#67 [Journal] Published: 25.09.2026
Cover-Bild: PV-Anlage mit Batteriespeicher: So schliesst du die Lücke zwischen Mittag und Abend

PV-Anlage mit Batteriespeicher: So schliesst du die Lücke zwischen Mittag und Abend

Seit 2026 lohnt sich Eigenverbrauch mehr denn je. Wie ein Batteriespeicher die Lücke zwischen Mittag und Abend schliesst, mit Beispielrechnung für die Schweiz.

Die Sonne knallt den ganzen Tag aufs Dach, der Wechselrichter läuft am Anschlag, und trotzdem kommt der Strom fürs Abendessen aus dem Netz. Dieses Paradox kennt jeder, der eine PV-Anlage ohne Speicher betreibt. Immer mehr Schweizer Haushalte lösen es mit einer Batterie im Keller: 2025 waren in der Schweiz bereits rund 1500 MWh Speicherkapazität hinter dem Netzanschluss installiert (Swissolar, Batteriemonitor Schweiz 2026). Der Grund ist einfach: Seit Anfang 2026 bringt eingespeister Solarstrom deutlich weniger als früher, während Netzstrom teuer bleibt. Hier erfährst du, wie ein Heimspeicher die Lücke schliesst, wie du ihn richtig dimensionierst und unter welchen Bedingungen sich die Rechnung lohnt.

Warum die PV-Anlage allein nicht reicht

Die Produktion folgt der Sonne, nicht deinem Tagesablauf. Kaffeemaschine am Morgen, Kochherd und Waschmaschine am Abend, Wärmepumpe in der Nacht: Genau dann liefert die Anlage wenig oder gar nichts. Ohne weitere Massnahmen nutzt ein Einfamilienhaus in der Schweiz übers Jahr gerechnet rund 30 Prozent seines Solarstroms selbst (EnergieSchweiz, Juni 2025). Der Rest fliesst ins Netz.

Hier wird's spannend, denn die Spielregeln für diesen Überschuss haben sich geändert. Seit dem 1. Januar 2026 richtet sich die Rückliefervergütung in der Schweiz nach dem vierteljährlich gemittelten Referenzmarktpreis, den das Bundesamt für Energie berechnet. Für Anlagen bis 30 kW gilt eine Minimalvergütung von 6 Rappen pro kWh (Swissolar, Januar 2026). Im ersten Quartal 2026 lag der Referenzmarktpreis in der Schweiz bei 10,266 Rappen pro kWh (BFE, publiziert durch ESB Energie Service Biel, 2026). Im Sommer, wenn alle Anlagen gleichzeitig produzieren, fällt er tiefer, und genau dann greift die Untergrenze.

Auf der anderen Seite steht der Netzbezug. Ein typischer Schweizer Haushalt zahlt 2026 im Median 27,7 Rappen pro kWh (ElCom, September 2025). Für 2027 sinkt der Median in der Schweiz auf 26,5 Rappen pro kWh (ElCom, September 2026). Jede Kilowattstunde, die du selbst verbrauchst statt einspeist, ist im ungünstigsten Fall also rund 20 Rappen mehr wert.

Und es geht weiter: Das Parlament beschloss in der Herbstsession 2025, dass sich die Vergütung in der Schweiz ab Anfang 2027 (Übergangsfrist bis Anfang 2028) am stündlichen Spotmarktpreis orientieren wird. Laut Swissolar schafft das einen starken Anreiz, Strom in Zeiten tiefer Preise zu speichern oder direkt zu verbrauchen (Swissolar, Januar 2026).

Wie der Heimspeicher die Lücke schliesst

Das Prinzip ist simpel: Der Mittagsüberschuss geht in die Batterie statt ins Netz, am Abend und in der Nacht entlädt sie sich und deckt den Verbrauch im Haus. Mit einer Hausbatterie lässt sich der Eigenverbrauch in einem Schweizer Einfamilienhaus auf bis zu 70 Prozent steigern (EnergieSchweiz, Juni 2025).

Bei der Zellchemie setzen Heimspeicher heute meist auf Lithium-Eisenphosphat (LFP). Die Technik gilt als thermisch stabil und zyklenfest. Wie viele Zyklen ein konkretes Produkt schafft, steht im Datenblatt, und genau dort lohnt sich ein zweiter Blick. Pylontech gibt für sein Modul US3000 über 4500 Lade- und Entladezyklen bei 90 Prozent Entladetiefe an (Herstellerangabe Pylontech, Datenblatt US3000). Solche Werte gelten immer unter bestimmten Bedingungen. Vergleiche deshalb nicht nur die Zyklenzahl, sondern auch die Garantiedauer in Jahren und die garantierte Restkapazität am Ende der Garantie.

