Die BKW hat am 27. Mai 2026 zusammen mit der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid eine Grundsatzvereinbarung für eine Netzanschlusskapazität von 400 Megawatt unterzeichnet. Damit ist ein entscheidender Meilenstein für eines der leistungsstärksten Batteriespeicherprojekte der Schweiz erreicht. Gebaut werden soll die Anlage auf der Logistikfläche des ehemaligen Kernkraftwerks Mühleberg, wo bereits ein leistungsfähiges Unterwerk vorhanden ist, das direkt ans Übertragungsnetz von Swissgrid angebunden ist.
Was in Mühleberg entsteht
Die geplante Anlage hat eine Leistung von 400 Megawatt und eine Speicherkapazität von 800 Megawattstunden. Das entspricht der Energie, die rund 80.000 Durchschnittshaushalte an einem Tag verbrauchen. Mit dieser Grösse gehört das Projekt zu den leistungsstärksten Batteriespeichern, die je in der Schweiz realisiert wurden.
Der Standort ist nicht zufällig gewählt. Das bestehende Unterwerk auf dem Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks ermöglicht einen direkten Anschluss ans Übertragungsnetz, ohne dass eine zusätzliche Anschlussinfrastruktur gebaut werden muss. Das senkt Kosten und vereinfacht das Genehmigungsverfahren erheblich.
Mit der abgeschlossenen Machbarkeitsstudie startet die BKW nun die Projektierungsphase. Danach folgt das Plangenehmigungsverfahren beim Eidgenössischen Starkstrominspektorat (ESTI). Die Inbetriebnahme ist auf Anfang 2030 angepeilt.
Was Grossbatterien technisch leisten
Batteriespeicher in dieser Grössenordnung sind modular aufgebaut. Für eine Leistung von 100 Megawatt braucht es etwa die Fläche von zwei Fussballfeldern. Die Anlage in Mühleberg entspräche damit rund acht Fussballfeldern, ein Hinweis, wie viel Raum solche Projekte benötigen und warum die Wahl auf Industriegelände ausserhalb des Siedlungsgebiets fällt.
Technisch erfüllen Grossbatteriespeicher mehrere Funktionen gleichzeitig: Sie nehmen überschüssigen Strom aus erneuerbaren Quellen auf, wenn die Produktion die Nachfrage übersteigt, speichern ihn und geben ihn gezielt ab, wenn er gebraucht wird. Ausserdem können sie im Sekundentakt auf Schwankungen im Netz reagieren und so zur Frequenzstabilität beitragen, ein Dienst, für den früher vor allem Wasserkraftwerke eingesetzt wurden.
«Die BKW baut ihr eigenes Portfolio an Batteriespeicherprojekten in der Schweiz und in Deutschland konsequent aus. Damit stärken wir unsere Position als langfristig relevante Anbieterin von Speicherlösungen», sagt Marcel Bühlmann, Managing Director Business Unit BESS bei der BKW.
Was sonst noch in der Pipeline ist
Neben dem Grossprojekt in Mühleberg betreibt die BKW mehrere weitere Batteriespeicherprojekte in unterschiedlichen Entwicklungsphasen.
Am weitesten fortgeschritten in der Schweiz ist das deutlich kleinere Projekt in Grosshöchstetten BE mit einer geplanten Leistung von 20 MW und einer Speicherkapazität von 50 MWh. Die Anlage soll voraussichtlich im dritten Quartal 2027 ans Netz gehen und ist damit die erste Schweizer Anlage der BKW, die in Betrieb geht.
In Bickigen BE laufen vertiefte Abklärungen, in Bassecourt JU dauern die Standortabklärungen an. Ein zweites Projekt in Mühleberg wurde vorerst nachrangig priorisiert, weil die geplante Gesamterneuerung des dortigen Wasserkraftwerks Vorrang hat.
In Deutschland hat die BKW bereits Erfahrung mit Grossbatterien. Für das Projekt in Waltrop, Nordrhein-Westfalen, mit 300 MW und 600 MWh Kapazität wurden am 15. Mai 2026 die finalen Bewilligungen erteilt. Die Inbetriebnahme ist ab Mitte 2028 geplant.
Warum dieser Schritt strategisch wichtig ist
Die Symbolik des Standorts ist kaum zu übersehen: Auf dem Gelände, auf dem jahrzehntelang ein Atomkraftwerk Grundlaststrom produzierte, entsteht nun eine Anlage, die das genaue Gegenteil repräsentiert, maximale Flexibilität statt konstanter Produktion. Das passt zu einem Stromsystem, das zunehmend von Solar- und Windenergie geprägt wird und deshalb dringend Speicher braucht, die Überschüsse aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben können.
Für die Schweiz ist das Projekt auch ein Signal: Grossbatterien sind nicht nur in Deutschland oder den USA Realität, sondern werden auch hierzulande zu einem integralen Bestandteil der Energieinfrastruktur. Der direkte Anschluss ans Übertragungsnetz von Swissgrid macht die Anlage in Mühleberg zu einem systemrelevanten Baustein für die Versorgungssicherheit, weit über den Kanton Bern hinaus.
Quellen: BKW Medienmitteilung vom 27. Mai 2026, swissinfo.ch, finanzen.ch, nau.ch, ee-news.ch, plattformj.ch, Bild "Visualisierung BESS-Projekt Mühleberg" © BKW