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#39 [Journal] Published: 19.06.2026
Cover-Bild: Faktenblatt Elektromobilität 2026: Europa beschleunigt, Schweiz bleibt unter ihrem Potenzial

Faktenblatt Elektromobilität 2026: Europa beschleunigt, Schweiz bleibt unter ihrem Potenzial

Europa wuchs 2025 um 29,7 Prozent bei Elektrofahrzeugen. Die Schweiz erzielte mit 22,9 Prozent BEV-Anteil einen Rekord, bleibt aber ein europäischer Zögerer.

Das Faktenblatt Elektromobilität 2026 von Swiss eMobility zeichnet ein differenziertes Bild: Global und in Europa wächst der Elektrofahrzeugmarkt robust, und auch die Schweiz verzeichnete 2025 absolute Rekordwerte. Trotzdem gehört sie im europäischen Vergleich weiterhin zur Gruppe der «Zögerer». Was steckt dahinter?

Die globalen Zahlen

2025 wurden in Europa rund 2,6 Millionen batterieelektrische Fahrzeuge neu zugelassen, ein Plus von 29,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weltweit waren es 12,5 Millionen, ebenfalls ein Rekord mit plus 20 Prozent. Gleichzeitig wurde in Europa erstmals die Marke von einer Million öffentlicher Ladepunkte überschritten. Die globale Dynamik ist ungebrochen.

Die Schweizer Zahlen

Auch in der Schweiz wurden Rekorde erzielt: Mit über 52.000 neu zugelassenen Elektroautos lag der BEV-Anteil bei 22,9 Prozent. Das ist der höchste je gemessene Wert. Gleichzeitig nimmt die Schweiz bei elektrischen Lastwagen europaweit eine Spitzenposition ein: Mit einem Marktanteil von knapp 21 Prozent bei E-LKW liegt sie vor Dänemark und Schweden.

Dennoch bleibt die Schweiz im Vergleich mit den führenden europäischen Ländern in der Gruppe der «Zögerer». Der Punkt ist weniger, dass die Schweiz nicht wächst, sondern dass sie langsamer wächst als die Spitzengruppe, und das, obwohl sie über eines der besten öffentlichen Ladenetze Europas verfügt und einen hohen Anteil erneuerbarer Energien hat.

Warum die Schweiz zurückfällt

Ein zentraler Grund sind regulatorische Benachteiligungen, die Swiss eMobility bereits Ende 2025 bemängelte und deren Behebung für 2026 erwartet wurde. Per Mitte 2026 sind mehrere davon aber noch offen: Der steuerliche Nachteil für Elektro-Dienstwagen, bei denen die Besteuerung nur die Anschaffungskosten berücksichtigt, ist nicht behoben. Ein Recht auf Laden in Mietverhältnissen und Stockwerkeigentum fehlt weiterhin. Auch bei der Auflastung von 3,5 auf 4,25 Tonnen bestehen regulatorische Nachteile für elektrische Lieferwagen, die noch nicht korrigiert sind.

Swiss eMobility fordert klarere Rahmenbedingungen für den Ausbau der Ladeinfrastruktur, insbesondere in Mehrfamilienhäusern und Tiefgaragen, wo rechtliche und technische Hürden den Einbau von Ladepunkten erschweren. Auch die Sektorkopplung, das Zusammenspiel von Elektrofahrzeugen, Photovoltaik und intelligentem Lademanagement, wird als wichtiges Zukunftsthema benannt.

Technologie schreitet voran

Das Faktenblatt hält fest: Elektroautos verursachen über den gesamten Lebenszyklus rund 73 Prozent weniger Emissionen als Verbrenner, ein Vorteil, der mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien weiter zunimmt. Die Batterietechnologie entwickelt sich rasant weiter, und bidirektionales Laden eröffnet neue Potenziale für das Energiesystem. Vehicle-to-Home und Vehicle-to-Grid bleiben vorerst Nischentechnologien, gewinnen aber an Bedeutung.

DACH-Vergleich

In Deutschland brach der Elektrofahrzeugmarkt 2024 nach dem abrupten Ende der Kaufprämie Ende 2023 spürbar ein. 2025 deutet sich eine Erholung an, nicht zuletzt weil günstigere Modelle aus europäischer und chinesischer Produktion den Markt bereichern. Österreich verzeichnet ein stabileres Wachstum, gestützt durch Förderungen auf Bundes- und Landesebene. Die Schweiz liegt in der Mitte: kein Einbruch, aber auch kein Durchbruch.

Was das für Eigenheimbesitzer bedeutet

Wer heute baut oder renoviert, sollte die Elektromobilität von Anfang an einplanen. Die Nachrüstung einer Ladeinfrastruktur ist möglich, aber in der Regel teurer als eine vorausschauende Installation.

Sinnvolle Massnahmen: Ein dreiphasiger Elektroanschluss mit ausreichender Absicherung als Grundlage, eine Wallbox mit mindestens 11 kW Ladeleistung mit Lademanagementsystem, idealerweise kombiniert mit einer Photovoltaikanlage für maximalen Eigenverbrauch. Wer kantonal oder kommunal verfügbare Förderangebote nutzen möchte, sollte diese vor der Investition individuell abklären, da sie je nach Standort stark variieren.

Fazit

Das Faktenblatt 2026 zeigt: Die Elektromobilität wächst auch in der Schweiz, und in einzelnen Bereichen wie E-LKW sogar führend. Was fehlt, ist eine kohärente politische Rahmensetzung, die den Hochlauf bei Personenwagen beschleunigt und Lücken in der Ladeinfrastruktur schliesst. Die Voraussetzungen dafür sind vorhanden: sauberer Strom, gute Ladeinfrastruktur und eine technikaffine Bevölkerung.

Quellen: Swiss eMobility Faktenblatt 2026, ee-news.ch, windkraft-journal.de, aboutfleet.ch