Öffentlich laden in der DACH-Region: Was die Kilowattstunde kostet und was Joya ändert
Gleiche Säule, anderer Preis: Wir vergleichen Ladepreise in CH, DE und AT, rechnen Abos durch und zeigen, was Joya für E-Autofahrer in der Schweiz bedeutet.
Du steckst den Stecker ein, hältst die Karte ans Lesegerät, und der Preis pro Kilowattstunde hängt am Ende weniger von der Säule ab als von der Karte in deiner Hand. Wie gross dieser Effekt ist, macht in Österreich der ÖAMTC offen sichtbar: Mit der ePower-Karte kostet AC-Laden im eigenen ÖAMTC-Netz 0,44 Euro pro kWh, im österreichischen Partnernetz 0,54 Euro und an Partnersäulen im Ausland 0,64 Euro (ÖAMTC, ePower-Tarife 2026). In der Schweiz hält die neue Ladeanbieterin Joya ausdrücklich fest, dass an derselben Säule unterschiedliche Preise gelten können, weil fremde Kartenanbieter ihren Preis selbst festlegen (Joya, Hilfe-Center, Oktober 2026). Der TÜV-Verband rät deshalb, den Tarifpreis vor dem Start eindeutig dem gewählten Ladepunkt zuzuordnen und nach dem Laden Energiemenge, Ladedauer und Zusatzkosten mit den angezeigten Bedingungen abzugleichen. Dieser Beitrag vergleicht die Preisniveaus in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich, stellt Joya vor und zeigt, mit welcher Rechnung du deinen Tarif auswählst.
Wer an der Ladesäule mitverdient: CPO, MSP und Roaming
Beim öffentlichen Laden sind in allen drei DACH-Ländern zwei Akteure im Spiel: der Charge Point Operator (CPO), der die Säule betreibt, und der Mobility Service Provider (MSP), der dir Karte oder App und die Abrechnung liefert. Die Säule gehört also oft nicht dem Unternehmen, dessen Karte du nutzt. Roaming-Plattformen wie Hubject oder GIREVE verbinden die Netze. Der CPO verrechnet dem MSP einen Preis, und der MSP kalkuliert darauf seinen Endkundenpreis. Dieselbe Säule kann deshalb je nach Karte deutlich unterschiedlich kosten.
In Deutschland lässt sich das am Beispiel der EnBW beziffern. Im Ladetarif S ohne Grundgebühr kostet die Kilowattstunde an EnBW-Säulen 0,56 Euro (EnBW, Juli 2026), an Säulen anderer Betreiber je nach Betreiber zwischen 0,56 und 0,89 Euro (electrive.net, November 2025). Bei einer Ladung von 40 kWh, die hier als Rechenbeispiel dient, liegen zwischen dem günstigsten und dem teuersten Fall 13,20 Euro. In der Schweiz hat Energie 360° die Roaminggebühren innerhalb des eigenen Verbunds bereits seit November 2025 abgeschafft (Automobil Revue, Oktober 2026). Für Kundinnen und Kunden von Gofast, Swisscharge und Move ist damit der Aufschlag innerhalb dieses Netzes weggefallen.
Preistransparenz: EU-Recht in Deutschland und Österreich, PBV in der Schweiz
In Deutschland und Österreich gilt seit dem 13. April 2024 unmittelbar die EU-Verordnung über die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe, kurz AFIR (Bundesrat, Drucksache 600/24, Dezember 2024). Sie verlangt, dass du an öffentlich zugänglichen Ladepunkten auch ohne Vertrag laden und bezahlen kannst. Ein Kartenterminal ist allerdings nur an neu errichteten DC-Ladesäulen ab 50 kW Pflicht, bei geringerer Leistung bleiben andere sichere Zahlungswege wie QR-Codes zulässig (electrive.net, April 2024). An Ladestationen ab 50 kW muss der Ad-hoc-Preis an der Station selbst sichtbar sein, ein blosser Hinweis auf eine App genügt nicht (electrive.net, April 2024). Zudem müssen MSP ihre Preise vor dem Ladevorgang elektronisch verfügbar machen und dabei alle Preisbestandteile inklusive Roamingkosten getrennt ausweisen.
Österreich geht bei der Transparenz einen Schritt weiter: Betreiber müssen ihre Ad-hoc-Preise ins Ladestellenverzeichnis der E-Control melden. Im Jänner 2026 lagen für 36.629 der 36.991 österreichischen Ladepunkte, also 99 Prozent, gemeldete Ad-hoc-Preise vor (E-Control, Februar 2026).
