Der deutsche Heizungsmarkt hat im ersten Halbjahr 2026 ein klares Signal gesendet. Von Januar bis Juni 2026 wurden in Deutschland insgesamt 352.000 Wärmeerzeuger abgesetzt, 19 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (BDH, 11. August 2026). Der wichtigste Wachstumstreiber: Heizungswärmepumpen mit 194.500 verkauften Einheiten, ein Plus von 40 Prozent. Damit machten Wärmepumpen erstmals mehr als die Hälfte aller neu installierten Heizsysteme aus. Die Talsohle nach dem Einbruch von 2024 ist durchschritten.
Was hinter den Zahlen steckt
Der Markteinbruch 2024 hatte strukturelle Ursachen: politische Debatten rund um das Gebäudeenergiegesetz (GEG), gestiegene Zinsen und Verunsicherung bei Verbrauchern und Installateuren. 2024 sank der Absatz auf 193.000 Geräte, 2025 zog er mit 299.000 wieder an (Bundesverband Wärmepumpe BWP). Das erste Halbjahr 2026 liegt laut BDH bereits wieder auf dem Niveau von 2023, dem bisherigen Rekordjahr.
Gasheizungen stagnierten im gleichen Zeitraum bei 134.000 Einheiten plus einem Prozent. Ölheizungen verloren 11 Prozent auf 9.500 Einheiten. Biomasseheizungen gingen um ein Prozent zurück auf 14.000 Einheiten.
Trotz der Erholung mahnt der BDH zur Nüchternheit: Um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen, müssten in Deutschland jährlich rund eine Million Heizungen modernisiert werden. Der aktuelle Kurs mit hochgerechneten 700.000 Geräten für 2026 reicht dafür nicht. Noch immer sind rund vier Millionen Heizungen in Deutschland älter als 30 Jahre, und über 40 Prozent der insgesamt 21,5 Millionen Anlagen entsprechen nicht dem Stand der Technik (BDH, August 2026).
Die Situation in der Schweiz
Für die Schweiz gibt es keine vergleichbare Halbjahreszahlen. Was bekannt ist: Der Anteil von Gebäuden mit Wärmepumpen lag laut Bundesamt für Energie (BFE) bei rund 19 Prozent, seit der Jahrtausendwende eine Vervierfachung. Rund 90 Prozent der Investitionen entfallen laut der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS) auf das Neubaugeschäft, mit klarem Schwerpunkt bei Einfamilienhäusern. Rund 23 Prozent der Schweizer Einfamilienhäuser verfügen bereits über eine Wärmepumpe (BFS, 2022). Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in der Schweiz noch keinen vergleichbaren Sanierungsboom im Bestand.
Die Förderung in der Schweiz funktioniert über das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen. Der Bund zahlt einen Grundbeitrag von CHF 2.300 plus CHF 150 pro kW installierter Leistung. Kantone legen je nach Programm CHF 2.000 bis 10.000 zusätzlich (Baunex, Mai 2026). Einzelne Energieversorger bieten zudem Boni von CHF 500 bis 3.000. Die genaue Förderhöhe variiert stark nach Kanton und sollte vor der Planung individuell abgeklärt werden.
Kosten und Wirtschaftlichkeit im Überblick
Für die Schweiz: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Installation kostet je nach Gebäudegrösse und Hersteller zwischen CHF 15.000 und 25.000, eine Erdwärmepumpe zwischen CHF 25.000 und 40.000 (Baunex, Mai 2026). Die Erdwärmepumpe erreicht einen SCOP von 4,0 bis 5,5 gegenüber 2,5 bis 3,8 bei Luft-Wasser-Systemen, was bei grösseren Gebäuden oder hohem Effizienzanspruch den Mehraufwand rechtfertigen kann.
Für Deutschland: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Installation kostet 2026 je nach Gebäudegrösse und Hersteller zwischen 18.000 und 35.000 Euro. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sieht einen Grundfördersatz von 30 Prozent vor. Einkommens- und Schnelligkeitsboni können den Fördersatz in spezifischen Konstellationen erhöhen. Die tatsächliche Förderhöhe sollte vor der Planung mit einer unabhängigen Energieberatung abgeklärt werden.
Was die Zahlen für Kaufinteressierte bedeuten
Die Erholung des Marktes hat praktische Konsequenzen. Die Verfügbarkeit von Geräten und Installateurbetrieben ist deutlich besser als noch 2023 und 2024. Wartezeiten, die damals viele Projekte verzögerten, haben sich entspannt. Wer eine Heizungsmodernisierung plant, findet heute günstigere Bedingungen als in den Vorjahren.
Wichtig in Deutschland: Die BEG-Förderung muss vor Vertragsabschluss beantragt werden. Wer diesen Schritt vergisst, verliert den Anspruch. Eine unabhängige Energieberatung (in Deutschland gefördert über das BAFA) hilft, die optimale Lösung für das konkrete Gebäude zu finden.
Wer Wärmepumpe und Photovoltaik kombiniert und den selbst erzeugten Strom zum Heizen nutzt, senkt die Betriebskosten erheblich und verkürzt die Amortisationszeit.
Quellen: Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), Pressemitteilung 11. August 2026. Bundesverband Wärmepumpe (BWP). Sonnenseite.com. Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS). Bundesamt für Energie BFE. Baunex.ch (Mai 2026).