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#47 [Journal] Published: 17.07.2026
Energie-Atlas.ch — Journal

Eigenverbrauch optimieren: Was das neue Faktor-Themenheft Praktikern und Eigenheimbesitzenden liefert

Das Faktor-Themenheft «Eigenverbrauch» liefert Planungsgrundlagen und Praxisbeispiele rund um Batteriespeicher, Zusammenschlüsse und intelligente Steuerung.

Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach betreibt, hat ein klares wirtschaftliches Ziel: möglichst viel des selbst erzeugten Stroms direkt im Gebäude nutzen. Das neue Themenheft «Eigenverbrauch» des Schweizer Fachverlags Faktor greift genau diese Fragen auf: Wann lohnt sich ein Batteriespeicher? Wann macht ein Zusammenschluss zum Eigenverbrauch Sinn? Und wie lässt sich die Steuerung des Systems optimieren? Die Publikation richtet sich an Fachleute, Planerinnen und Bauherrschaften und verbindet strategische Planungsgrundlagen mit konkreten Praxisbeispielen.

Warum Eigenverbrauch heute wichtiger ist als je zuvor

Ohne zusätzliche Massnahmen liegt der Eigenverbrauchsanteil einer typischen PV-Anlage auf einem Einfamilienhaus bei rund 20 bis 30 Prozent. Der Rest fliesst ins Netz, zu Vergütungspreisen, die deutlich unter dem Haushaltsstromtarif liegen. Der Schweizer Medianpreis für Haushaltsstrom liegt laut ElCom 2026 bei 27,7 Rappen pro Kilowattstunde, während Einspeisevergütungen je nach Netzbetreiber und System deutlich darunter liegen. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ist damit erheblich wertvoller als eine eingespeiste.

Zwei neue Rahmenbedingungen verschärfen das Bild weiter. Erstens dürfen neue PV-Anlagen seit 2026 nur noch rund 70 Prozent ihrer installierten Leistung ins öffentliche Netz einspeisen. Wer mehr produziert, muss diesen Überschuss intern nutzen oder speichern. Zweitens werden mit der neuen Abnahmevergütung ab 2027 Einspeiseerlöse noch stärker vom stündlichen Spotmarktpreis abhängen, was mittags bei hoher Solarproduktion besonders tiefe Erlöse bedeutet. Die Eigenverbrauchsoptimierung wird damit zur wirtschaftlich zentralen Stellschraube.

Batteriespeicher: Mehrheitlich Standard seit 2025

Laut dem Batteriemonitor Schweiz 2026 werden PV-Anlagen in der Schweiz seit 2025 mehrheitlich in Kombination mit einer Batterie installiert. Das zeigt: Der Markt hat die Rechnung gemacht. Moderne Lithium-Ionen-Heimspeicher haben Kapazitäten von 5 bis 20 Kilowattstunden und Wirkungsgrade von rund 90 bis 95 Prozent im Lade-Entlade-Zyklus. Sie puffern den Mittagsüberschuss und stellen ihn abends zur Verfügung, wenn die Solarproduktion nachlässt und der Verbrauch steigt.

Das Faktor-Themenheft behandelt die Frage der richtigen Dimensionierung, ein zentrales Planungsthema. Als Ausgangspunkt gilt: Die Speicherkapazität in Kilowattstunden sollte etwa einem Drittel bis zur Hälfte des täglichen Haushaltsstromverbrauchs entsprechen. Ein zu grosser Speicher bleibt im Sommer oft ungenutzt, ein zu kleiner schöpft das Potenzial nicht aus.

ZEV, vZEV und LEG: Gemeinsam mehr erreichen

Ein weiterer Themenschwerpunkt des Hefts sind Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (ZEV). Die Möglichkeit, mehrere Parteien innerhalb eines Gebäudes oder auf demselben Grundstück gemeinsam eine PV-Anlage zu betreiben, besteht in der Schweiz seit 2018. Seither wurden diese Modelle schrittweise erweitert: Seit Januar 2025 ermöglicht der virtuelle ZEV (vZEV) die Nutzung von Solarstrom auch über Grundstücksgrenzen hinweg auf benachbarten Gebäuden. Seit Januar 2026 können Lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) gegründet werden, die Solarstrom innerhalb eines ganzen Quartiers oder einer Gemeinde teilen.

Das Themenheft greift diese Entwicklung auf und zeigt, für welche Konstellationen welches Modell sinnvoll ist. Mehrfamilienhäuser mit gemeinschaftlicher Dachfläche profitieren häufig schon mit einem ZEV deutlich. Gewerbestandorte mit hohem Tagesverbrauch eignen sich besonders gut, da ihr Verbrauchsprofil gut zur Solarproduktion passt. Überbauungen, bei denen einzelne Gebäude zu wenig Dachfläche haben, können über eine LEG trotzdem von lokal produziertem Solarstrom profitieren.

Intelligentes Lastmanagement: Unterschätzter Hebel

Neben Speichern und Verbünden ist die zeitliche Verschiebung von Verbrauchern ein oft unterschätzter Hebel. Wärmepumpen lassen sich gut in die Mittagsstunden verschieben, wenn die Solarproduktion ihren Höhepunkt hat. Warmwasserboiler mit 200 bis 300 Litern Fassungsvermögen können als thermischer Speicher dienen und Solarüberschüsse kostengünstig in Wärme umwandeln. Wallboxen mit Solarüberschussladung steuern das Laden des Elektroautos automatisch nach der Verfügbarkeit von Solarstrom.

Moderne Energiemanagementsysteme koordinieren diese Verbraucher automatisch. Das Faktor-Themenheft stellt dazu Praxisbeispiele vor und zeigt, wie gross die erreichbaren Eigenverbrauchsanteile in der Praxis tatsächlich sind.

Was beim Kauf und bei der Planung zählt

Das Heft betont mehrere Planungsgrundsätze, die in der Praxis oft zu wenig beachtet werden. Die Verbrauchsanalyse sollte vor der Anlagenauslegung stehen, idealerweise mit einem Smart Meter über mindestens ein Jahr. Die Ausrichtung der Anlage beeinflusst das Eigenverbrauchsprofil: Ost-West-Anlagen produzieren morgens und abends mehr, was zu einem gleichmässigeren Tagesprofil führt und den Speicherbedarf reduziert. Und die Planung sollte künftige Verbrauchsänderungen, etwa die Anschaffung eines Elektroautos, von Anfang an mitdenken.

Fazit

Das Faktor-Themenheft «Eigenverbrauch» bietet eine praxisnahe Übersicht über ein Thema, das durch die neuen regulatorischen Rahmenbedingungen 2026 und 2027 noch an Bedeutung gewonnen hat. Es richtet sich an alle, die nicht nur eine PV-Anlage installieren, sondern deren wirtschaftliches Potenzial wirklich ausschöpfen wollen. Für Eigenheimbesitzende, Planerinnen und Investierende, die den nächsten Schritt in der Eigenverbrauchsoptimierung angehen, ist es eine sinnvolle Ergänzung des Fachreferenzregals.

Quellen: Faktor Verlag (Themenheft «Eigenverbrauch», 2026); ee-news.ch; Swissolar Batteriemonitor Schweiz 2026; ElCom Strompreiserhebung 2026; gosmartsolution.ch