Die Schweiz ist nicht an die AFIR gebunden. Hier gilt die Preisbekanntgabeverordnung (PBV): Der Grundpreis ist in Franken pro Masseinheit wie kWh oder Minute anzugeben, inklusive MWST und anderer nicht frei wählbarer Zuschläge. Erhebt ein Anbieter eine Zugangsgebühr pro Ladung oder einen Pauschalpreis, muss er den tatsächlich zu bezahlenden Betrag als Detailpreis bekanntgeben (SECO, Informationsblatt «Preisbekanntgabe bei Elektro-Ladestationen»). Eine Startgebühr ist in der Schweiz also zulässig, darf aber nicht versteckt sein.
Was eine Kilowattstunde kostet: Die drei Länder im Vergleich
Ein direkter Ländervergleich ist schwieriger, als er aussieht, weil die verfügbaren Daten unterschiedlich erhoben werden. Für Österreich gibt es amtliche Werte: Der Median der gemeldeten Ad-hoc-Preise, also ohne Vertrag, lag im Jänner 2026 bei 64 Cent pro kWh, an AC-Ladepunkten bei 57 Cent, an DC-Ladepunkten bei 70 Cent und an Ultraschnellladern ab 150 kW bei 75 Cent (E-Control, Ladestellenverzeichnis, Preismeldungen Jänner 2026). Mit Ladekarte geht es günstiger: Der ÖAMTC verlangt im eigenen Netz 0,44 Euro für AC, 0,54 Euro für DC bis 149 kW und 0,64 Euro für HPC ab 150 kW (ÖAMTC, 2026), ohne Grundgebühr und ohne Clubmitgliedschaft.
Für Deutschland liefert der Ladesäulencheck, den Statista im Auftrag des Energieversorgers LichtBlick erstellt hat, die jüngsten Durchschnittswerte: 0,52 Euro pro kWh an AC-Ladepunkten und 0,60 Euro an DC-Schnellladern (LichtBlick, Juni 2025). Ausgewertet wurden die Tarife führender Betreiber. Einzuordnen ist dabei, dass LichtBlick selbst Fahrstrom verkauft und mit der Studie für ein anderes Marktmodell, das sogenannte Durchleitungsmodell, wirbt.
Für die Schweiz liegt keine vergleichbare amtliche Preisauswertung vor, die Orientierung läuft über die Preislisten der Anbieter. Mit einem Swisscharge-Konto kostet das Laden im bisherigen Move-Netz, das nun zu Joya gehört, 0,57 Franken pro kWh an AC-Säulen und 0,69 Franken pro kWh an DC-Säulen (Swisscharge, Ladepreise, Oktober 2026). Swisscharge selbst beziffert den üblichen Preis an öffentlichen AC-Stationen in der Schweiz auf 0,55 bis 0,85 Franken pro kWh (Swisscharge, 2026).
Rechne Franken und Euro dabei nicht einfach eins zu eins um, und vergleiche Durchschnittswerte über Vertragstarife nicht mit Ad-hoc-Medianen. Aussagekräftiger ist die Spanne innerhalb eines Landes: In Österreich liegt der AC-Preis im ÖAMTC-Netz 13 Cent unter dem Ad-hoc-Median für AC (Berechnung auf Basis von ÖAMTC und E-Control, 2026). Bei einem Fahrprofil mit viel öffentlichem Laden summiert sich das über ein Jahr zu einem spürbaren Betrag.
Grundgebühr oder nicht: Die Break-even-Rechnung
Ob sich ein Tarif mit Grundgebühr lohnt, entscheidet eine einfache Formel: Grundgebühr geteilt durch die Ersparnis pro kWh ergibt die monatliche Lademenge, ab der sich das Abo rechnet. In Deutschland zeigt die EnBW das exemplarisch. Tarif M kostet 5,99 Euro Grundgebühr pro Monat und 0,46 Euro pro kWh an EnBW-Säulen, Tarif L 11,99 Euro pro Monat und 0,39 Euro pro kWh (electrive.net, November 2025), Tarif S ohne Grundgebühr 0,56 Euro (EnBW, Juli 2026). Gegenüber S sparst du in M also 10 Cent pro kWh, der Break-even liegt bei 60 kWh im Monat. In L sparst du 17 Cent pro kWh, die Schwelle liegt bei rund 71 kWh. Diese Rechnung gilt allerdings nur, wenn du fast ausschliesslich an EnBW-Säulen lädst, denn an Fremdsäulen bewegt sich die Preisspanne in allen drei Tarifen nahezu gleich (electrive.net, November 2025).
