Wer eine neue Wärmepumpe kauft, verlässt sich auf die Angaben im Datenblatt. Doch Herstellerwerte werden unter Laborbedingungen ermittelt, die mit dem tatsächlichen Betrieb oft wenig gemein haben. Genau hier setzt das Wärmepumpen-Testzentrum WPZ an: Es prüft Geräte unabhängig und liefert die Grundlage für das europäische EHPA-Gütesiegel, das in der Schweiz über die Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS) vergeben wird.
Was das WPZ ist und wo es steht
Das Wärmepumpen-Testzentrum WPZ ist an der Interstaatlichen Hochschule für Technik NTB in Buchs SG angesiedelt, die heute Teil der OST – Ostschweizer Fachhochschule ist. Es ist eine nach EN ISO 17025 akkreditierte Prüfstelle und damit international anerkannt. Die Prüfungen erfolgen nach den Normen EN 14511, EN 14825 und EN 16147 sowie nach den erweiterten Anforderungen des EHPA-Prüfreglements.
Das WPZ führt die technische Prüfung durch. Die Vergabe des Gütesiegels liegt bei der FWS als offiziell anerkannter Vergabestelle, die vom Bund und den Kantonen anerkannt ist.
Was geprüft wird
Die Prüfung im WPZ umfasst in erster Linie die Ermittlung der Heizleistung sowie der Leistungszahlen (COP und SCOP), also des Verhältnisses von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom. Dabei werden unterschiedliche Betriebsszenarien abgedeckt, darunter Teillastbetrieb, Abtauzyklen und Betrieb bei tiefen Aussentemperaturen. Zusätzlich werden Schallemissionen gemessen, was besonders für Luft-Wasser-Wärmepumpen in dicht besiedelten Gebieten relevant ist.
Damit ein Hersteller das EHPA-Gütesiegel erhält, muss er eine definierte Anzahl Geräte einer Baureihe prüfen lassen und dabei die Mindestanforderungen an Effizienz und weitere Qualitätskriterien erfüllen. Das Gütesiegel bezieht sich dabei nicht nur auf das Gerät selbst, sondern auch auf die Qualität der Planungsunterlagen und der Serviceorganisation.
Das WPSM-Gütesiegel: Systemzertifizierung für die ganze Anlage
Neben dem EHPA-Gütesiegel für das einzelne Gerät gibt es in der Schweiz das WPSM-Zertifikat (Wärmepumpen-System-Modul). Das ist eine Systemzertifizierung, die die gesamte Anlage umfasst: Gerät, Planung, Installation und Inbetriebnahme. Der Installateur bestätigt mit einer schriftlichen Leistungsgarantie, dass die Anlage die zugesicherte Energieeffizienz einhält.
Das WPSM ist für Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer besonders relevant, weil viele Kantone es zur Voraussetzung für Förderbeiträge machen. Im Kanton St. Gallen etwa ist für Anlagen bis 15 kW ein WPSM-zertifiziertes Systemmodul vorgeschrieben, und die Kosten für das Zertifikat werden vom Kanton übernommen. WPSM-zertifizierte Anlagen sind nachweislich unabhängig geprüft, bieten Gewähr für aufeinander abgestimmte Komponenten und sichern durch standardisierte Abläufe eine optimale Ausführung.
Warum das alles relevant ist
Der Schweizer Wärmepumpenmarkt wächst stark. In der Schweiz sind heute rund 450.000 Wärmepumpen installiert, und die Zahl nimmt jährlich deutlich zu. Mit dem Wachstum steigt die Vielfalt der Anbieter und Modelle. Nicht jedes Gerät hält, was die Hochglanzprospekte versprechen, und nicht jede Installation erfolgt fachgerecht. Unabhängige Prüfstellen wie das WPZ und Zertifizierungssysteme wie EHPA-Gütesiegel und WPSM schaffen in diesem Umfeld das nötige Vertrauen.
Für Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer gilt: Ein Gerät mit EHPA-Gütesiegel und eine Anlage mit WPSM-Zertifikat bieten die beste Grundlage für realistische Betriebskostenberechnungen, höhere Förderbeiträge und langfristige Planungssicherheit. Wer beim Kauf darauf achtet, vermeidet teure Fehlkäufe.
Ausblick: Hochtemperatur und Industrie
Das WPZ beschränkt sich nicht auf klassische Heizungswärmepumpen. Ein wachsender Bereich sind Hochtemperatur-Wärmepumpen, die Prozesswärme bis 120 Grad Celsius und darüber hinaus liefern können. Das ist für die Dekarbonisierung der Industrie relevant, da ein grosser Anteil des industriellen Energieverbrauchs auf Prozesswärme in diesem Temperaturbereich entfällt. Spezifische Prüfprotokolle für Industrieanwendungen werden laufend weiterentwickelt.
Ebenfalls im Fokus: Kältemittel der nächsten Generation. Natürliche Kältemittel wie Propan (R290), CO2 (R744) und Ammoniak (R717) haben ein deutlich geringeres Treibhauspotenzial als ältere synthetische Alternativen. Die EU und die Schweiz schränken den Einsatz von F-Gasen schrittweise ein. Das WPZ entwickelt die Prüfinfrastruktur für diese neuen Kältemittel kontinuierlich weiter.
Quellen: OST / WPZ Buchs (ost.ch), FWS Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (fws.ch), EHPA-Gütesiegeldatenbank (ql.ehpa.org), Energieagentur St. Gallen, asetlabs.ch