Wärmepumpe: 95 Prozent zufrieden, doch der Schweizer Markt stagniert
Fast alle Umsteiger sind mit ihrer Wärmepumpe zufrieden, trotzdem stagniert der Schweizer Markt. Wir rechnen Kosten und Förderung am Beispiel durch.
Hält die Wärmepumpe im Alltag, was sie verspricht? Eine neue Befragung liefert dazu eine klare Antwort: In Deutschland sind 94,9 Prozent der befragten Wärmepumpenbesitzer mit ihrer Anlage zufrieden oder sehr zufrieden, nur 1,2 Prozent sind unzufrieden (Öko-Institut, ifeu und co2online, Working Paper 9/2026, Oktober 2026). Gleichzeitig kommt der Markt in der Schweiz nicht vom Fleck: Nach über 43'000 verkauften Wärmepumpen im Rekordjahr 2023 (BFE, Tagung Wärmepumpenforschung, 2024) lag der Absatz in der Schweiz 2024 und 2025 bei rund 30'000 Einheiten pro Jahr (Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz FWS, publiziert im Heat Pumping Technologies Magazine, 2026). Hohe Wärmepumpen-Zufriedenheit, zögerliche Investitionsentscheide: Genau in dieser Lücke liegt die Business-Frage, und sie lässt sich an einem Schweizer Rechenbeispiel samt Förderung beantworten.
Was die Wärmepumpen-Zufriedenheit von 95 Prozent wirklich aussagt
Die Befragung entstand im deutschen Forschungsprojekt «Wärmepumpe? Kann ich!», das Öko-Institut, ifeu und co2online gemeinsam durchführen. Ende April 2026 beantworteten in Deutschland 4299 selbstnutzende Hauseigentümer den Fragebogen, 1460 davon heizten bereits mit einer Wärmepumpe (Öko-Institut, Oktober 2026). Rekrutiert wurden sie über den co2online-Newsletter und ein Panel des Eigentümerverbands Haus & Grund. Die Autoren halten selbst fest, dass die Stichprobe nicht repräsentativ ist.
Das relativiert die Zahl, entwertet sie aber nicht: In einer forsa-Umfrage gaben in Deutschland 96 Prozent von 794 Wärmepumpenbesitzern an, sich erneut für eine Wärmepumpe zu entscheiden (forsa im Auftrag des Bundesverbands Wärmepumpe BWP, März 2025). Aufschlussreicher ist der Blick auf jene, die noch zögern. In Deutschland geht etwa die Hälfte der Eigentümer ohne Wärmepumpe davon aus, ein älteres Einfamilienhaus müsse vor dem Einbau umfassend saniert werden, knapp ein Drittel hält eine Fussbodenheizung für zwingend (Öko-Institut, Oktober 2026). Die in der Studie befragten Fachleute widersprechen beidem und schätzen, dass Wärmepumpen in Deutschland in mehr als 90 Prozent der Bestandsgebäude grundsätzlich einsetzbar sind (Öko-Institut, Oktober 2026). Die Studie zeigt damit vor allem eines: Die Erfahrung fällt deutlich besser aus als die Erwartung.
Warum sich die Ergebnisse nur bedingt auf die Schweiz übertragen lassen
Eine deutsche Umfrage lässt sich nicht eins zu eins übertragen. In der Schweiz wird bereits jedes fünfte Gebäude mit einer Wärmepumpe beheizt (ETH Zürich, 2025). Der Bestand liegt in der Schweiz bei rund 450'000 Anlagen, bis 2050 sollen es 1,5 Millionen werden (BFE, Tagung Wärmepumpenforschung, Juni 2025). Hinzu kommt ein Qualitätsstandard: Das Wärmepumpen-System-Modul (WPSM) ist in der Schweiz für Anlagen bis rund 15 kW Voraussetzung für kantonale Fördergelder, etwa in den Kantonen Aargau und Solothurn (kantonale Förderbedingungen 2026). Die Experten im Bericht des Öko-Instituts nennen genau dieses Modul als Benchmark für Deutschland.
Auch die Regulierung greift stärker. Im Kanton Zürich dürfen fossile Heizungen in bestehenden Gebäuden seit dem 1. September 2022 nur noch durch erneuerbare Systeme ersetzt werden, ausser dies ist technisch unmöglich oder über den Lebenszyklus mehr als 5 Prozent teurer. Eine Erhebung in zehn Zürcher Gemeinden zeigte, dass über 98 Prozent der ersetzten Heizungen klimaneutral waren (Kanton Zürich, Mai 2024).
