Diesel auf Rekordniveau: So viel günstiger fährst du mit Strom vom eigenen Dach
Diesel auf Rekordniveau, Strom wird 2027 günstiger: Was ein Kilometer mit E-Auto, Wallbox und PV-Anlage in der Schweiz kostet, mit Zahlen von TCS und ElCom.
Der Blick auf die Zapfsäule tut gerade weh. In der Schweiz kletterte der durchschnittliche Dieselpreis im September auf 2,41 Franken pro Liter und übertraf damit erstmals den bisherigen Rekord von 2,40 Franken aus dem Jahr 2022 (TCS, 18. September 2026). Kurz darauf wies die TCS-Preistabelle für die Schweiz sogar 2,46 Franken aus (TCS, zitiert nach Südostschweiz, September 2026). Auf der anderen Seite sinkt der Strompreis für einen typischen Schweizer Haushalt 2027 im Median auf 26,5 Rappen pro Kilowattstunde (ElCom, 8. September 2026).
Hier wird's spannend: Liter und Kilowattstunde laufen gerade in entgegengesetzte Richtungen. Wer ein Elektroauto zu Hause lädt, fährt schon mit Netzstrom deutlich günstiger. Wer Solarstrom vom eigenen Dach ins Auto bringt, drückt die Energiekosten pro Kilometer auf einen Bruchteil. Wir rechnen das mit Schweizer Zahlen durch, ordnen ein, wo die Rechnung an Grenzen stösst, und zeigen, worauf es bei Wallbox und Überschussladen technisch ankommt.
Diesel gegen Steckdose: Die Rechnung mit Schweizer Zahlen
Für einen fairen Vergleich nehmen wir die Werte, mit denen der TCS die Kilometerkosten 2026 berechnet: Das Elektro-Musterauto braucht 18 kWh pro 100 Kilometer bei einem Strompreis von 28 Rappen pro kWh, das Musterauto mit Verbrennungsmotor 5 Liter pro 100 Kilometer (TCS, Kilometerkosten 2026, Schweiz). Den Verbrauch von 5 Litern übernehmen wir für den Diesel. Das ist eine Annahme, die den Diesel eher nicht benachteiligt.
Mit dem Rekordpreis von 2,41 Franken kosten 100 Kilometer Diesel in der Schweiz 12,05 Franken, also rund 12 Rappen pro Kilometer. Das Elektroauto kommt mit 18 kWh zu 28 Rappen auf 5,04 Franken, also rund 5 Rappen pro Kilometer (eigene Berechnung auf Basis TCS, Schweiz). Das sind 58 Prozent weniger Energiekosten. Mit dem Median-Tarif 2027 von 26,5 Rappen sinkt der Wert auf 4,77 Franken pro 100 Kilometer (eigene Berechnung auf Basis ElCom und TCS, Schweiz).
Hochgerechnet auf die 15'000 Kilometer pro Jahr, die der TCS für sein Musterauto ansetzt (TCS, Kilometerkosten 2026, Schweiz), heisst das: 750 Liter Diesel für 1'807 Franken gegenüber 2'700 kWh Strom für 756 Franken. Die Differenz liegt bei gut 1'050 Franken pro Jahr (eigene Berechnung, Schweiz).
Ein Blick über die Grenze zeigt dasselbe Muster. In Deutschland kostete die Fahrt mit einem zu Hause geladenen E-Auto der Mittel- und Oberklasse 5,44 Euro pro 100 Kilometer, mit einem vergleichbaren Diesel 12,47 Euro. Das entspricht einem Vorteil von 56 Prozent (Verivox, Deutschland, 17. September 2026). Selbst mit Schnellladestrom zu 60 Cent pro kWh blieb das E-Auto in dieser Rechnung 18 Prozent günstiger als der Diesel (Verivox, Deutschland, September 2026, Ladetarife Stand März 2025). In Österreich lag Diesel im Wochenschnitt bei 2,20 Euro pro Liter (ADAC, Österreich, Stand 18. September 2026, zitiert nach Südostschweiz).
Der eigentliche Hebel: Solarstrom vom eigenen Dach
Jetzt kommt der Moment, wo's klick macht. Wer bereits eine PV-Anlage hat, muss sich fragen: Was kostet mich die Kilowattstunde, die ins Auto fliesst statt ins Netz? Die ehrliche Antwort ist die entgangene Rückliefervergütung. In der Schweiz richtet sich diese seit dem 1. Januar 2026 nach dem vierteljährlichen Referenz-Marktpreis des BFE, für PV-Anlagen unter 30 kW gilt eine Minimalvergütung von 6 Rappen pro kWh (Energieverordnung Art. 12 Abs. 1bis, Schweiz; Swissolar, Januar 2026). Wer stattdessen die Vollkosten der Anlage ansetzen will: Swissolar bezifferte die durchschnittlichen Kosten von Solarstrom aus Neuanlagen in der Schweiz auf 9 Rappen pro kWh, Stand Sommer 2023 (Swissolar, Faktenblatt Photovoltaik, Februar 2024). Je nach Anlagengrösse und Dach kann der Wert für dein Einfamilienhaus davon abweichen.
