Ende Juni 2025 lieferten deutsche Solaranlagen an Spitzentagen der damaligen Hitzewelle bis zu 50 Gigawatt Leistung, das entsprach zeitweise 33 bis 39 Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs (Thinktank Ember, Analyse 2025). Gleichzeitig musste in der Schweiz das Kernkraftwerk Beznau im Juni 2026 wegen zu warmen Flusswassers vorübergehend heruntergefahren werden. Zwei Ereignisse, die zeigen: Hitzewellen bringen Stromnetze an ihre Grenzen, und Photovoltaik spielt dabei eine wachsende Rolle, sowohl als Entlastung als auch als zusätzliche Herausforderung. Was aktuelle Analysen dazu wirklich sagen und was Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer in der Schweiz daraus machen können, zeigt dieser Beitrag.
Wenn Hitze das Stromnetz an seine Grenzen bringt
Hitzewellen belasten Stromnetze gleich doppelt. Einerseits steigt die Nachfrage durch Klimaanlagen und Kühlgeräte sprunghaft an. Andererseits verlieren konventionelle Kraftwerke bei hohen Temperaturen an Leistung: Flusswasserkraftwerke und Kernkraftwerke benötigen Kühlwasser, das bei niedrigen Pegeln und hohen Wassertemperaturen knapp wird. Auch Hochspannungsleitungen verlieren bei Hitze an Übertragungskapazität.
Der europäische Thinktank Ember untersuchte in einem im August 2026 veröffentlichten Bericht die Hitzewellen vom Juni und Juli 2026 in Frankreich, Spanien, Italien und Ungarn. Das Ergebnis: Der Stromverbrauch stieg an Hitzetagen gegenüber Tagen ohne Hitzewelle um bis zu 28 Prozent in Italien, 23 Prozent in Ungarn, 14 Prozent in Frankreich und 13 Prozent in Spanien (Ember, August 2026). In der Schweiz zeigte sich die Belastung anders: Steigende Flusswassertemperaturen zwangen die Betreiber des Kernkraftwerks Beznau im Juni 2026 zu einer vorübergehenden Abschaltung (Ember/France24, Juni 2026).
Was die Analysen zur Solarleistung konkret zeigen
Für die vier untersuchten Länder hält der Ember-Bericht fest, dass die Solarproduktion an Hitzetagen im Juni und Juli 2026 in Frankreich und Ungarn im Schnitt 17 Prozent höher lag als an gewöhnlichen Tagen, in Spanien 5 Prozent höher, während sie in Italien etwa gleich blieb (Ember, August 2026). Solarstrom war damit die einzige grosse Stromquelle, die während der Hitzewellen zuverlässiger lieferte als sonst, während Kernkraft, Kohle und Wasserkraft unter der Hitze und Trockenheit litten.
Für Deutschland liegt eine eigene Auswertung vor: Während der Hitzewelle Ende Juni bis Anfang Juli 2025 speisten deutsche Solaranlagen in Spitzenzeiten bis zu 50 Gigawatt ins Netz ein, was 33 bis 39 Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs entsprach (Thinktank Ember, Analyse 2025). Zur Einordnung: Überschüssiger Strom kann in Deutschland aktuell auf Batteriespeicher mit rund 14 Gigawatt Kapazität sowie auf Pumpspeicher mit weiteren rund 10 Gigawatt verteilt werden (Ember, Analyse 2025). Für die Schweiz und Österreich liegen für die Hitzeperioden 2025 und 2026 bislang keine vergleichbar detaillierten Auswertungen vor, weshalb sich diese konkreten Prozentwerte nicht direkt auf die beiden Länder übertragen lassen.
Die Schweiz: Rekordausbau und wachsender Anteil am Strommix
Für die DACH-Region ist der Solarausbau der vergangenen Jahre die eigentliche Grundlage für mehr Netzstabilität. In der Schweiz wuchs die neu installierte Photovoltaik-Leistung 2023 um 51 Prozent auf den Rekordwert von 1641 Megawatt, die kumuliert installierte Leistung stieg damit auf 6375 Megawatt (Swissolar, Juli 2024, gestützt auf die Statistik Sonnenenergie des Bundesamts für Energie BFE). Solarstrom deckte damit bereits 2023 rund 8,25 Prozent des Schweizer Strombedarfs. Bis 2025 wuchs dieser Anteil laut Swissolar auf rund 14 Prozent (Swissolar, Batteriespeicherbericht 2025).
Parallel dazu boomt die Speicherbranche: 2023 stieg die Zahl neu installierter Batteriespeicher in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent, mit einer durchschnittlichen Kapazität von 14,1 Kilowattstunden. Bereits 42 Prozent der neuen Photovoltaikanlagen auf Einfamilienhäusern erhielten 2023 einen Batteriespeicher (Swissolar, Juli 2024). Mittlerweile wird laut Swissolar rund jede zweite neue Anlage in der Schweiz mit einem Speicher kombiniert (Swissolar, Batteriespeicherbericht 2025).
Eigenverbrauch optimieren: Was Hausbesitzer in der Schweiz tun können
Wer den eigenen Eigenverbrauch an Hitzetagen erhöht, spart nicht nur Stromkosten, sondern entlastet das Netz genau dann, wenn es am stärksten unter Druck steht.