Dieselbe Logik gilt für die Frage Ad-hoc oder Karte. In Österreich kostet Direct Payment ohne Registrierung beim ÖAMTC 0,49 Euro für AC, 0,59 Euro für DC bis 149 kW und 0,69 Euro für HPC (ÖAMTC, 2026), jeweils 5 Cent mehr als mit Karte im eigenen Netz. In der Schweiz hält Joya fest, dass du mit der eigenen App oder Ladekarte am günstigsten lädst (Joya, Oktober 2026). Herstellertarife und Netzmitgliedschaften, etwa bei Ionity, Tesla oder Fastned, können spürbar sparen, gelten aber meist nur im jeweiligen Netz. Prüfe deshalb, ob deine typischen Routen tatsächlich durch dieses Netz führen.
Zusatzgebühren: Blockierzeit, Zeittarife und Startgebühr
Der kWh-Preis ist nur ein Teil der Rechnung. Am häufigsten unterschätzt wird die Blockiergebühr. In Österreich berechnet der ÖAMTC im eigenen Netz ein Belegungsentgelt von 0,10 Euro pro Minute ab der 240. Minute an AC-Säulen und ab der 120. Minute an DC-Säulen (ÖAMTC, 2026). In der Schweiz zahlst du mit Swisscharge an DC-Säulen von Move und Gofast zusätzlich 0,25 Franken pro Minute ab der 61. Minute (Swisscharge, Oktober 2026). Bleibt dein Auto dort 20 Minuten über diese Grenze hinaus stehen, kommen 5 Franken dazu. Joya weist darauf hin, dass je nach Standort nach einer gewissen Standzeit eine Blockiergebühr anfällt, beim Schnellladen zum Beispiel nach 60 Minuten (Joya, Oktober 2026).
Zeitbasierte Tarife benachteiligen Fahrzeuge mit geringer Ladeleistung: Lädt dein Auto nur mit halber Leistung, zahlst du bei Minutenpreisen für dieselbe Energiemenge die doppelte Zeit. Startgebühren sind in allen drei Ländern möglich, müssen aber offen ausgewiesen werden, in Deutschland und Österreich nach AFIR, in der Schweiz nach PBV. Besonders teuer wird es, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: ein Roaming-Preis an einer Fremdsäule und dazu eine Standzeit über die Blockiergrenze hinaus.
Joya: Die neue Nummer eins im Schweizer Lademarkt
Seit dem 1. Oktober 2026 bündelt Energie 360° ihre Ladeangebote unter der Marke Joya: Energie 360° Mobilität, Gofast, Swisscharge und Move Mobility treten gemeinsam auf (Energie 360°, Oktober 2026). Joya ist eine hundertprozentige Tochter von Energie 360°, die wiederum zu 96 Prozent der Stadt Zürich gehört (Bote der Urschweiz, Oktober 2026). Das Unternehmen zählt mehr als 25.000 öffentliche und private Ladepunkte in der Schweiz, davon über 7.500 öffentliche an mehr als 1.000 Standorten. 2.200 davon bilden das eigene Joya-Netz mit über 1.100 DC-Ladepunkten, 5.300 betreibt Joya im Auftrag von Partnern (Joya, Oktober 2026), etwa für Coop (electrive.net, Oktober 2026). Dazu kommen nach Unternehmensangaben über 150.000 aktive Nutzerinnen und Nutzer und geplante Investitionen von rund 150 Millionen Franken bis 2030 (Energie 360°, Oktober 2026).
Für dich als Fahrerin oder Fahrer heisst das: Das Joya-Konto ist kostenlos und ohne Grundgebühr, bezahlt wird per Kreditkarte oder Twint. Bestehende Angebote von Gofast, Swisscharge und Move funktionieren vorerst unverändert weiter, einzelne Ladetarife in Franken pro kWh können sich aber anpassen (Joya, Oktober 2026). Die drei Abos free, plus und max sind angekündigt, aber noch nicht buchbar, und auch die App ist erst «demnächst» verfügbar (Joya, Stand 20. Oktober 2026). Einen einheitlichen Joya-Preis gibt es nicht, die Preise variieren weiterhin je nach Ladepunkt und Tarif (Automobil Revue, Oktober 2026). Das gilt besonders für die Partnerstandorte.
