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#38 [Journal] Published: 16.06.2026
Cover-Bild: Rechenzentren in der Schweiz: Was die neue BFE-Studie wirklich zeigt

Rechenzentren in der Schweiz: Was die neue BFE-Studie wirklich zeigt

Die neue BFE-Studie zeigt: Schweizer Rechenzentren verbrauchten 2024 rund 3,6 Prozent des Stroms. Das Wachstum bis 2030 ist moderater als oft befürchtet.

Das Bundesamt für Energie hat am 7. Mai 2026 eine neue Studie zum Stromverbrauch und den Effizienzpotenzialen von Rechenzentren in der Schweiz veröffentlicht, in Auftrag gegeben von EnergieSchweiz. Sie liefert die erste umfassende Aktualisierung seit der letzten Erhebung 2019 und zeigt ein differenzierteres Bild, als Schlagzeilen rund um KI und Stromverbrauch oft suggerieren.

Die Zahlen im Überblick

2024 verbrauchten Schweizer Rechenzentren rund 2,1 Terawattstunden Strom, das entspricht etwa 3,6 Prozent des gesamtschweizerischen Stromverbrauchs. Zum Vergleich: 2019 lag dieser Anteil bei rund 3,1 Prozent und 1,77 Terawattstunden, bei gleicher Systemgrenze. Der Verbrauch ist seither um knapp 20 Prozent gestiegen, das sind durchschnittlich 3,4 Prozent pro Jahr, ein moderates Wachstum, kein Sprung.

Wichtig für die Einordnung: Etwa 44 Prozent des Verbrauchs entfallen auf kommerzielle Rechenzentren wie Colocation-Anbieter und Hyperscaler-Standorte für Cloud-Anbieter. Die übrigen 56 Prozent entfallen auf unternehmensinterne Rechenzentren, deren Verbrauch teilweise sogar stagniert oder sinkt, weil Unternehmen ihre IT zunehmend in die Cloud oder an spezialisierte Anbieter auslagern.

Was die Studie für die Zukunft erwartet

Bis 2030 erwartet die Studie einen Anstieg auf 2,5 bis 3,2 Terawattstunden. Im sogenannten maximalen Szenario, also dem oberen Rand der Bandbreite, könnte der Verbrauch auf bis zu 3,5 Terawattstunden steigen, was rund 6 Prozent des 2024 verbrauchten Stroms entspräche. Der Verbrauch kommerzieller Rechenzentren könnte sich dabei mehr als verdoppeln, getrieben durch die fortschreitende Digitalisierung und die Ansiedlung weiterer grosser Cloud-Anbieter in der Schweiz.

Das verbleibende Energieeffizienzpotenzial schätzt die Studie auf rund 0,8 Terawattstunden, also fast 38 Prozent des heutigen Gesamtverbrauchs der Rechenzentren. Der Spielraum für Verbesserungen ist bei der IT-Ausstattung selbst etwas grösser als bei der Gebäudeinfrastruktur.

Eine wichtige Einschränkung: Wie verlässlich sind die Zahlen?

Die Non-Profit-Organisation AlgorithmWatch CH weist auf einen entscheidenden Punkt hin. Geschäftsleiterin Angela Müller kommentiert, dass der Bericht zwar wertvolle Erhebungen liefere, die grosse Diskrepanz zu vorab veröffentlichten Zahlen aber zeige, wie unsicher die Datenlage tatsächlich sei. Verlässliche Zahlen zum Stromverbrauch von Rechenzentren und künstlicher Intelligenz gebe es noch kaum. Selbst der Bericht des BFE räumt ein, dass viele Anbieter ihre Angaben verweigern und die Zahlen auf einer Stichprobe basieren.

Diese Unsicherheit ist relevant, weil sie zeigt: Aussagen über den künftigen Stromverbrauch von KI und Rechenzentren stehen auf einem dünneren Fundament, als viele Schlagzeilen vermuten lassen. Eine Forderung von AlgorithmWatch CH lautet deshalb, Anbieter zu verpflichten, ihren Energieverbrauch offenzulegen.

Die Branche selbst sieht sich bestätigt

Auf der anderen Seite zeigt sich die Swiss Data Center Association (SDCA), der Branchenverband, durch die Studie bestätigt. SDCA-Präsident Roger Süess kommentiert, die Studie zeige ein deutlich nüchterneres Bild, als viele Schlagzeilen vermuten liessen. Schweizer Rechenzentren stünden nicht für einen unkontrollierten Stromanstieg, sondern für eine professionelle digitale Infrastruktur, die effizient und mit Augenmass wachse.

Beide Perspektiven sind berechtigt: Die Zahlen zeigen ein moderateres Wachstum als oft befürchtet, gleichzeitig bleibt die Datenbasis lückenhaft, gerade was den spezifischen Energiebedarf von KI-Anwendungen betrifft.

Was Effizienzgewinne ermöglichen kann

Ein zentraler Indikator für die Effizienz eines Rechenzentrums ist der PUE-Wert (Power Usage Effectiveness), das Verhältnis von Gesamtenergieverbrauch zur tatsächlich genutzten IT-Energie. Ein PUE von 1,0 wäre theoretisch perfekt. Die konkreten Hebel zur Effizienzsteigerung, die in der Branche diskutiert werden, umfassen optimierte Kühlung durch Aussenluft oder Flüssigkeitskühlung direkt an den Servern, die Nutzung von Abwärme für Fernwärmenetze, Serverkonsolidierung und Virtualisierung sowie den Bezug von Strom aus Photovoltaik oder Wasserkraft über direkte Lieferverträge.

Das BFE kündigt an, den Verbrauch und die Effizienz von Rechenzentren in den kommenden Jahren verstärkt zu überwachen.

Was das für die Schweizer Energiewende bedeutet

Rechenzentren sind kein Randthema mehr in der Schweizer Energieplanung. Wer den Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und Speichern plant, muss den wachsenden, aber moderaten Mehrbedarf der digitalen Infrastruktur mitdenken. Gleichzeitig zeigt der Streit um die Datenqualität: Bevor verbindliche politische Massnahmen sinnvoll sind, braucht es zunächst bessere und transparentere Daten.

Quellen: admin.ch Medienmitteilung vom 7. Mai 2026, watson.ch, NZZ, Netzwoche, Computerworld, AlgorithmWatch CH