Am Stern von Laufenburg, dem historischen Ursprungsort des europäischen Stromverbunds, entsteht derzeit eines der ambitioniertesten Energiespeicherprojekte der Welt. Die FlexBase Group baut am Standort des ehemaligen Swissgrid-Knotenpunkts im aargauischen Laufenburg ein Technologiezentrum, dessen Herzstück eine Vanadium-Redox-Flow-Batterie von bis zu 2,1 Gigawattstunden Speicherkapazität bildet. Am 21. Mai 2026 gab FlexBase bekannt, dass Invinity Energy Systems als strategischer Technologiepartner für die Batterie ausgewählt wurde.
Was am Stern von Laufenburg entsteht
Das Technologiezentrum Laufenburg (TZL) vereint auf über 40.000 Quadratmetern zwei Komponenten: eine grossmassstäbliche Vanadium-Redox-Flow-Batterie und eine wassergekühlte KI-Rechenzentrumsanlage, die FlexBase als «Sovereign AI Factory» bezeichnet.
Der Bau begann im Mai 2025 nach Erteilung der Baugenehmigung im April 2025. Die Batterie wird unterirdisch in einer Baugrube von 27 Metern Tiefe installiert, die einer Fläche von rund zwei Fussballfeldern entspricht. Swissgrid hat im Januar 2026 den Netzanschluss für Phase 1 mit einer Leistung von 800 Megawatt genehmigt. Im Endausbau soll die Anlage bis zu 1,2 Gigawatt Leistung innerhalb von Millisekunden ins Netz abgeben können. Das entspricht in etwa der Leistung des Kernkraftwerks Leibstadt.
Die Technologiewahl: Warum Vanadium-Redox statt Lithium-Ionen
FlexBase und Invinity setzen auf Vanadium-Redox-Flow-Technologie (VFB). Das Funktionsprinzip unterscheidet sich grundlegend von Lithium-Ionen-Batterien: Statt in festen Elektroden wird die Energie in flüssigen Vanadium-Elektrolyten gespeichert, die in Tanks gelagert und durch elektrochemische Zellen gepumpt werden. Die Tanks bestimmen die Speicherkapazität, die Zellen die Leistung. Beide Parameter lassen sich damit unabhängig voneinander skalieren.
Für den industriellen Massstab hat das klare Vorteile. Der Elektrolyt besteht zu rund 75 Prozent aus Wasser und ist damit weder brennbar noch explosiv, was bei Lithium-Ionen-Anlagen dieser Grösse erhebliche Brandschutzanforderungen und Kühlungsaufwände vermeidet. Die Elektroden werden beim Laden und Entladen nicht abgebaut, was eine deutlich längere Lebensdauer ergibt. Und der Elektrolyt kann zu nahezu 100 Prozent wiederaufbereitet werden.
Für das FlexBase-Projekt sprach aus Sicht von CEO Marcel Aumer die «Sicherheit, insbesondere die Nicht-Brennbarkeit, die Zyklenstabilität und die Flexibilität in der Anwendung» von Invinity's Technologie.
Dimensionen und Zeitplan
Das initiale Speichervolumen der Batterie liegt bei bis zu 1,5 Gigawattstunden, erweiterbar auf 2,1 Gigawattstunden im Endausbau. 2,1 GWh entsprechen laut FlexBase der Versorgung von rund 210.000 Schweizer Haushalten während 24 Stunden. Zum Vergleich: Die grösste bisher in Europa realisierte Vanadium-Redox-Flow-Anlage, das Copwood Energy Hub in England von Invinity, hat eine Kapazität von 20,7 Megawattstunden. Laufenburg läge damit um ein Vielfaches darüber.
Invinity führt nun die Engineering-Phase durch, die bis in das Jahr 2027 dauern soll. Die Kauforder für das Batteriesystem wird nach erfolgreichem Abschluss der Planungsphase erwartet. Die Investitionssumme liegt im Milliardenbereich. FlexBase ist zu 100 Prozent in Schweizer Hand und wird durch Private Equity und Fonds finanziert, ohne staatliche Beteiligungen.
Der Standort als Systemfaktor
Der Standort Laufenburg ist kein Zufall. 1958 wurden hier die Stromnetze Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz erstmals zusammengeschaltet. Der «Stern von Laufenburg» ist damit der älteste Knoten des europäischen Stromverbunds und heute noch eine der zentralen Schaltanlagen des Swissgrid-Übertragungsnetzes. Ein Batteriespeicher an diesem Standort kann ohne Umwege und Verluste direkt an das Hochspannungsnetz angebunden werden.
Das ist strategisch bedeutsam: Netzstabilisierende Batterien sind am effektivsten, wenn sie nahe an Hochspannungsknoten liegen, von denen aus Regelenergie schnell in das europäische Verbundnetz eingespeist werden kann. Laufenburg liegt an der Grenze zu Deutschland und damit direkt an einer der wichtigsten Stromaustausch-Achsen Mitteleuropas.
Kombination mit KI-Rechenzentrum
Die Kombination von Grossbatterie und KI-Rechenzentrum ist ein Alleinstellungsmerkmal des TZL. Das Rechenzentrum wird mit On-Chip-Wasserkühlung betrieben, die Abwärme wird genutzt und die Gebäudefassade mit Photovoltaik ausgestattet. Die Batterie kann Lastspitzen des Rechenzentrums abfedern und gleichzeitig Regelenergie ans Netz liefern, ohne die Rechenleistung zu beeinträchtigen. Im Endausbau kann die Sovereign AI Factory laut FlexBase eine Leistung von bis zu 500 Megawatt abrufen.
Quellen: FlexBase Group (flexbase.ch), Invinity Energy Systems (invinity.com), Swissgrid, ess-news.com, Batteries International, Renewables Now. Stand: Juni 2026. Der Kaufauftrag für die Batterie ist noch nicht erteilt, die Engineering-Phase läuft.