Batteriespeicher gegen Strompreisspitzen: Was die Fraunhofer-Simulation für Schweizer Heimspeicher bedeutet
Mehr Speicher hätten in Deutschland die Stunden über 200 Euro/MWh von 169 auf 20 gesenkt. Was das für Heimspeicher in der Schweiz heisst, haben wir eingeordnet.
Was wäre, wenn dein Heimspeicher nicht nur deinen eigenen Solarstrom zwischenspeichert, sondern die Preisspitzen am Strommarkt für alle kappt? Genau diese Frage hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) für Deutschland durchgerechnet. Das Ergebnis ist deutlich, und es liefert auch für Schweizer Eigenheimbesitzer eine wichtige Erkenntnis: Der grösste Nutzen eines Batteriespeichers entsteht dort, wo er sich an Preissignalen orientiert. Im reinen Eigenverbrauchsmodus rechnet sich ein Heimspeicher in der Schweiz dagegen nur schwer.
Was die Fraunhofer-Simulation zeigt
Das Fraunhofer ISE hat einen frei zugänglichen Strompreissimulator auf der Plattform Energy-Charts veröffentlicht und ihn auf die deutschen Day-Ahead-Auktionen des Jahres 2025 angewendet. Vorgestellt wurde die Auswertung Ende September 2026 an einer gemeinsamen Medienkonferenz mit dem Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) und dem Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES).
Im Szenario mit zusätzlich 20 Gigawatt Batterieleistung und 40 Gigawattstunden Speicherenergie in Deutschland sank die höchste Preisspitze des Jahres im Modell von 583 auf 221 Euro pro Megawattstunde (Fraunhofer ISE, September 2026). Die Zahl der Stunden mit Preisen über 200 Euro pro Megawattstunde fiel in Deutschland von 169 auf 20 (Fraunhofer ISE, September 2026). Der mittlere Abstand zwischen der teuersten und der günstigsten Viertelstunde eines Tages schrumpfte von 130 auf 53 Euro pro Megawattstunde, während sich der deutsche Jahresmittelpreis mit 89,32 gegenüber 89,44 Euro pro Megawattstunde kaum veränderte (Fraunhofer ISE, September 2026).
Hier wird es spannend: Speicher machen Strom im Schnitt nicht billiger, sie glätten die Ausreisser. Weil sie Solarstrom in Überschussstunden aufnehmen, stieg der Marktwert von Solarstrom in Deutschland im Modell von 45,08 auf 61,02 Euro pro Megawattstunde (Fraunhofer ISE, September 2026). Im deutschen Marktprämienmodell gleicht die Förderung die Differenz zwischen dem anzulegenden Wert und dem Marktwert aus. Steigt der Marktwert, sinkt der Förderbedarf: Das Fraunhofer ISE bezifferte die mögliche Entlastung bei den EEG-Kosten in Deutschland auf bis zu 1,2 Milliarden Euro pro Jahr (Fraunhofer ISE, September 2026).
Wichtig für die Einordnung: Der Simulator ist keine Prognose, sondern eine Was-wäre-wenn-Rechnung. Er bildet nur die Day-Ahead-Auktion ab, keine lokalen Netzengpässe und keine konkreten Speicherstandorte. Und er rechnet mit einer marktoptimiert gesteuerten Speicherflotte, nicht mit Heimspeichern, die ausschliesslich den Eigenverbrauch optimieren.
Warum das für die Schweiz relevant ist
Die Zahlen der Simulation gelten für Deutschland und lassen sich nicht auf die Schweiz übertragen. Das Grundprinzip gilt aber auch hier: Der Schweizer Day-Ahead-Markt wird ebenfalls an der Strombörse EPEX SPOT gehandelt, und mit wachsendem Solaranteil gewinnen die Preisunterschiede innerhalb eines Tages an Gewicht. In der Schweiz deckte die Solarenergie 2025 bereits rund 14 Prozent des Strombedarfs (Swissolar, 2025).
Beim Haushalt kommen diese Preissignale bisher kaum an. In der Schweiz zahlt ein typischer Haushalt mit 4'500 Kilowattstunden Jahresverbrauch 2026 im Median 27,7 Rappen pro Kilowattstunde (ElCom, September 2025). Für 2027 sinkt der Schweizer Median auf 26,5 Rappen (ElCom, September 2026). Gemäss ElCom führen Netzbetreiber ab 2026 vermehrt dynamische Tarifmodelle ein, als Standardtarif hat für 2026 aber kein Netzbetreiber einen dynamischen Tarif festgelegt (ElCom, September 2025). Als Wahloption bieten unter anderem EKZ, CKW und Groupe E dynamische Tarife an (SRF, abgerufen Oktober 2026). EKZ bietet seit Anfang 2026 einen kombinierten dynamischen Wahltarif für Netznutzung und Energie an (EKZ, August 2026).