Der Zusammenschluss bleibt nicht unumstritten. Konkurrenten wie Migrol und Electra warnen, dass Joya dank der öffentlichen Eigentümerin strukturelle Vorteile im Wettbewerb geniessen könnte (Bote der Urschweiz, Oktober 2026). Joya selbst begründet den Schritt mit dem Ziel, Laden einfacher zu machen: eine App, eine Karte, transparente Preise. Ob das gelingt, zeigt sich, sobald die Abopreise veröffentlicht sind. Dann lohnt sich die Break-even-Rechnung von oben auch für Joya.
Über die Grenze: Roaming im Ausland
Gerade im Grenzgebiet lohnt sich ein Blick auf die Gültigkeit deiner Karte im Ausland. Mit der ÖAMTC-Karte zahlst du an Partnersäulen im Ausland 0,20 Euro pro kWh mehr als im eigenen Netz (ÖAMTC, 2026). Eine Schweizer Karte kann in Deutschland oder Österreich ebenfalls deutlich teurer sein, und umgekehrt. Prüfe vor der Reise, ob dein Tarif Auslandsroaming enthält und zu welchem Preis, und denke an mögliche Fremdwährungsgebühren deiner Kreditkarte, wenn du ad hoc bezahlst.
Fazit: So gehst du's an
Drei Punkte entscheiden über deine Ladekosten. Erstens dein Ladeprofil: Wie viel lädst du öffentlich, wo und wie schnell? Wer selten öffentlich lädt, fährt mit einem Tarif ohne Grundgebühr meist besser, wer täglich dieselbe Strecke pendelt, mit der Karte des dort dominanten Betreibers. Zweitens die Break-even-Rechnung: Grundgebühr geteilt durch die Ersparnis pro kWh zeigt dir in Sekunden, ob ein Abo zu deinem Verbrauch passt. Drittens die Zusatzgebühren: Prüfe vor jedem Start in der App den Endpreis für deinen Tarif inklusive Blockiergrenze und vergleiche ihn mit dem Ad-hoc-Preis an der Säule.
In der Schweiz kommt mit Joya ein neuer Faktor dazu. Wenn du bisher bei Gofast, Swisscharge oder Move geladen hast, behalte deine Karte vorerst und rechne nach, sobald die Abopreise feststehen. Vergleiche danach mindestens zwei bis drei Anbieter anhand ihrer vollständigen Preisliste: kWh-Preis für AC und DC, Startgebühr, Blockiergebühr und monatliche Fixkosten.
Quellen: E-Control, «Wie lädt Österreich? Ladestellenverzeichnis-Update», 25.02.2026; energiemagazin.at, «Ladetarife in Österreich: Warum dieselbe Ladesäule das Zweieinhalbfache kosten kann», 2026; ÖAMTC, «ÖAMTC ePower: Ladetarife», 2026; etankstellen.at, «Ladekarten im Vergleich», 2026; LichtBlick, «Ladesäulencheck 2025», 19.06.2025; EnBW, «Sommer-Preisaktion Laden», Juli 2026; electrive.net, «EnBW senkt Ladepreise leicht zum 1. Dezember», 05.11.2025; Bundesrat, Drucksache 600/24, «Verordnung zur Neuordnung des Ladesäulenrechts», Dezember 2024; electrive.net, «AFIR: Statische QR-Codes an Ladesäulen bleiben als Zahlungsoption erlaubt», 15.04.2024; electrive.com, «The European Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR) comes into force», 13.04.2024; SECO, «Preisbekanntgabe bei Elektro-Ladestationen», Informationsblatt; Swisscharge, «Ladepreise», abgerufen am 20.10.2026; Swisscharge, «Was kostet das Laden eines Elektroautos wirklich?», 2026; Energie 360°, «Joya: Neue Nummer 1 im Schweizer E-Mobilitätsmarkt», 01.10.2026; Joya, «Angebot» und «Hilfe», abgerufen am 20.10.2026; electrive.net, «Joya: Neuer Schweizer CPO ersetzt vier Ladeanbieter-Marken», 01.10.2026; Automobil Revue, «Aus vier Anbietern wird einer: Joya bringt Ordnung ins Schweizer Ladenetz», 01.10.2026; Bote der Urschweiz, «25'000 Ladepunkte und 150 Millionen Investitionen: Zürichs Joya sorgt für Kritik», Oktober 2026; WEB.DE Magazin (dpa), «Auto unterwegs laden: Tarif-Wirrwarr entwirren», 2026.