Trotzdem zeigt der Markt ein bekanntes Muster: In der Schweiz sank der Wärmepumpenabsatz 2025 um 1 Prozent, während der Absatz von Öl- und Gaskesseln um 65,5 Prozent stieg, wenn auch auf tiefem Niveau (GebäudeKlima Schweiz, Marktbericht 2025). Die Hürde liegt also nicht bei der Technik, sondern beim Investitionsentscheid, wie auch in Deutschland, wo 80 Prozent der Eigentümer ohne Wärmepumpe die Anschaffungskosten für zu hoch halten (Öko-Institut, Oktober 2026).
Was kostet eine Wärmepumpe in der Schweiz über 20 Jahre?
Raiffeisen Schweiz hat ein Rechenbeispiel für ein Einfamilienhaus mit 200 Quadratmetern im Kanton St. Gallen publiziert, das bisher jährlich 3000 Liter Heizöl verbraucht (Raiffeisen Schweiz, Juni 2026). Eine neue Ölheizung kostet dort 20'000 Franken in der Anschaffung und 4169 Franken pro Jahr für Energie und Betrieb. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe schlägt mit 32'200 Franken Investition zu Buche, senkt die jährlichen Kosten aber auf 1881 Franken. Rechnet man Investition und Jahreskosten ohne Teuerung und Zins über 20 Jahre auf, ergeben sich für die Ölheizung 103'380 Franken und für die Wärmepumpe 69'820 Franken, also rund ein Drittel weniger (eigene Berechnung auf Basis Raiffeisen Schweiz, Juni 2026).
Für die Amortisation steht eine Mehrinvestition von 12'200 Franken einer jährlichen Einsparung von 2288 Franken gegenüber. Ohne Teuerung, Zins und Förderung amortisiert sich die Wärmepumpe damit nach rund 5,3 Jahren. Das Rechenbeispiel weist die Investitionskosten ohne Angabe zu Förderbeiträgen aus. Zieht man zur Illustration einen Förderbeitrag von 4000 Franken ab, wie ihn der Kanton Luzern 2026 für Luft-Wasser-Wärmepumpen bis 15 kW zahlt (Kanton Luzern, Förderprogramm Energie 2026), sinkt die Mehrinvestition auf 8200 Franken und die einfache Amortisationszeit auf rund 3,6 Jahre.
Bemerkenswert ist die Erdsonden-Variante: Mit 59'000 Franken Investition und 1535 Franken jährlichen Kosten kommt sie über 20 Jahre auf 89'700 Franken und spart damit nur rund 13 Prozent gegenüber Öl (eigene Berechnung auf Basis Raiffeisen Schweiz, Juni 2026). Die höhere Effizienz im Betrieb wird durch die Bohrkosten weitgehend aufgezehrt. Klingt gut auf dem Papier, aber in der Praxis entscheiden Geologie und Bohrtiefe, ob sich die Sonde rechnet. Offen bleibt in jeder Rechnung die Strompreisentwicklung, das zentrale Betriebskostenrisiko.
Förderung Schweiz: So holst du jeden Franken ab
Der Bundesrat hatte im Entlastungspaket 27 die Streichung des Gebäudeprogramms vorgeschlagen, das Parlament hat es in der Frühlingssession 2026 jedoch erhalten. In der Schweiz steht damit ein jährliches Fördervolumen von maximal 450 Millionen Franken zur Verfügung (aeesuisse, März 2026), davon bis zu 410 Millionen Franken für das neue gemeinsame Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen, bis zu 30 Millionen Franken für Geothermie und bis zu 10 Millionen Franken für erneuerbares Gas (EnDK, April 2026).
Die Beiträge legen die Kantone fest. Für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe bis 15 kW zahlt 2026 der Kanton Luzern 4000 Franken, für eine Sole-Wasser-Anlage bis 15 kW 8500 Franken (Kanton Luzern, Förderprogramm Energie 2026). Der Kanton Solothurn zahlt für Luft-Wasser-Wärmepumpen bis 15 kW 3550 Franken (Kanton Solothurn, Förderbedingungen Wärmepumpen 2026). Gemeinden ergänzen: Die Stadt Baden legt bei Luft-Wasser-Wärmepumpen zusätzlich 50 Prozent des kantonalen Beitrags drauf (Stadt Baden, 2026).