Was ein Heimspeicher in der Schweiz wirklich bringt
Ein gemessenes Praxisbeispiel liefert der Kanton Zürich: In einem Reiheneinfamilienhaus in Schlieren produziert eine 3,75-Kilowattpeak-Anlage rund 3'100 Kilowattstunden Solarstrom pro Jahr (Kanton Zürich, Pilotprojekt FlexData). Ohne Batterie wurden 30,2 Prozent davon direkt selbst verbraucht, mit einem 5,5-Kilowattstunden-Speicher 62,8 Prozent (Kanton Zürich, Pilotprojekt FlexData). Ein doppelt so grosser Speicher mit 11 Kilowattstunden erreichte 64,7 Prozent und brachte damit keine relevante Verbesserung (Kanton Zürich, Pilotprojekt FlexData).
Rechnen wir das durch. Der 5,5-Kilowattstunden-Speicher hebt den Eigenverbrauch um 32,6 Prozentpunkte, das sind rund 1'010 Kilowattstunden pro Jahr. Jede dieser Kilowattstunden spart den Bezugspreis, verzichtet aber auf die Rückliefervergütung, die sonst für die Einspeisung bezahlt worden wäre. Seit 2026 richtet sich die Rückliefervergütung in der Schweiz nach dem vom BFE publizierten Referenzmarktpreis, für Anlagen bis 30 Kilowatt gilt eine Minimalvergütung von 6 Rappen pro Kilowattstunde (Swissolar, Januar 2026). Mit dem Schweizer Median von 27,7 Rappen (ElCom, September 2025) bleiben im günstigsten Fall rund 21,7 Rappen Vorteil pro verschobener Kilowattstunde. Das ergibt rund 220 Franken pro Jahr, vereinfacht gerechnet ohne Speicherverluste und ohne fixe Tarifbestandteile.
Dem steht die Investition gegenüber. Für einen Batteriespeicher in einem Schweizer Einfamilienhaus nannte der Beobachter 8'000 bis 10'000 Franken (Beobachter, November 2023). Swissolar hält fest, dass die Speicherpreise in den letzten Jahren erheblich gesunken sind (Swissolar, 2025). Bei 8'000 Franken würde es in diesem Beispiel trotzdem rund 36 Jahre dauern, bis die Ersparnis die Investition deckt. Der Speicher müsste also deutlich günstiger werden oder zusätzliche Erlöse erzielen, um sich allein über den Eigenverbrauch zu amortisieren.
Was wir aus dem Schlieren-Beispiel lernen: Grösser ist nicht automatisch besser. Der zweite Speicherblock blieb praktisch ungenutzt. Oft lohnt es sich mehr, zuerst steuerbare Verbraucher wie Wärmepumpe oder Elektroauto über ein Energiemanagementsystem an den Solarertrag zu koppeln. Laut Swissolar steigt der Eigenverbrauch in einem Einfamilienhaus von 15 bis 30 Prozent auf 40 bis 60 Prozent, wenn eine Wärmepumpe und ein intelligentes Energiemanagement dazukommen, und mit zusätzlichem Batteriespeicher auf bis zu 80 Prozent (Swissolar gemäss Beobachter, November 2023).
Der eigentliche Hebel: Speicher, die auf Preissignale reagieren
Die Fraunhofer-Simulation zeigt, wo der grössere Wert liegt: im koordinierten, marktorientierten Betrieb. In Deutschland ist das bei Heimspeichern bereits Realität. Der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW hat das virtuelle Kraftwerk aus vernetzten Heimspeichern von sonnen im Dezember 2024 für die Erbringung von Primärregelleistung präqualifiziert, sonnen verfügte in diesem Netzgebiet über rund 150 Megawattstunden installierte Speicherkapazität (sonnen, Dezember 2024). Teilnehmende Haushalte erhalten dafür zusätzliche Einnahmen (sonnen, Dezember 2024).
Auch die deutschen Verbände sehen hier Nachholbedarf. Der BNE forderte an der Fraunhofer-Medienkonferenz, dass Heimspeicher stärker am Stromsystem teilnehmen können, und nannte digitale Prozesse und intelligente Messsysteme als Voraussetzung (ZFK, September 2026).