Moderne Energiemanagementsysteme steuern energieintensive Geräte wie Waschmaschine, Geschirrspüler oder Wärmepumpe automatisch so, dass sie dann laufen, wenn die eigene Anlage am meisten produziert, an einem typischen Sommertag also zwischen etwa 10 und 14 Uhr. Laut Fabio Giddey vom Branchenverband Swissolar erreicht ein Einfamilienhaus in der Schweiz ohne zusätzliche Massnahmen einen Eigenverbrauchsanteil von 15 bis 30 Prozent des produzierten Solarstroms. Mit Wärmepumpe und intelligentem Energiemanagementsystem steigt dieser Wert auf 40 bis 60 Prozent, mit zusätzlichem Batteriespeicher auf bis zu 80 Prozent (Swissolar, zitiert in Beobachter). Als Faustregel für die Speichergrösse gilt: die Leistung der Photovoltaikanlage in Kilowattpeak multipliziert mit dem Faktor 1,5 ergibt eine sinnvolle Speicherkapazität in Kilowattstunden.
Auch die Elektromobilität lässt sich einbinden. Gesteuertes Laden über eine smarte Wallbox zwischen etwa 11 und 15 Uhr, wenn die Solarproduktion ihren Tageshöhepunkt erreicht, nutzt das Fahrzeug als zusätzlichen Puffer. Rechnerisch lässt sich ein Elektroauto mit 60 Kilowattstunden Batteriekapazität an einem sonnenreichen Tag mit einer entsprechend dimensionierten Anlage vollständig mit eigenem Solarstrom laden.
Netzbetreiber wie Swissgrid in der Schweiz, APG in Österreich und Amprion in Deutschland beziehen dezentrale Photovoltaikanlagen zunehmend in ihre Netzplanung ein. In sogenannten virtuellen Kraftwerken werden viele Kleinanlagen gebündelt und für das Netzmanagement steuerbar gemacht, wer daran teilnimmt, kann dafür eine zusätzliche Vergütung erhalten.
Förderungen in der DACH-Region: Was aktuell gilt
Die Förderlandschaft unterscheidet sich zwischen den drei Ländern deutlich und verändert sich laufend. In der Schweiz vergibt das Bundesamt für Energie (BFE) die Einmalvergütung (EIV) für neue Anlagen. Weil die Systemkosten stark gesunken sind, hat sich die mittlere Förderung pro installiertem Kilowatt zwischen 2018 und 2025 von 636 auf 358 Franken reduziert. Aktuell beträgt der Leistungsbeitrag für Anlagen unter 30 Kilowatt 400 Franken pro Kilowatt bei angebauten und freistehenden Anlagen sowie 440 Franken pro Kilowatt bei integrierten Anlagen, eine Anhebung ist per 1. April 2027 vorgesehen (Bundesamt für Energie BFE, 2026). Für den durchschnittlichen Strompreis in der Schweiz rechnet die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) für 2026 mit rund 27,7 Rappen pro Kilowattstunde.
In Deutschland gilt seit dem 1. Februar 2026 für Anlagen bis 10 Kilowatt-Peak eine Einspeisevergütung von 7,79 Cent pro Kilowattstunde bei Teileinspeisung beziehungsweise 12,35 Cent bei Volleinspeisung. Seit 2023 fällt zudem auf private Photovoltaikanlagen bis 30 Kilowatt-Peak keine Mehrwertsteuer mehr an (Paragraf 12 Absatz 3 Umsatzsteuergesetz).
In Österreich unterstützt der Bund Neuanlagen 2026 über das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) mit Investitionszuschüssen von 150 Euro pro Kilowatt-Peak bei Anlagen bis 10 Kilowatt, 140 Euro zwischen 10 und 20 Kilowatt sowie maximal 130 Euro zwischen 20 und 100 Kilowatt. Für Batteriespeicher gibt es zusätzlich 150 Euro pro Kilowattstunde (EAG-Abwicklungsstelle, 2026). In allen drei Ländern gilt: Kantonale, regionale oder kommunale Zusatzförderungen kommen oft noch hinzu und sollten individuell abgeklärt werden.
Fazit: Photovoltaik als Baustein der Energiesicherheit
Die verfügbaren Analysen zeigen ein differenziertes Bild: Solarstrom half in Frankreich, Ungarn und Spanien während der Hitzewellen 2026 nachweislich, die gestiegene Nachfrage zu decken, während konventionelle Kraftwerke schwächelten. Für Deutschland belegen die Zahlen von 2025 einen Solaranteil von bis zu 39 Prozent an Spitzentagen. Für die Schweiz fehlt eine vergleichbar detaillierte Studie zu Hitzetagen, dafür zeigen die Ausbauzahlen den strukturellen Trend deutlich: Der Anteil von Solarstrom am Schweizer Strommix wuchs von 8,25 Prozent im Jahr 2023 auf rund 14 Prozent im Jahr 2025.
Für Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer in der Schweiz bedeutet das konkret: Wer den Eigenverbrauch durch Energiemanagement, Batteriespeicher und gesteuertes Laden der Elektromobilität erhöht, profitiert doppelt, durch tiefere Stromkosten und durch einen aktiven Beitrag zur Netzstabilität an genau den Tagen, an denen sie am wichtigsten ist. Wer eine neue Anlage plant, sollte sich vorab über die aktuellen Fördersätze des BFE sowie allfällige kantonale Zusatzförderungen informieren. Wer bereits eine Anlage betreibt, findet im Nachrüsten eines Speichers oder in einem Energiemanagementsystem meist den grössten Hebel für mehr Eigenverbrauch.
Quellen: Ember, "Solar helps Europe's grid withstand extreme heat", August 2026; Thinktank Ember, Analyse der Hitzewelle 2025 (zitiert nach nextpit.de); Swissolar, Marktstatistik Photovoltaik 2023, Juli 2024; Swissolar, Batteriespeicherbericht 2025; Bundesamt für Energie (BFE), Publikation zu Vergütungssätzen 2026; Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom), Strompreisprognose 2026; EAG-Abwicklungsstelle Österreich, Fördersätze 2026.