Aus der Praxis ein paar Punkte, die gerne vergessen gehen: Prüfe früh, ob Speicher und bestehender Wechselrichter zusammenpassen. Bei Nachrüstungen ist ein AC-gekoppelter Speicher oft einfacher, bei Neuanlagen spart ein Hybridwechselrichter mit DC-Kopplung Wandlungsverluste. Plane den Aufstellort kühl und trocken, denn Hitze beschleunigt die Alterung. Und verlass dich nicht darauf, dass der Speicher bei einem Stromausfall automatisch das Haus versorgt: Eine Notstrom- oder Ersatzstromfunktion muss ausdrücklich geplant und installiert werden.

Wie du den Speicher richtig dimensionierst

Die richtige Grösse ist der Punkt, an dem sich die Wirtschaftlichkeit entscheidet. Ein zu kleiner Speicher ist mittags schnell voll, ein zu grosser wird selten ganz geladen und kostet Geld, ohne zu arbeiten. EnergieSchweiz nennt als Faustregel für die Schweiz eine Kilowattstunde Speicherkapazität pro installiertem Kilowatt PV-Leistung (EnergieSchweiz, Juni 2025). Eine 10-kWp-Anlage landet damit bei rund 10 kWh Speicher.

Die Faustregel ist ein Startpunkt, keine Auslegung. Entscheidend ist dein Lastprofil: Wie viel Strom brauchst du zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang? Ein Speicher, der den Abend- und Nachtbedarf abdeckt, wird fast jeden Sommertag voll durchgezogen. Alles darüber hinaus bleibt im Winter ungenutzt. Ost-West-Anlagen verteilen die Produktion gleichmässiger über den Tag und entlasten den Speicher. Wer eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto plant, rechnet diese Lasten von Anfang an ein oder wählt ein modulares System, das sich erweitern lässt.

Ein neuer Faktor seit 2026 ist die Einspeisebegrenzung. In der Schweiz dürfen Verteilnetzbetreiber seit dem 1. Januar 2026 ohne Vergütung bis zu 3 Prozent der jährlich erzeugten Energie am Anschlusspunkt abregeln (Swissolar, Januar 2026). Viele setzen das als fixe Begrenzung auf 70 Prozent der Modulleistung um, etwa ESB für Anlagen mit Anschlussgesuch ab dem 1. Januar 2026 (ESB Energie Service Biel, 2026). Laut Swissolar führt eine 70-Prozent-Limitierung zu einem Ertragsverlust von weniger als 3 Prozent, und der nicht eingespeiste Strom lässt sich selbst verbrauchen oder speichern (Swissolar, Januar 2026). Der Speicher fängt also genau die Mittagsspitze auf, die das Netz nicht mehr nehmen will.

Was der Speicher kostet und wann er sich rechnet

Die Preise sind in Bewegung. Ein 15-kWh-Speicher wurde in der Schweiz 2025 für durchschnittlich rund 8800 Franken installiert (Swissolar, Batteriemonitor Schweiz 2026). Ob sich das lohnt, hängt an einer einzigen Grösse: wie viele Kilowattstunden der Speicher pro Jahr vom Mittag in den Abend verschiebt.

Dazu eine vereinfachte Beispielrechnung von energie-atlas.ch. Die Differenz zwischen dem Schweizer Median-Strompreis 2027 von 26,5 Rappen (ElCom, September 2026) und der Minimalvergütung von 6 Rappen (Swissolar, Januar 2026) beträgt 20,5 Rappen pro verschobener kWh. Soll sich der Speicher für 8800 Franken in 15 Jahren amortisieren, muss er jährlich rund 587 Franken einsparen. Geteilt durch 20,5 Rappen ergibt das rund 2860 kWh, die der Speicher pro Jahr ins Haus liefern muss. Bei 15 kWh Kapazität sind das rund 190 volle Zyklen pro Jahr. Nicht eingerechnet sind Wirkungsgradverluste, die Alterung der Zellen und Kapitalkosten. Liegt der Referenzmarktpreis über der Minimalvergütung, schrumpft die Differenz zusätzlich.

Wie stark der Wohnort mitspielt, zeigt der Vergleich der Tarife 2027 in der Schweiz: In Chur zahlt ein typischer Haushalt 28,55 Rappen pro kWh, in Rongellen GR nur 10,56 Rappen (ElCom-Daten, publiziert durch Südostschweiz, September 2026). In Rongellen bliebe gegenüber der Minimalvergütung eine Differenz von 4,56 Rappen. Der Speicher aus der Beispielrechnung würde dort mit denselben 2860 kWh nur rund 130 Franken pro Jahr einsparen. Deshalb gilt: erst den eigenen Tarif prüfen, dann rechnen.

