projekte generieren Aufträge für regionale Unternehmen und stärken lokale Wirtschaftskreisläufe über Jahrzehnte hinweg.

Diese Effekte gehen weit über die Energieproduktion hinaus. Der Ausbau erneuerbarer Energien wirkt entlang der gesamten volkswirtschaftlichen Struktur.

  1. er stärkt lokale Unternehmen und schafft langfristige Arbeitsplätze
  2. er reduziert Kapitalabflüsse ins Ausland durch geringere Energieimporte
  3. er erhöht die Planbarkeit von Energiekosten für Industrie und Haushalte
  4. er fördert Innovation in Bereichen wie Speicher, Netze und Digitalisierung
  5. er stärkt die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Schweiz

Ein besonders wichtiger Punkt ist die Preisstabilität. Erneuerbare Energien haben nach der Investition sehr geringe laufende Kosten. Sie sind nicht von volatilen internationalen Rohstoffmärkten abhängig. Das schafft langfristige Planungssicherheit für die gesamte Wirtschaft.

Im Gegensatz dazu sind fossile Energieträger wie Gas vollständig importabhängig. Ein grosser Teil der Wertschöpfung fliesst ins Ausland ab. Diese Abhängigkeit erhöht die Anfälligkeit gegenüber geopolitischen Entwicklungen und Preisschwankungen.

Erneuerbare Energien sind damit nicht nur ein Instrument der Energiepolitik, sondern ein strategisches Element der Wirtschaftspolitik. Sie verbinden Versorgungssicherheit mit inländischer Wertschöpfung und technologischer Entwicklung.

Einordnung von Gas und Kernenergie

Die Axpo Energy Reports zu Gasenergie und Kernenergie zeigen, dass beide Technologien Beiträge zur Stromversorgung leisten können. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass ihre Rolle begrenzt und mit erheblichen Herausforderungen verbunden ist.

Gasenergie bietet Flexibilität und kann kurzfristig eingesetzt werden. Gleichzeitig ist die Schweiz vollständig auf importierte Brennstoffe angewiesen. Die Wertschöpfung im Inland ist vergleichsweise gering, und die Abhängigkeit von internationalen Märkten bleibt hoch.

Kernenergie kann grosse Mengen Strom bereitstellen, insbesondere im Winter. Der Neubau von Anlagen ist jedoch mit langen Planungszeiträumen, hohen Investitionskosten und komplexen politischen Rahmenbedingungen verbunden. Eine kurzfristige Lösung für die aktuellen Herausforderungen stellt sie nicht dar.

Im direkten Vergleich zeigt sich, dass erneuerbare Energien schneller umgesetzt werden können, breiter wirtschaftlich wirken und weniger strukturelle Abhängigkeiten erzeugen.

Versorgungssicherheit durch erneuerbare Kombinationen

Die zentrale Erkenntnis aus allen Berichten ist klar. Die Schweiz braucht eine stärkere, inländische und erneuerbare Stromproduktion. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel verschiedener Technologien.

  1. Solarenergie liefert grosse Mengen dezentraler Produktion im Sommer und zunehmend auch im Winter
  2. Windenergie ergänzt gezielt im Winter und stabilisiert das System saisonal
  3. Speicher, Netze und Flexibilitätslösungen gleichen Schwankungen aus und erhöhen die Systemstabilität

Dieses Zusammenspiel reduziert Risiken, erhöht die Versorgungssicherheit und stärkt gleichzeitig die wirtschaftliche Basis des Energiesystems.

Fazit

Die Schweiz verfügt über alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Energiezukunft. Die Potenziale sind vorhanden. Die Technologien sind verfügbar. Die gesellschaftliche Unterstützung ist insbesondere im Bereich der Solarenergie sehr hoch.

Die Herausforderung liegt nicht im Wissen, sondern in der Umsetzung. Der Ausbau erneuerbarer Energien muss beschleunigt, systemisch gedacht und wirtschaftspolitisch verstanden werden.

Jede zusätzliche Kilowattstunde aus erneuerbarer Energie stärkt die Unabhängigkeit, reduziert Risiken und schafft Wertschöpfung im Inland. Erneuerbare Energien sind damit weit mehr als eine ökologische Option. Sie sind eine strategische Investition in die wirtschaftliche und energetische Zukunft der Schweiz.

Informationen zu diesen und weiteren erneuerbaren Energien findet ihr in unserem Buch: Erneuerbare Energien in der Schweiz
Berechnungsgrundlagen findet ihr im Buch: Erneuerbare Energien Wissensbausteine