Den Überblick liefert energiefranken.ch: Die Plattform von EnergieSchweiz listet nach Eingabe der Postleitzahl die Programme von Bund, Kanton und Gemeinde auf, ergänzt um Angebote von Energieversorgern, Firmen und Umweltorganisationen sowie um Förderungen der Mineralölbranche aus der CO2-Kompensationspflicht für Treibstoffe (EnergieSchweiz, energiefranken.ch).
Drei Punkte entscheiden, ob das Geld fliesst. Erstens die Reihenfolge: Im Kanton Luzern darf erst nach Erhalt der Förderzusage mit der Installation begonnen werden (Kanton Luzern, Faktenblatt WPSM). Zweitens der Qualitätsnachweis: Bis 15 kW verlangen die Kantone Aargau und Solothurn ein WPSM-Zertifikat, darüber eine Leistungsgarantie von EnergieSchweiz. Drittens die Fristen: Das Förderprogramm des Kantons Zürich läuft 2026 unverändert weiter, ist aber bis Ende 2026 oder bis zur Ausschöpfung des Fördertopfs befristet (Kanton Zürich, 2026). Steuerlich gilt: Der Bundesrat hat am 1. April 2026 entschieden, den Eigenmietwert per 1. Januar 2029 abzuschaffen. Bis Ende 2028 bleiben Energiesparinvestitionen in der Schweiz abzugsfähig, danach entfällt der Abzug bei der direkten Bundessteuer, und die Kantone können ihn längstens bis 2050 weiterführen (Bundesrat, Medienmitteilung vom 1. April 2026; Luzerner Kantonalbank, 2026).
Wie die Wärmepumpe effizient läuft und warum Planung über die Zufriedenheit entscheidet
Hohe Zufriedenheit ist kein Freibrief für jede Installation. Die bisher grösste Feldstudie der ETH Zürich wertete die Betriebsdaten von 1023 Wärmepumpen in zehn europäischen Ländern über zwei Jahre aus: 17 Prozent der Luft-Wasser- und 2 Prozent der Erdsonden-Wärmepumpen verfehlten die geltenden Effizienzstandards (Brudermüller et al., Nature Communications, März 2025). Jede zehnte Anlage war überdimensioniert, nur 1 Prozent zu klein (ETH Zürich, Mai 2025). Für die Schweiz zeigte eine frühere ETH-Untersuchung mit dem BFE und den EKZ, dass bei 41 Prozent von 410 Anlagen die Heizkurve zu hoch eingestellt war (ETH Zürich, Mai 2025).
Feldmessungen des Fraunhofer ISE in Deutschland zeigen die Bandbreite: Luft-Wasser-Wärmepumpen in Bestandsgebäuden erreichten eine mittlere Jahresarbeitszahl von 3,4, erdgekoppelte Anlagen kamen auf 4,3 (Fraunhofer ISE, Presseinformation vom 3. November 2025). Beteiligt waren zwei Energieversorger und neun Wärmepumpenhersteller. Schweizer Feldmessungen des Wärmepumpen-Testzentrums Buchs im Auftrag von EnergieSchweiz unterscheiden Vorlauftemperaturen von 30 bis 35 Grad im Neubau, 40 bis 45 Grad in der Sanierung und 50 bis 55 Grad im Altbau (Bulletin Electrosuisse 7/2023).
Ob ein Gebäude mit tieferen Temperaturen warm bleibt, lässt sich mit der bestehenden Anlage testen. Der Bericht des Öko-Instituts beschreibt das Vorgehen: an kalten Wintertagen die Nachtabsenkung deaktivieren, alle Thermostatventile öffnen und die Vorlauftemperatur schrittweise auf 55 Grad senken. Bleibt das Haus warm, ist es ohne Grosssanierung wärmepumpentauglich. Bleiben einzelne Räume kühl, reicht meist der Austausch dieser Heizkörper (Öko-Institut, Oktober 2026).
Bei Luft-Wasser-Geräten kommt der Lärmschutznachweis nach der Vollzugshilfe 6.21 des Cercle Bruit dazu. In Wohnzonen der Empfindlichkeitsstufe II liegt der Planungswert in der Schweiz nachts bei 45 dB(A) (LSV Anhang 6, Kanton Zürich, 2026). Der Aufstellort gehört deshalb in die erste Planungsrunde.