Bei der Förderung lohnt sich ein genauer Blick. Die Einmalvergütung des Bundes für die PV-Anlage läuft über Pronovo, die Vergütungssätze wurden 2026 nicht gesenkt (Swissolar, Januar 2026). Für den Speicher selbst sind lokale Programme entscheidend. Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich ewz unterstützt seit dem 1. August 2026 stationäre Batteriespeicher in Kombination mit einer erneuerbaren Erzeugungsanlage in seinem Versorgungsgebiet (ewz, 2026). Die Gemeinde Rüti ZH förderte seit 2023 insgesamt 141 Batterien mit rund 2100 kWh Kapazität (Gemeinde Rüti, Förderreglement, Juni 2026). Frag also bei deiner Gemeinde und deinem Netzbetreiber nach, bevor du bestellst, denn viele Programme verlangen das Gesuch vor Baubeginn.

Smart statt nur gross: Energiemanagement und Netzdienlichkeit

Ein moderner Heimspeicher ist mehr als ein Puffer. Über ein Energiemanagementsystem (EMS) lässt er sich mit Wärmepumpe, Wallbox und Boiler vernetzen. Das System entscheidet dann, ob der Überschuss in die Batterie fliesst, das Auto lädt oder den Warmwasserspeicher aufheizt. Oft ist die günstigste Kilowattstunde Speicher die, die du gar nicht kaufen musst, weil der Boiler oder das Auto die Mittagsspitze schon aufnimmt.

Dynamische Stromtarife, die sich stündlich am Markt orientieren, würden das Potenzial weiter vergrössern. In der Schweiz hatte für 2026 allerdings noch kein Netzbetreiber einen dynamischen Tarif als Standard festgelegt (ElCom, September 2025). Das Thema kommt aber: Der Swissolar-Batteriemonitor hält fest, dass Behind-the-meter-Speicher heute primär der Eigenverbrauchsoptimierung dienen und künftig durch neue Anreizsysteme vermehrt auch das Netz entlasten werden (Swissolar, Batteriemonitor Schweiz 2026).

Eine weitere Neuerung betrifft Speicher, die auch Netzstrom laden. Seit dem 1. Januar 2026 können Betreiber von Speichern mit Endverbrauch in der Schweiz die Rückerstattung des Netznutzungsentgelts beantragen, allerdings nur für Strom, der aus dem Netz bezogen, gespeichert und später wieder eingespeist wird. Voraussetzung ist ein Messsystem, das diese Mengen eindeutig dokumentiert (Swissolar, Januar 2026). Für den typischen Einfamilienhaus-Speicher ist das heute noch ein Randthema, für künftige Geschäftsmodelle rund um Flexibilität aber ein wichtiger Baustein.

Fazit: So gehst du's an

Drei Punkte nimmst du aus diesem Artikel mit.
Erstens: Seit 2026 ist Eigenverbrauch in der Schweiz der wichtigste Hebel für die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage, weil zwischen Minimalvergütung und Netzstrompreis rund 20 Rappen pro kWh liegen. 
Zweitens: Ein Speicher rechnet sich nur, wenn er genug arbeitet. In der Beispielrechnung braucht es rund 190 volle Zyklen pro Jahr, damit ein 15-kWh-Speicher in 15 Jahren amortisiert ist.
Drittens: Grösse ist nicht alles, ein gutes Energiemanagement holt oft mehr heraus als zusätzliche Kilowattstunden.

So gehst du's an: Lies zuerst deine Monitoring-Daten aus und ermittle deinen Verbrauch zwischen Abend und Morgen. Prüfe den Stromtarif deiner Gemeinde auf der Strompreis-Webseite der ElCom. Dimensioniere den Speicher nach deinem Lastprofil und nimm die Faustregel von einer kWh pro kWp als Plausibilitätscheck. Kläre die Kompatibilität mit dem Wechselrichter, die Notstromfrage und die Garantiebedingungen. Und reiche Fördergesuche bei Gemeinde oder Netzbetreiber ein, bevor die Installation startet. Wer so vorgeht, merkt schnell: Gegen gut geplante Eigenverbrauchsoptimierung ist Widerstand zwecklos.

Quellen: ElCom, Medienmitteilung «Leicht sinkende Strompreise 2026», 9. September 2025; ElCom, Medienmitteilung «Leicht sinkende Strompreise 2027», 8. September 2026; Südostschweiz, «Strompreise 2027» (ElCom-Tarifdaten Graubünden), September 2026; Swissolar, «2026: Was gilt neu für Photovoltaikanlagen?», 9. Januar 2026; Swissolar, Batteriemonitor Schweiz 2026; EnergieSchweiz, «Batteriespeicher für zu Hause», Juni 2025; ESB Energie Service Biel, Solarstrom-Rücklieferung (Referenzmarktpreis Q1/2026 des BFE, Einspeiseregelung), 2026; ewz, Förderbeiträge, 2026; Gemeinde Rüti ZH, Förderreglement für Energie- und Klimamassnahmen, Juni 2026; Pylontech, Datenblatt US3000 (Herstellerangabe).