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#56 [Journal] Published: 18.08.2026
Cover-Bild: Alpentrockenheit 2026: Was die Schweiz gerade erlebt und was das für die Energieversorgung bedeutet

Alpentrockenheit 2026: Was die Schweiz gerade erlebt und was das für die Energieversorgung bedeutet

Der Sommer 2026 trifft die Schweiz hart: Rhein unter Rekordtiefst, Seen fallen. Was das für Wasserkraft und Energieversorgung bedeutet.

Der Sommer 2026 hat der Schweiz vor Augen geführt, was Klimaforschende seit Jahren prognostizieren. Satellitenbilaber von Sentinel-2 des europäischen Copernicus-Programms vom 24. Juli 2026 zeigen es deutlich: Ein braun-gelber Gürtel zieht sich durch weite Teile des Landes, verdorrte Wiesen und Felder, besonders im Mittelland und im Jura (watson.ch, August 2026). Schneefreie Gletscher und Bergkuppen, wo das Vorjahr noch weissen Altschnee zeigte. Eine weitere Hitzewelle ist im Anrollen.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) beantwortet derzeit laufend Anfragen zur Situation und hat eine eigene FAQ-Seite «Sommer 2026: Trockenheit und hohe Wassertemperaturen» aufgeschaltet. Die Lage ist dokumentiert, die Zahlen sind klar.

Was die Messdaten zeigen

In Basel lagen die Abflussmengen des Rheins mit Ausnahme des Februars seit Jahresbeginn unter dem langjährigen Durchschnitt. Seit Mitte Juni hat sich die Situation weiter verschärft: Die Abflüsse liegen fast durchgehend unter den Tiefstwerten der Referenzperiode 1991 bis 2020 für diese Jahreszeit (BAFU, August 2026). Zürichsee, Bodensee und Lago Maggiore befinden sich unter den tiefen Werten des Trockenjahres 2018. Zugersee und Vierwaldstättersee liegen noch darüber.

Eine differenzierte Situation zeigt sich in den alpinen Einzugsgebieten: An der Massa bei Blatten etwa liegen die Abflüsse oft über den saisonalen Werten, weil die hohen Temperaturen die Schnee- und Gletscherschmelze verstärken. Das klingt positiv, bedeutet aber langfristig das Gegenteil: Die beschleunigte Schmelze verbraucht natürliche Wasserspeicher schneller, als sie sich regenerieren können.

Grundwasserstände sind aufgrund der unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen seit März flächendeckend unter dem Normalwert (BAFU, August 2026). 20 Minuten vergleicht die aktuelle Trockenheit mit den schlimmsten Dürrejahren der Schweizer Geschichte: 1947, 1976, 2003 und 2018.

Wasserkraft unter Druck

Die Schweiz deckt rund 56 bis 60 Prozent ihres Stromverbrauchs aus Wasserkraft (BFE). Die anhaltende Trockenheit belastet diese Grundlage direkt. Geringere Zuflüsse in die Stauseen reduzieren die verfügbare Produktionskapazität. Gleichzeitig steigt durch die Hitzewellen der Kühlbedarf und damit die Stromnachfrage. Dieser gegenläufige Trend, weniger Produktion bei gleichzeitig mehr Nachfrage, erhöht den Druck auf die Versorgung und die Strompreise.

Die alpine Einzugssituation macht das System zunehmend vulnerabler: Solange Gletscher und Schneedecken als natürliche Wasserspeicher funktionieren, gleichen sie Trockenperioden teilweise aus. Mit ihrer beschleunigten Abnahme schwindet dieser Puffer.

Was das für Eigenheimbesitzende bedeutet

Die Ereignisse des Sommers 2026 unterstreichen, was energiepolitisch schon länger gilt: Wer die eigene Stromversorgung diversifiziert, ist gegenüber Engpässen und Preisschocks robuster.

Photovoltaikanlagen kombiniert mit Batteriespeichern produzieren unabhängig von Wasserverfügbarkeit. Gerade in Hitzesommern, wenn Wasserkraft unter Druck steht und die Sonne intensiv scheint, ist die solare Eigenproduktion besonders wertvoll.

Wärmepumpen in Kombination mit Solarstrom ermöglichen es, auch im Sommer effizient zu kühlen, ohne auf teure Netzenergie angewiesen zu sein. Ein gut gedämmtes Haus mit aussenliegendem Sonnenschutz hält sich ausserdem deutlich kühler und reduziert den Kühlbedarf.

Wassereffizienz gewinnt im Eigenheim an Bedeutung: Regenwassernutzung, druckreduzierte Bewässerungssysteme und trockenheitsresistente Bepflanzung sind keine Nischenthemen mehr.

Politische Dimension

Der Sommer 2026 beschleunigt eine Debatte, die die Schweiz ohnehin führen muss: Wie wird die Wasserkraft langfristig abgesichert, wenn Gletscher und Schneedecken als natürliche Stauseen schwinden? Welche Rolle spielen Solarenergie und Windkraft in einem diversifizierten Energiesystem, das klimatisch robuster ist?

Kantone und Gemeinden sind gefordert, Wassernutzungskonzepte zu entwickeln, die Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Industrie und Ökologie in Einklang bringen. Die Ereignisse dieses Sommers machen diese Aufgabe dringlicher.

Quellen: BAFU «Sommer 2026: Trockenheit und hohe Wassertemperaturen» (August 2026). Watson.ch / Sentinel-2 Copernicus (August 2026). 20 Minuten «Warum die Trockenheit 2026 an die schlimmsten Dürrejahre der Schweiz erinnert» (August 2026). Bundesamt für Energie BFE (Wasserkraftanteil).