Das Bundesamt für Energie (BFE) hat am 18. Juni 2026 die definitiven Zahlen zum Schweizer Energieverbrauch 2025 veröffentlicht. Alle ausgewiesenen Werte beziehen sich auf den Endenergieverbrauch, also die Energie, die beim Endverbraucher tatsächlich ankommt, am Stecker, an der Zapfsäule oder am Heizungsanschluss, nicht auf die Primärenergie vor der Umwandlung. Das Ergebnis ist ein differenziertes Bild: Strukturelle Fortschritte beim Heizen sind klar erkennbar, gleichzeitig treiben Witterung und Kerosin den Gesamtverbrauch nach oben.
Was die Zahlen konkret sagen
Der Endenergieverbrauch der Schweiz ist 2025 gegenüber dem Vorjahr um 0,2 Prozent auf rund 777.870 Terajoule (TJ) gestiegen, was rund 216 Terawattstunden (TWh) entspricht. Zum Vergleich: 2024 hatte der Anstieg noch 1,0 Prozent betragen. Die Wachstumsrate verlangsamt sich also, bleibt aber positiv. Die Haupttreiber sind dieselben wie im Vorjahr: kältere Witterung und ein steigender Kerosinverbrauch.
Die Anzahl Heizgradtage, ein wichtiger Indikator für den Heizenergiebedarf, nahm gegenüber dem Vorjahr um 5,6 Prozent zu. Dieser witterungsbedingte Effekt lässt sich nicht der Energiepolitik anlasten, ist aber ein guter Indikator dafür, wie abhängig der Schweizer Verbrauch noch von Temperaturschwankungen ist. Witterungsbereinigt wäre der Verbrauch 2025 gesunken.
Die guten Nachrichten: Wärmewende macht Fortschritte
Beim Heizen zeigen sich strukturelle Verbesserungen. Der Verbrauch von Heizöl extra-leicht sank um 4,3 Prozent, Erdgas um 1,1 Prozent. Gleichzeitig stieg die Nutzung von Umgebungswärme durch Wärmepumpen um 8,4 Prozent, Fernwärme legte um 6,5 Prozent zu. Der erneuerbare Anteil der Fernwärme stieg auf 44,7 Prozent. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am gesamten Endenergieverbrauch lag 2025 bei 27,5 Prozent.
Diese Zahlen zeigen: Die Ablösung fossiler Heizungen durch Wärmepumpen und Fernwärme schreitet voran. Der Witterungseffekt überlagert diesen Trend im Jahresvergleich, macht ihn aber nicht rückgängig.
Die unbequeme Wahrheit: Kerosin nähert sich dem Rekordniveau
Der Absatz von Flugtreibstoffen stieg 2025 um 3,2 Prozent und liegt nun nur noch knapp unter dem höchsten Verbrauchsniveau von 2018, also vor der Pandemie. Das ist der strukturell beunruhigendste Wert in der gesamten Statistik, weil er sich nicht wegbereinigen lässt und kaum kurzfristig dekarbonisierbar ist.
Synthetische Treibstoffe (Sustainable Aviation Fuels, SAF) sind technisch verfügbar, aber teuer und in zu geringen Mengen vorhanden. Elektrische Kurzstreckenflugzeuge und Wasserstoffantriebe befinden sich noch in der Entwicklung. Der Luftverkehr bleibt damit einer der schwierigsten Sektoren der Energiewende und wirkt als konstanter Gegenwind für Fortschritte in anderen Bereichen.
Strom und Treibstoffe
Der Schweizer Stromverbrauch stieg 2025 um 0,8 Prozent auf 58,0 TWh. Beim fossilen Strassenverkehr gab es eine leichte Entspannung: Benzin und Diesel sanken insgesamt um 1,0 Prozent. Biogene Treibstoffe legten um 9,5 Prozent zu und überschritten erstmals die Marke von 5 Prozent am gesamten Benzin- und Dieselabsatz (5,3 Prozent). Fossile Treibstoffe machen insgesamt rund 34,9 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs aus.
Was die Zahlen für die Energiestrategie bedeuten
Der witterungsbereinigte Verbrauch wäre 2025 gesunken. Das ist die wichtigste Botschaft hinter den Rohdaten. Die strukturelle Richtung stimmt: fossile Heizungen werden ersetzt, erneuerbare Energieträger wachsen, der Strassenverkehr elektrifiziert sich schrittweise. Aber das Tempo reicht noch nicht, um den Zielwert der Energiestrategie 2050 zu erreichen, der einen witterungsbereinigten Rückgang des Endenergieverbrauchs pro Person von 2,2 Prozent pro Jahr verlangt. Der tatsächliche Rückgang der letzten zehn Jahre lag bei rund 1,9 Prozent.
Drei Bereiche brauchen mehr Tempo: Der Ersatz fossiler Heizungen durch Wärmepumpen und Fernwärmeanschlüsse, die Beschleunigung des Solarausbaus für einen höheren erneuerbaren Anteil am Strom und eine ehrliche politische Auseinandersetzung mit dem Luftverkehr, der bislang aus vielen Dekarbonisierungsdebatten ausgeklammert wird.
Die vollständige Schweizerische Gesamtenergiestatistik 2025 wird ab der ersten Hälfte Juli 2026 publiziert und liefert dann detailliertere Aufschlüsse zu den einzelnen Sektoren.
Quellen: BFE Medienmitteilung vom 18. Juni 2026, ee-news.ch, energeiaplus.com, admin.ch. Die definitiven Zahlen wurden am 18. Juni 2026 veröffentlicht. Die vollständige Gesamtenergiestatistik erscheint ab Juli 2026.