In der Schweiz steht diese Entwicklung noch am Anfang. Swissolar weist darauf hin, dass Speicher bei geeigneten Rahmenbedingungen Regelenergie bereitstellen können und dass netzdienliches Laden und Entladen gefördert werden soll (Swissolar, 2025). Mit den ersten dynamischen Tarifen entsteht zudem ein Preissignal, auf das ein Speicher mit Energiemanagementsystem reagieren kann. Wer heute investiert, sollte deshalb darauf achten, dass der Speicher steuerbar bleibt und künftige Vermarktungsmodelle nicht von vornherein ausschliesst.
Worauf du beim Kauf eines Heimspeichers achten solltest
Vergleiche Speicher immer anhand der nutzbaren Nettokapazität, nicht der Bruttokapazität im Datenblatt. Dimensioniere nach deinem tatsächlichen Verbrauchsprofil: Das Beispiel aus Schlieren zeigt, dass ein zu grosser Speicher Geld bindet, ohne den Eigenverbrauch spürbar zu erhöhen. Achte auf offene Schnittstellen zum Energiemanagementsystem, damit der Speicher später auf dynamische Tarife oder Vermarktungsangebote reagieren kann. Prüfe die Garantiebedingungen genau, insbesondere welche Restkapazität nach welcher Laufzeit oder Zyklenzahl zugesichert wird.
Bei der Förderung lohnt sich ein genauer Blick, denn die Unterschiede sind gross. Der Kanton Zürich schliesst Batteriespeicher von seinem kantonalen Förderprogramm Energie aus (Kanton Zürich, abgerufen Oktober 2026). Einzelne Gemeinden unterstützen Batteriespeicher dagegen über eigene Programme, etwa die Gemeinde Rüti ZH (Gemeinde Rüti, Juni 2026). Kläre deshalb sowohl bei der kantonalen Energiefachstelle als auch bei deiner Gemeinde und deinem Elektrizitätswerk ab, was gilt. Und prüfe den Rückliefertarif deines Netzbetreibers, denn er bestimmt direkt, wie viel dir jede selbst verbrauchte Kilowattstunde bringt.
Fazit: Speicher wirken am stärksten im Verbund mit dem Markt
Erstens: Die Fraunhofer-Simulation zeigt für Deutschland, dass marktorientiert betriebene Batteriespeicher Preisspitzen deutlich kappen und Förderkosten senken. Zweitens: Ein Heimspeicher, der in der Schweiz nur den Eigenverbrauch optimiert, amortisiert sich bei heutigen Tarifen und Rückliefervergütungen kaum. Drittens: Der zusätzliche Wert entsteht durch Steuerbarkeit, also durch dynamische Tarife, Energiemanagement und künftig die Teilnahme an Systemdienstleistungen.
So gehst du es an: Analysiere zuerst dein Lastprofil und kopple steuerbare Verbraucher an den Solarertrag. Dimensioniere den Speicher eher knapp als üppig. Wähle ein System mit offenen Schnittstellen. Prüfe dynamische Tarife, Rückliefertarif und Förderung bei deinem Netzbetreiber und deiner Gemeinde. Und hole mehrere Offerten ein, bevor du entscheidest.
Quellen: Fraunhofer ISE, Strompreissimulator auf Energy-Charts, Auswertung 2025, September 2026; ZFK, «Fraunhofer simuliert Strompreise mit Batteriespeichern», 28.09.2026; Solarserver, «Simulation: Batteriespeicher senken Strompreisspitzen», 28.09.2026; ElCom, Medienmitteilung «Leicht sinkende Strompreise 2026», 09.09.2025; ElCom, Medienmitteilung «Leicht sinkende Strompreise 2027», 08.09.2026; Swissolar, Bericht «Batteriespeicher mit Photovoltaik», 2025; Swissolar, Neuregelungen für Photovoltaik-Anlagen 2026, via pv magazine, 12.01.2026; Kanton Zürich, Pilotprojekt FlexData «Batteriespeicher für ein Reiheneinfamilienhaus mit Photovoltaik», abgerufen Oktober 2026; Kanton Zürich, Förderprogramm Energie, abgerufen Oktober 2026; Gemeinde Rüti ZH, Förderreglement für Energie- und Klimamassnahmen, Anpassungen, 09.06.2026; EKZ, Medienmitteilung Tarife 2027, 28.08.2026; SRF, «EKZ bieten dynamische Tarife an, viele andere Firmen noch nicht», abgerufen Oktober 2026; Beobachter, «Solarstrom selbst speichern: Lohnt sich das?», 29.11.2023; sonnen GmbH, Medienmitteilung «TransnetBW nimmt virtuellen Kraftwerksblock von sonnen in Betrieb», 12.12.2024.