Setzt du diese beiden Werte ein, kostet das Laden mit eigenem Solarstrom in der Schweiz zwischen 1,08 und 1,62 Franken pro 100 Kilometer. Gegenüber dem Diesel zu 12,05 Franken sind das 87 bis 91 Prozent weniger Energiekosten (eigene Berechnung auf Basis TCS, Swissolar und EnV, Schweiz).
Klingt fast zu gut, und ganz so einfach ist es nicht. Das Auto steht werktags oft genau dann beim Arbeitsplatz, wenn die Sonne am stärksten scheint, und im Winter liefert die Anlage deutlich weniger. Realistischer ist ein Mix. Nehmen wir an, die Hälfte des Ladestroms kommt vom Dach und die andere Hälfte aus dem Netz: 1'350 kWh zu 6 Rappen und 1'350 kWh zu 28 Rappen ergeben 459 Franken pro Jahr, gegenüber 1'807 Franken für den Diesel (eigene Berechnung, Annahme 50 Prozent Solaranteil, Schweiz).
Auch die Mengen passen. Eine PV-Anlage in der Schweiz liefert je nach Standort, Ausrichtung und Neigung 850 bis 1'100 kWh pro installiertem kWp und Jahr (Swissolar, Merkblatt Photovoltaik Nr. 1). Eine 10-kWp-Anlage produziert damit 8'500 bis 11'000 kWh. Die 2'700 kWh für 15'000 Kilometer entsprechen also rund einem Viertel bis einem Drittel der Jahresproduktion (eigene Berechnung, Schweiz). Der grösste Teil des Solarstroms bleibt für den Haushalt verfügbar.
Wallbox und Überschussladen: Wo die Technik den Unterschied macht
Damit der Solarstrom tatsächlich im Auto landet, braucht es mehr als eine Steckdose an der Garagenwand. Der Knackpunkt ist der minimale Ladestrom. Nach der Ladenorm IEC 61851-1 startet ein Ladevorgang erst ab 6 Ampere pro Phase. Einphasig sind das rund 1,4 kW, dreiphasig rund 4,1 kW (eigene Berechnung: 6 A × 230 V bzw. 6 A × 400 V × √3). Eine Wallbox, die nur dreiphasig lädt, beginnt mit dem Überschussladen also erst, wenn die PV-Anlage mehr als 4 kW übrig hat. An bewölkten Tagen bleibt diese Schwelle schnell unerreicht, und der Überschuss fliesst ins Netz statt ins Auto.
Widerstand zwecklos: Die Lösung ist eine Wallbox mit automatischer Phasenumschaltung, die bei wenig Überschuss einphasig und bei viel Sonne dreiphasig lädt. Ebenso wichtig ist die Kommunikation zwischen Wallbox, Wechselrichter und Energiemanagement. Erst wenn die Wallbox weiss, wie viel Strom gerade ins Netz fliessen würde, kann sie die Ladeleistung laufend nachführen.
Typische Fehler aus dem Feld sind schnell aufgezählt: eine Wallbox ohne offene Schnittstelle, die später nicht mit dem Wechselrichter spricht, fehlendes Lastmanagement, sodass Wärmepumpe, Herd und Auto gleichzeitig am Hausanschluss ziehen, und eine Planung ohne Reserve für ein zweites Fahrzeug. Die Installation gehört in der Schweiz in die Hände einer Fachperson mit Bewilligung nach der Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV), und der Netzbetreiber wird über die Installationsanzeige einbezogen.
Was die Energiekosten nicht zeigen: Kaufpreis, Steuern und Förderung
Energie ist nur ein Teil der Rechnung. Der TCS beziffert die gesamten Kilometerkosten seines Musterautos mit einem Neupreis von 45'000 Franken und 15'000 Kilometern pro Jahr auf 74 Rappen pro Kilometer (TCS, Kilometerkosten 2026, Schweiz). Abschreibung, Versicherung und Unterhalt wiegen also schwerer als der Treibstoff. Die rund 7 Rappen Energieersparnis pro Kilometer mit Netzstrom sind real, entscheiden aber erst zusammen mit dem Kaufpreis über die Gesamtrechnung.
