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#34 [Journal] Published: 02.06.2026
Cover-Bild: AEW Energie AG wird Aktionärin der Geo-Energie Jura SA: Rückenwind für das Schweizer Leuchtturmprojekt in Haute-Sorne

AEW Energie AG wird Aktionärin der Geo-Energie Jura SA: Rückenwind für das Schweizer Leuchtturmprojekt in Haute-Sorne

Die AEW Energie AG beteiligt sich an der Geo-Energie Jura SA und stärkt damit das erste Tiefengeothermie-Leuchtturmprojekt der Schweiz in Haute-Sorne.

Die AEW Energie AG, Energieversorgerin des Kantons Aargau, beteiligt sich an der Geo-Energie Jura SA und stärkt damit das Tiefengeothermie-Pilotprojekt im jurassischen Haute-Sorne. Mit ihrem Einstieg ergänzt AEW die bisherigen Ankeraktionäre Elektra Baselland (EBL), Energie Wasser Bern (ewb) und das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) sowie die Geo-Energie Suisse. Die Beteiligung steht noch unter dem Vorbehalt der formellen Genehmigung durch die zuständigen Gremien.

Was das Projekt ist und wo es steht

Die Geo-Energie Jura SA plant in der Gemeinde Haute-Sorne im Kanton Jura ein Geothermiekraftwerk, das durch zwei rund 5000 Meter tiefe Bohrungen gespeist wird. Die Erkundungsbohrung und die 2025 abgeschlossenen Tests verliefen erfolgreich. Ziel ist es, 2029 mit einer elektrischen Leistung von bis zu 5 MW ans Netz zu gehen, was dem jährlichen Stromverbrauch von 6000 bis 10.000 Haushalten entspricht. Je nach lokaler Infrastruktur kann zudem Fernwärme ausgekoppelt werden.

Im Laufe des Sommers 2026 erwartet die Geo-Energie Jura SA die Freigabe für die Weiterführung des Projekts. Die zweite Bohrung ist für 2026 am selben Standort geplant, danach folgt die Stimulation des Gesteins. Der Bund unterstützt das Vorhaben mit bis zu 90 Millionen Franken.

Warum dieses Projekt schweizweit Bedeutung hat

Haute-Sorne ist mehr als ein regionales Energieprojekt. Es ist das erste Leuchtturmprojekt, das die technologische Machbarkeit der Tiefengeothermie-Nutzung im Schweizer Untergrund demonstrieren soll. Die Erkenntnisse aus den Bohrungen, Tests und dem späteren Betrieb sind die Grundlage, auf der künftige Projekte in anderen Regionen geplant werden können.

Der Bund hat die Tiefengeothermie in seiner Energiestrategie als wichtigen Baustein verankert. Bis 2050 soll sie in der Schweiz jährlich rund zwei Terawattstunden Strom produzieren, was etwa zwei Dritteln der früheren Jahresproduktion des AKW Mühleberg entspricht. Haute-Sorne ist der erste reale Schritt auf diesem Weg.

Was Tiefengeothermie kann

Tiefengeothermie nutzt die natürliche Erdwärme aus mehreren Kilometern Tiefe. Im Gegensatz zu oberflächennaher Geothermie, die hauptsächlich zum Heizen genutzt wird, kann Tiefengeothermie sowohl Strom als auch Wärme erzeugen. Der entscheidende Vorteil gegenüber Solar- und Windenergie: Sie ist wetterunabhängig und liefert konstant Energie, unabhängig von Tages- oder Jahreszeit. Das macht sie zu einem wertvollen Baustein für die Versorgungssicherheit in einem System mit wachsendem Anteil wetterabhängiger Quellen.

Das Projekt in Haute-Sorne arbeitet mit dem sogenannten Multiriss-Verfahren. Da natürliche wasserführende Schichten im tiefen Schweizer Untergrund selten sind, werden entlang der Bohrung künstlich kleinere Kluftstrukturen erzeugt, die als unterirdischer Wärmetauscher dienen. Das erhitzte Wasser wird an die Oberfläche gepumpt, dort zur Energiegewinnung genutzt und anschliessend wieder in die Tiefe zurückgeführt.

Was das Signal von AEW bedeutet

Der Einstieg von AEW ist kein Zufall. Die Energieversorgerin begründet ihre Beteiligung damit, dass die grösste Energiequelle der Schweiz direkt unter unseren Füssen liege. Die Beteiligung eines weiteren etablierten Energieversorgers an der Seite von EBL, ewb, ewz und Geo-Energie Suisse stärkt die Finanzierungsbasis des Projekts und das Vertrauen der Branche in die Technologie.

Für das Projekt ist das relevant: Tiefengeothermie-Projekte sind kapitalintensiv, und die Risiken der ersten Bohrphase sind erheblich. Nicht jede Bohrung erschliesst wirtschaftlich nutzbare Ressourcen. Die breite Abstützung auf mehrere Energieversorger verteilt dieses Risiko und macht das Vorhaben robuster.

Ausblick

Wenn die Freigabe im Sommer 2026 erteilt wird und die zweite Bohrung gelingt, wäre Haute-Sorne auf Kurs für eine Inbetriebnahme 2029. Das wäre die erste Tiefengeothermieanlage der Schweiz, die Strom ins Netz einspeist, und ein Beweis, dass die Technologie unter Schweizer Bedingungen funktioniert.

Die Gesamtkosten des Projekts werden auf rund 100 Millionen Franken geschätzt. Gemessen an der Bedeutung als Pilotprojekt für die gesamte Schweizer Geothermieentwicklung ist das eine überschaubare Investition.

Quellen: punkt4.info, aargauerpolitik.ch, thinkgeoenergy.com, energieschweiz.ch, geo-energie.ch. Die Beteiligung von AEW steht noch unter Vorbehalt der formellen Genehmigung.