Grossbatteriespeicher sind kein Nischenthema mehr. Eine VKU-Umfrage unter 756 kommunalen Energieversorgern mit Stromsparte, durchgeführt zwischen Ende April und Ende Mai 2026, zeigt: Viele Stadtwerke planen Projekte bis 500 Megawatt (VKU, 11. Juni 2026). Der Druck ist real: Bei 38 Prozent der Netzbetreiber stieg 2025 die Zahl der Anschlussanfragen, bei elf Prozent sogar stark. Treiber sind neben Speichern auch Photovoltaik, Wärmepumpen und Ladestationen.
Was Grossbatteriespeicher für kommunale Versorger leisten
Grossbatteriespeicher erfüllen für kommunale Energieversorger mehrere Funktionen gleichzeitig. Sie speichern überschüssigen Solarstrom in den Mittagsstunden und geben ihn abends wieder ab. Sie liefern Regelenergie für das Netz, indem sie innerhalb von Millisekunden auf Frequenzschwankungen reagieren. Und sie ermöglichen Arbitrage: Strom in Stunden mit niedrigen oder negativen Preisen aufnehmen, in Hochpreiszeiten wieder abgeben.
Laut dem Verband der kommunalen Unternehmen (VKU) macht die zunehmende Volatilität im Strommarkt flexible Speichersysteme wirtschaftlich. «Die Spanne zwischen niedrigen oder sogar negativen und hohen Marktpreisen für Strom gilt es zu überbrücken, und das gelingt besonders effektiv mit Stromspeichern», erklärt Linus Erbshäuser, Senior-Projektmanager Photovoltaik bei der Asew (E&M powernews, März 2025).
Reale Projekte: Bayern macht es vor
In Bayern entstehen mehrere bedeutende Anlagen. RWE baut in Gundremmingen, dem früheren AKW-Standort, den nach eigenen Angaben derzeit grössten Batteriespeicher Deutschlands: 400 Megawatt Leistung und 700 Megawattstunden Kapazität, Investition rund 230 Millionen Euro (stad+werk, November 2025). Der Spatenstich erfolgte im Oktober 2025 im Beisein des bayerischen Ministerpräsidenten. Die Anlage nutzt den bestehenden Netzanschluss des im Rückbau befindlichen Kraftwerks und soll 2028 in Betrieb gehen.
In Arzberg in Nordbayern ist bereits eine der grössten Batteriespeicheranlagen Deutschlands mit 100 Megawatt Leistung und 200 Megawattstunden Kapazität in Betrieb (Energie und Management). In Immenstadt im Allgäu realisieren die Rupp Gruppe und Sunbit Energietechnik den grössten Batteriespeicher Schwabens mit 35 Megawattstunden Kapazität, direkt neben einem Umspannwerk.
Der Trend ist breit. Weitere Projekte in Deutschland: In Sachsen-Anhalt haben Next Kraftwerke und Eco Stor eine Anlage mit bis zu 300 Megawatt Leistung in Planung (stad+werk, Juni 2026). In Wertheim entsteht eine Anlage von Tauber Energy mit 15 Megawatt Anschlussleistung (stad+werk, Mai 2026).
Technologie und Kosten
Stationäre Grossbatteriespeicher basieren in der Regel auf Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP). Sie gilt als sicher, langlebig und gut geeignet für häufige Ladezyklen. Für eine Leistung von 100 Megawatt braucht eine solche Anlage etwa die Fläche von zwei Fussballfeldern. Die Kosten pro installierter Megawattstunde sind laut verschiedenen Branchenquellen in den letzten Jahren stark gesunken und nähern sich 2026 der 100-Euro-Marke für Systemkosten, je nach Projektgrösse und Standort.
Was die Schweiz dazu plant
In der Schweiz befindet sich das grösste kommunale Batteriespeicherprojekt des Landes in Entwicklung: BKW baut auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Mühleberg einen Grossspeicher mit 400 Megawatt Leistung und 800 Megawattstunden Kapazität. Swissgrid hat den Netzanschluss im Januar 2026 genehmigt. Inbetriebnahme ist für Anfang 2030 geplant (BKW Medienmitteilung, 27. Mai 2026). Das kleinere Projekt in Grosshöchstetten BE mit 20 Megawatt und 50 Megawattstunden soll voraussichtlich im dritten Quartal 2027 in Betrieb gehen.
Herausforderungen und was der VKU fordert
Der VKU macht auf strukturelle Probleme aufmerksam. Anschlussdauern variieren stark: Bei 42 Prozent der Unternehmen dauert ein Netzanschluss sechs bis zwölf Monate, bei 19 Prozent sogar zwölf bis 18 Monate. Der Verband fordert bundesweit einheitliche Regeln für den Netzanschluss, verlässliche Investitionsbedingungen bei Netzentgelten und Umlagen über 2029 hinaus sowie digitale Prozesse für Messung, Marktintegration und Redispatch.
Quellen: VKU, Grossbatteriespeicher-Umfrage, 11. Juni 2026. stad+werk (verschiedene Meldungen 2025/2026). E&M powernews, März 2025. BKW Medienmitteilung, 27. Mai 2026. Fraunhofer ISE.