Bei den Steuern hat sich in der Schweiz einiges verschoben: Seit dem 1. Januar 2024 unterliegen auch Elektroautos der Automobilsteuer von 4 Prozent auf den Importwert (Bundesrat/BAZG, Schweiz). Die jährliche Motorfahrzeugsteuer legt jeder Kanton selbst fest, die Entlastung für E-Autos unterscheidet sich deshalb von Kanton zu Kanton. Beim Unterhalt fallen Ölwechsel und Abgasanlage weg, und die Rekuperation schont die Bremsen.
In Deutschland gibt es seit dem 19. Mai 2026 wieder eine Kaufprämie: Je nach Haushaltseinkommen und Kinderzahl zahlt das BAFA 3'000 bis 6'000 Euro für ein neues E-Auto, rückwirkend für Neuzulassungen ab dem 1. Januar 2026 (BAFA/Bundesumweltministerium, Deutschland, Mai 2026). In Österreich lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Programme von Bund und Ländern, da sich die Bedingungen laufend ändern.
Auch bei den Stromtarifen bewegt sich etwas. In der Schweiz führen zahlreiche Versorger 2027 zusätzliche Tarifmodelle ein, die auf PV-Anlagen, Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge reagieren (ElCom gemäss AWP, 8. September 2026). Wer zu Hause lädt, sollte das Tarifblatt seines Netzbetreibers für 2027 genau anschauen.
Wie schnell sich ein Automarkt drehen kann, zeigt Norwegen: Dort waren 2025 95,9 Prozent aller neu zugelassenen Personenwagen reine Elektroautos (OFV, Norwegen, Januar 2026). Der norwegische Strassenverkehrsverband führt das auf eine langfristige, steuerlich klar ausgerichtete Elektroauto-Politik zurück.
Fazit: So gehst du's an
Drei Erkenntnisse bleiben hängen. Erstens liegt das E-Auto bei den Energiekosten in der Schweiz klar vorne: rund 5 statt 12 Rappen pro Kilometer mit Netzstrom, rund 1 bis 1,6 Rappen mit eigenem Solarstrom. Zweitens entscheidet nicht die Theorie, sondern der Solaranteil beim Laden. Eine Wallbox mit Phasenumschaltung und Anbindung an den Wechselrichter holt deutlich mehr aus dem Dach. Drittens gehört der Kaufpreis in die Rechnung: Bei 74 Rappen Gesamtkosten pro Kilometer ist Energie ein wichtiger, aber nicht der einzige Hebel.
So gehst du's an: Prüfe zuerst, wann dein Auto tagsüber zu Hause steht. Hol für PV-Anlage und Wallbox Offerten ein, die Überschussladen und Lastmanagement ausdrücklich enthalten. Schau dir die Rückliefer- und Bezugstarife deines Netzbetreibers für 2027 an. Und rechne beim nächsten Autokauf die Gesamtkosten, nicht nur den Listenpreis. Volle Ladung, tiefe Kosten, weniger CO2: Mehr will man nicht.
Quellen: TCS, Medienmitteilung «Diesel erreicht in der Schweiz mit 2.41 Franken ein Allzeithoch», 18. September 2026; TCS, Medienmitteilung «Kilometerkosten sinken im Jahr 2026 um zwei Rappen», 6. Januar 2026; Südostschweiz, «Diesel-Rekord in der Schweiz», September 2026; ElCom, Medienmitteilung «Leicht sinkende Strompreise 2027», 8. September 2026; AWP/cash.ch, «Strompreise sinken nächstes Jahr auf hohem Niveau leicht», 8. September 2026; Verivox, Pressemitteilung Antriebskosten E-Auto vs. Verbrenner, 17. September 2026; ADAC, Kraftstoffpreise Österreich, Stand 18. September 2026; Energieverordnung (EnV), Art. 12 Abs. 1bis, in Kraft seit 1. Januar 2026; Swissolar, Neuregelungen für Photovoltaik-Anlagen 2026, Januar 2026; Swissolar, Faktenblatt Photovoltaik, Februar 2024; Swissolar, Merkblatt Photovoltaik Nr. 1; Bundesrat/BAZG, Aufhebung der Befreiung der Elektroautomobile von der Automobilsteuer per 1. Januar 2024, November 2023; BAFA/Bundesumweltministerium, E-Auto-Förderung, Mai 2026; OFV (Opplysningsrådet for veitrafikken), Neuzulassungen 2025, Januar 2026; IEC 61851-1, Konduktive Ladesysteme für Elektrofahrzeuge.