Fazit: Wärmepumpen-Zufriedenheit nutzen, Planungsrisiken aktiv steuern
Die Wärmepumpen-Zufriedenheit von 95 Prozent bestätigt aus deutscher Sicht, was sich auch in der Schweiz abzeichnet: Die Technik ist ausgereift, die Risiken liegen in Planung, Einstellung und Finanzierung. Daraus folgen drei Handlungsempfehlungen. Erstens: vor der Auftragsvergabe auf energiefranken.ch alle Programme von Kanton, Gemeinde und Energieversorger prüfen und die Förderzusage abwarten. Zweitens: in der Offerte ein WPSM-Zertifikat oder eine Leistungsgarantie von EnergieSchweiz sowie eine nachvollziehbare Heizlastberechnung verlangen und mehrere Angebote vergleichen. Drittens: nach der ersten Heizperiode Heizkurve und Stromverbrauch prüfen lassen.
Vermeiden solltest du vor allem zwei Fehler: eine aus Vorsicht überdimensionierte Anlage und den Baustart vor der Förderzusage. Als nächster Schritt eignet sich die kostenlose Impulsberatung «erneuerbar heizen» von EnergieSchweiz (Raiffeisen Schweiz, Juni 2026), mit Blick auf das steuerliche Zeitfenster bis Ende 2028.
Quellen: Öko-Institut, ifeu, co2online, «Wärmepumpen im Gebäudebestand: Eignung, Wahrnehmung und Unterstützungsbedarfe selbstnutzender Eigentümer*innen», Working Paper 9/2026, Oktober 2026; Öko-Institut, «Neue Umfrage: hohe Zufriedenheit mit Wärmepumpe», 7. Oktober 2026; VDI/haustechnikdialog, «Wärmepumpe auf Erfolgskurs» (forsa-Umfrage im Auftrag des BWP), 2025; BFE, «Wärmepumpen zeigen Muskeln», Bericht zur 30. BFE-Tagung Wärmepumpenforschung, 2024; Heat Pumping Technologies Magazine, «Switzerland: Heat Pump Market Report», Vol. 44 No. 1, 2026; Heat Pumping Technologies, «Report from the 31st SFOE Conference on Swiss Heat Pump Research», 29. August 2025; ETH Zürich, «How efficient are heat pumps in reality?», 6. Mai 2025; Brudermüller et al., «Estimation of energy efficiency of heat pumps in residential buildings using real operation data», Nature Communications 16, 22. März 2025; GebäudeKlima Schweiz, «Marktbericht 2025», 2026; Kanton Zürich, «Revidiertes Energiegesetz wirkt», Mai 2024; Kanton Zürich, «Förderprogramm Energie geht 2026 unverändert weiter», 2025; Kanton Zürich, «Energieförderung», 2026; Kanton Aargau, «Förderprogramm Wärmepumpen», Mai 2026; Kanton Solothurn, «Förderbedingungen Wärmepumpen», Version 260101, 2026; Kanton Luzern, «Förderprogramm Energie 2026» (Übersicht Luzerner Kantonalbank), 2026; Kanton Luzern, «Faktenblatt Förderung und Wärmepumpensystemmodul (WPSM)», März 2022; Stadt Baden, «Förderung Heizungsersatz und Solarthermie», 2026; Kanton Zürich, «Industrie- und Gewerbelärm» (Belastungsgrenzwerte LSV Anhang 6), 2026; Cercle Bruit, «Vollzugshilfe 6.21: Lärmrechtliche Beurteilung von Luft/Wasser-Wärmepumpen»; EnDK, «Entlastungspaket 27», April 2026; aeesuisse, «Das Parlament spricht sich klar für das Gebäudeprogramm aus», März 2026; EnergieSchweiz, «Energiefranken: Suchmaschine für Förderprogramme», energiefranken.ch, Oktober 2026; Raiffeisen Schweiz, «Was kostet eine Wärmepumpe?», 9. Juni 2026; Fraunhofer ISE, «Wärmepumpen heizen auch im Altbau klimafreundlich», Presseinformation, 3. November 2025; Arpagaus, «Felderfahrungen mit Wärmepumpen», Bulletin Electrosuisse 7/2023; Bundesrat, «Bundesrat setzt Abschaffung des Eigenmietwerts auf 2029 in Kraft», 1. April 2026; Luzerner Kantonalbank, «Abschaffung des Eigenmietwerts», 2026